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Das Wunder von Errikousa Eine wahre Geschichte über Mut, Widerstand und Hoffnung von Corporon, Yvette Manessis (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.08.2020
  • Verlag: SCM Hänssler im SCM-Verlag
eBook (ePUB)
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Das Wunder von Errikousa

Gott vereint zwei Familien: über die Generationen und durch die Schrecken der Geschichte hinweg. 1930er-Jahre, Erikousa, Griechenland: Alle Inselbewohner stehen zusammen, um eine jüdische Familie vor dem KZ zu retten. Eine dieser Menschen ist Yvettes Großmutter, die ihr noch Jahre später von den Ereignissen jener Tage erzählt. Gepackt von Sehnsucht und Neugier, verlässt Yvette ihre Heimat in New York und begibt sich auf die Suche nach ihren Wurzeln. Doch plötzlich werden die Schrecken der Vergangenheit real - genauso wie das Wunder ... Eine wahre Geschichte voller Hoffnung auf eine Zukunft, in der Vergebung, Glaube und ein liebevolles Miteinander siegt. Inkl. 16-seitigem Bildteil

Yvette Manessis Corporon ist Drehbuchautorin, Redakteurin und Produzentin der Nachrichtenshow 'Extra'. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach mit renommierten Preisen, unter anderem einem 'Emmy Award', ausgezeichnet. Corporon ist mit dem Fotojournalisten David Corporon verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder und lebt in New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 05.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783775175067
    Verlag: SCM Hänssler im SCM-Verlag
    Originaltitel: Something Beautiful Happened
    Größe: 12857 kBytes
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Das Wunder von Errikousa

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GEFAHR FÜR ERRIKOUSA

Errikousa
September 1943

Obwohl sie Christen und von den Gräueltaten im jüdischen Getto kilometerweit entfernt waren, wussten die Bewohner der Insel Errikousa, dass sie gegen die Drohungen der Nazis nicht immun waren. Es war für Yiayia zwar ein Trost, dass ihre Verwandten auf Errikousa sie unterstützten, seit ihr Mann in Amerika war. Aber sie wusste auch, dass sie alles tun musste, um sich und ihre Kinder zu schützen.

»Wer ist gestorben, Mama?«, fragte die Schwester meines Vaters, Agatha. Sie saß auf dem Bett und schaute zu, wie ihre Mutter, meine Yiayia, nicht ihren typischen grauen Rock und ihre graue Bluse anzog, sondern sich von Kopf bis Fuß schwarz kleidete. Trauerkleidung.

Yiayia strich ihren wollenen, schwarzen Faltenrock glatt, knöpfte ihre schlichte, schwarze Bluse zu und knotete das schwarze Kopftuch, das ihre glatten Haare und den Mittelscheitel verdeckte, unter ihrem Kinn.

»Wer ist gestorben?«, fragte auch mein Vater, Anastasios, der allmählich ungeduldig wurde.

Sie wollten sich endlich auf den Weg zur Schule machen. Ihnen ging es nicht so sehr darum, pünktlich zum Unterricht zu kommen; aber der Lehrer hatte die Angewohnheit, Kinder, die zu spät kamen, zu ohrfeigen. Auf Errikousa wurden Kinder in jenen Jahren oft geschlagen - von Eltern, Lehrern, Verwandten, sogar von Fremden. Ein Kind bekam eine Ohrfeige oder ihm wurden die Ohren lang gezogen, wenn es vorlaut oder ungehorsam war - und manchmal war dazu auch überhaupt kein Grund nötig. Die Ohrfeigen waren genauso Teil der Kultur wie die Sitte, die Nachbarn mit »Yiasou« zu grüßen oder sich zu bekreuzigen, wenn man an einer Kirche vorbeiging.

Ihre Mutter interessierte es nicht, dass sie womöglich zu spät zur Schule kamen. Sie bestand darauf, dass die Kinder ruhig sitzen blieben. Sie hatte ihnen etwas zu sagen.

»Ihr seid jetzt Waisen.«

»Nein, das sind wir nicht«, widersprach Agatha.

»Was redest du da? Wir sind keine Waisen«, warf mein Vater ein.

Sie waren ganz sicherlich keine Waisen. Ihre Mutter stand vor ihnen und ihr Vater, mein Papou, war in Amerika. Sie hatten ihn seit Jahren nicht mehr gesehen, aber er war quicklebendig. Papou hatte Errikousa verlassen, bevor die Italiener und dann die Nazis gekommen waren. Er wollte arbeiten und genug Geld sparen, damit er die Familie zu sich nach Amerika holen konnte. Aber dann war der Krieg ausgebrochen und hatte es ihm unmöglich gemacht zurückzukommen. Er schickte ihnen Briefe. In den Umschlägen mit dem Stempel »Aus den USA« steckten Dollarnoten, die zwischen handgeschriebenen Seiten versteckt waren. Allerdings trafen diese Briefe inzwischen immer seltener ein. Dabei wurden sie jetzt dringender gebraucht als je zuvor. Aber alle paar Wochen kam solch ein Brief mit Geld, und das bewies, dass Papou lebte und dass es ihm in Amerika gut ging, während Yiayia auf das Ende des Kriegs wartete und alles tat, um auf Errikousa zu überleben.

»Doch«, beharrte Yiayia. Sie packte beide Kinder am Arm und schüttelte sie, um ihre ganze Aufmerksamkeit zu haben. »Doch, ihr seid Waisen. Wenn die deutschen Soldaten fragen, wo euer Vater ist, sagt ihr, dass er tot ist. Ihr dürft ihnen nie verraten, dass er in Amerika ist. Versteht ihr? Niemals!« Mit den Einzelheiten des Krieges, der Politik und den Gründen, warum sich die Alliierten gegen die Deutschen zusammengeschlossen hatten, kannte sich Yiayia nicht genau aus. Aber sie hatte genug verstanden, um zu wissen, dass die Deutschen die Amerikaner hassten. Sie wusste, wenn die Nazis erfahren sollten, dass ihr Mann in den Vereinigten Staaten lebte, würde ihre Familie wahrscheinlich wie die Familie eines Amerikaners behandelt werden. Das konnte sie nicht riskieren.

Agatha war erst sieben

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