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Wie handelt Gott in der Welt? Reflexionen im Spannungsfeld von Theologie und Naturwissenschaft von Böttigheimer, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.12.2013
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Wie handelt Gott in der Welt?

Die christliche Religion gründet auf Gottes Handeln in der Welt, das für viele Menschen heute unwahrscheinlich, ja mit wissenschaftlichen Erkenntnissen unvereinbar ist. Der Autor beantwortet die zentralen Fragen: Wie kann angesichts neuerer biologischer und kosmologischer Erkenntnisse dennoch an Gottes Handeln in der Welt verantwortet geglaubt werden? Was heißt 'Gott handelt'? Gibt es Wunder? Ist es sinnvoll, Gott um ein besonderes Eingreifen zu bitten?

Christoph Böttigheimer, geb. 1960 in Schwäbisch Gmünd, Theologiestudium in Innsbruck und Tübingen, 1993 Promotion zum Dr. theol. und 1996 Habilitation an der Universität München (LMU), seit 2002 Professor für Fundamentaltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt; zahlreiche Publikationen zu fundamentaltheologischen, ökumenischen und kirchenpolitischen Fragestellungen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 05.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451800634
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 4143 kBytes
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Wie handelt Gott in der Welt?

2. Naturwissenschaft und Theologie

Häufig liegt der kirchlichen Verkündigung noch immer ein sehr undifferenzierter, mythisch geprägter Schöpfungs- und Vorhersehungsglaube zugrunde, so wie er sich in der biblisch-christlichen Tradition über Jahrhunderte hinweg durchgetragen hat und heute noch in manchen liturgischen Texten und Kirchenliedern zum Ausdruck kommt.

Der Herr, "der alles so herrlich regieret [...] hast du nicht dieses verspüret?" 53 Manch einer möchte auf diese in einem bekannten Kirchenlied aufgeworfene Frage wohl spontan mit Nein antworten. Viele empfinden "diese Art, von Gott zu reden, einfach als ungedeckt von ihrer Alltagserfahrung". 54 Ihre Sicht der Welt ist intellektualistisch geprägt und darum weithin entzaubert. "Die zunehmende Intellektualisierung und Rationalisierung bedeutet [...] nicht eine zunehmende allgemeine Kenntnis der Lebensbedingungen, unter denen man steht. Sondern sie bedeutet etwas anderes: das Wissen davon oder den Glauben daran: daß man, wenn man nur wollte , es jederzeit erfahren könnte , daß es also prinzipiell keine geheimnisvollen unberechenbaren Mächte gebe, die da hineinspielen, daß man vielmehr alle Dinge - im Prinzip - durch Berechnen beherrschen könne. Das aber bedeutet: die Entzauberung der Welt. Nicht mehr, wie der Wilde, für den es solche Mächte gab, muss man zu magischen Mitteln greifen, um die Geister zu beherrschen oder zu erbitten. Sondern technische Mittel und Berechnung leisten das. Dies vor allem bedeutet die Intellektualisierung als solche." 55

Ein Weiteres kommt hinzu: Seit Auschwitz und Hiroshima hat die Bestürzung über unvorstellbares Unheil die Gewissheit vom persönlichen Handeln Gottes in der Zeit grundlegend erschüttert und den Glauben an einen geschichtsmächtigen Gott der Liebe ins Wanken gebracht. "Das vielfach beklagte ›Grundgefühl‹ der Abwesenheit Gottes, das längst der Phase der Trauer über sich selbst entwachsen ist, scheint das Reden vom aktuellen Handeln Gottes jeder Aussicht auf Evidenz beraubt zu haben." 56 Nicht von ungefähr dichtete einst Bertolt Brecht in seinem parodistischen ›Großen Dankchoral‹ mit beißender Ironie: "Lobet die Nacht und die Finsternis, die Euch umfangen. Kommet zuhauf, schaut in den Himmel hinauf: Schon ist der Dank Euch vergangen!" 57

Wahrlich, der Blick zum gestirnten Himmel mag in Staunen versetzen, aber ebenso zum Zweifeln anregen und die Tragik des Menschen vor Augen führen: Was heißt es, an einen personalen Gott zu glauben, angesichts der komplexen Organisation der Materie? "Im Universum aus Wasserstoff und Helium, hinter den Kernreaktionen der Sonnen, den sich aufblähenden Roten Riesen, abkühlenden Weißen Zwergen, Supernova-Explosionen, rotierenden Neutronensternen, interstellaren Staub- und Gaswolken, den Fluchtbewegungen der Galaxien sowie dem evolutionären Wechselspiel zufällig streuender Mutationen mit dem Kampf ums Dasein wollen die Versuche und Bemühungen, die Fürsorge eines alles tragenden und lenkenden Schöpfers zu erblicken, nicht mehr so recht überzeugen." 58 Hinzu kommt die Einsicht, dass innerhalb der ca. 15 Milliarden Jahren währenden Geschichte des Kosmos der Mensch erst seit ca. 200.000 Jahren existiert und es eine Zeit geben wird, da der Kosmos noch sein wird, nicht aber der Mensch, der doch die Krone der Schöpfung sein soll. Vor diesem Hintergrund ist es nur schwer einzusehen, "[w]ie mit Bezug auf einen solchen Weltverlauf heute noch überzeugend davon die Rede sein kann, dass er von Anfang an auf Verklärung und Vollendung hingeordnet ist, in der die Herrlichkeit Gottes offen

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