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Das Kulturerbe deutschsprachiger Juden Eine Spurensuche in den Ursprungs-, Transit- und Emigrationsländern

  • Erscheinungsdatum: 17.12.2014
  • Verlag: De Gruyter Oldenbourg
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Das Kulturerbe deutschsprachiger Juden

Den Spuren deutschsprachiger Juden nachzugehen, bedeutet in mehr als 60 Ländern die Suche aufzunehmen. Ihr Einfluss wirkt in vielen Heimat- und Exilländern fort, ohne dass dies im kollektiven Bewusstsein angemessen repräsentiert wäre. Die 41 Beiträge zu den übergreifenden Themen Identität, Literatur, das 'Jüdische' und das 'Deutsche', Ursprungs-, Transit- und Emigrationsländer, sowie 'Was übrig blieb' laden dazu ein, das deutsch-jüdische Kulturerbe in den vielen Immigrationsländern zu entdecken und den Verlust zu begreifen, der mit der Emigration des deutsch-jüdischen Bürgertums einher ging.
Im umfangreichen Anhang werden Archive, Bibliotheken, Forschungszentren, Gemeinden, Museen, Universitäten und Vereine in aller Welt aufgeführt und beschrieben, die zur deutsch-jüdischen Thematik arbeiten oder wichtige Sammlungen beherbergen. Die Liste wird im Rahmen des Projekts German Jewish Cultural Heritage als Datenbank auf germanjewishculturalheritage.com weitergeführt.


Elke-Vera Kotowski, Moses Mendelssohn Zentrum, Potsdam.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 824
    Erscheinungsdatum: 17.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783110395433
    Verlag: De Gruyter Oldenbourg
    Größe: 1769 kBytes
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Das Kulturerbe deutschsprachiger Juden

Elke-Vera Kotowski
Weit von wo? Der Kulturtransfer jüdischer Emigration aus dem deutschsprachigen Raum

Eine Einführung in die vorliegende Publikation

Wenn ein Mensch - und eine Gesellschaft - nur das zu erinnern im Stande ist, was als Vergangenheit innerhalb der Bezugsrahmen einer jeweiligen Gegenwart rekonstruierbar ist , dann wird genau das vergessen, was in einer solchen Gegenwart keine Bezugsrahmen mehr hat.

(Jan Assmann) 1

Den Spuren deutschsprachiger Juden nachzugehen, bedeutet in mehr als 60 Ländern die Suche aufzunehmen. Zunächst in den Ländern, in denen die deutschsprachigen Juden bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten. Beim Blick auf eine aktuelle Landkarte zeigen sich dabei bereits erste Hürden, denn viele Landesgrenzen sind verschoben, manche Staaten gar verschwunden, beispielsweise so bedeutende Zentren eines deutschsprachigen Judentums wie die Bukowina, die Provinz Posen oder das einstige Großreich Österreich-Ungarn. Es lässt sich heute nur noch erahnen, welch kultureller Geist in vielen bürgerlichen jüdischen Haushalten in Berlin, Breslau, Czernowitz, Lemberg, Prag oder Wien wehte.

Selbst als die Lage für Juden im Einflussbereich der NS-Diktatur immer bedrohlicher wurde, fiel ihnen der Weggang aus der Heimat schwer. Viel konnte nicht mitgenommen werden vom alten Leben, umso wichtiger waren daher Gegenstände, die daran erinnerten, die in der Fremde und angesichts einer ungewissen Zukunft so etwas wie eine kulturelle Heimat herstellen konnten. Die ersten Stationen des Exils waren nicht selten Durchgangsstationen in Transitstaaten, da in den gewählten Immigrationsländern Einwanderungsverbote verhängt wurden. Für Bolivien, die Dominikanische Republik, Kuba oder Schanghai konnten einfacher Visa beschafft werden als für die USA oder Argentinien, wohin die meisten Emigranten strebten.

Waren sie dann endlich angekommen im neuen, nicht freiwillig gewählten Leben, hieß es, sich einzurichten, sich mit den vorgefundenen Begebenheiten zu arrangieren und sich ein Stück Heimat zu schaffen. Die Aufnahmeländer breiteten den Neuankömmlingen die Arme unterschiedlich weit aus. Dies führte dazu, dass die Integration in die verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich intensiv erfolgte. Häufig sammelten sich deutschsprachige Juden in bestimmten Stadtteilen, in denen sie wohnten, arbeiteten und ihre kulturellen Traditionen aus der alten Heimat pflegten, beispielsweise im New Yorker Stadtteil Washington Heights oder in Belgrano, dem nördlichen Buenos Aires.

Vor etwa zehn Jahren schrieb der in Buenos Aires lebende Schriftsteller Robert(o) Schopflocher ( 1923), der als Vierzehnjähriger seine Geburtsstadt Fürth verlassen musste, ein Gedicht, in dem er gesteht: "Seit über sechzig Jahren / in Argentinien, / aber beim Wort ,Baum' / fällt mir zunächst und noch immer / die Dorflinde Rannas ein, / in der Fränkischen Schweiz, / gelegentlich auch eine Eiche / oder ein deutscher Tannenbaum [...]" 2

Obwohl der über Neunzigjährige nunmehr ein Dreivierteljahrhundert in Argentinien lebt, sind es noch immer der "deutsche" Wald, die "deutsche" Literatur, Wissenschaft und Kunst, durch die er sich geprägt und geleitet fühlt.

"Schiller, Goethe und die Romantik, / Jugendstil, Bauhaus und Expressionismus, /prägten mir ihren Siegel auf, / nicht weniger wie der deutsche Wald, / der deutsche Professor /oder der jüdische Religionsunterricht ..."

Zeilen wie diese zeugen von einer tiefen Verbundenheit zu einer Kultur, die bis in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts in starkem Maße von einem jüdischen Bürgertum, sei es in Metropolen wie Berlin, Prag oder Wien, aber auch in der Provinz, in Eisenstadt, Fürth oder Posen, gepflegt, aber auch geprägt wurde.

Das von Robert Schopflocher mit dem Titel "Geständnis" vers

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