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Die 101 wichtigsten Fragen - Judentum von Brämer, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.09.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die 101 wichtigsten Fragen - Judentum

Dieses Buch vermittelt grundlegende Einblicke in den jüdischen Glauben. Im Mittelpunkt stehen die religiösen Ideen, die Glaubenspraxis und die Frage nach jüdischer Identität. Dabei kommen unterschiedliche Auslegungen und Strömungen zur Sprache, die die große Vielfalt der jüdischen Religion bis heute ausmachen. Zur Sprache kommen aber auch säkulare Formen jüdischen Lebens. Insgesamt bieten die Fragen und Antworten, die nach Themen wie "Gesetz und Ethik", "Symbole und Zeichen", "Gebet und Gottesdienst" oder "Israel und Diaspora" angeordnet sind, eine umfassende und kurzweilige Einführung in die jüdische Religion.

Andreas Brämer, geb. 1964, ist stellvertretender Direktor des Hamburger Instituts für die Geschichte der deutschen Juden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 155
    Erscheinungsdatum: 04.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406623202
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3318kBytes
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Die 101 wichtigsten Fragen - Judentum

Zur Einleitung

1. Was ist das Judentum? An einer Definition des Begriffs "Judentum" haben sich bereits zahlreiche Autoren der philosophischen, theologischen, religionswissenschaftlichen und historischen Zunft versucht. Das simple Kriterium, dass es sich bei Jüdinnen und Juden um Bekenner und Praktizierende einer Religion handele, die man Judentum nennt, ist in mehrfacher Hinsicht ungenau: Vor allem in der Neuzeit kehren viele jüdische Menschen dem jüdischen Glauben den Rücken, ohne deshalb jedoch ihre jüdische Identität zu verleugnen. Und jene, die an einem religiösen Bekenntnis zum Judentum festhalten, werden in der Regel ihr Judesein nicht von ihrer Frömmigkeit abhängig machen wollen, sondern sie eher als dessen Ausdruck begreifen. Im Übrigen präsentiert sich selbst das religiöse Judentum höchst uneinheitlich. Schließlich bleibt bei einer Zuordnung aufgrund von Glaubenskriterien unklar, ob etwa Gruppierungen, die der Häresie bezichtigt werden, oder messianische Juden (s. Frage 21) noch innerhalb des Judentums stehen.

Das alternative Selbstverständnis vieler Juden als Angehörige einer Abstammungsgemeinschaft wirft zugleich zahlreiche neue Fragen auf. Aus der Vorstellung der Kontinuität von unzähligen Generationen, der Zugehörigkeit zu einem "Stamm", wurden und werden Verpflichtungen gegenseitiger Solidarität abgeleitet. Allerdings sind Außenheiraten und Glaubensübertritte zum Judentum eine Wirklichkeit, die bereits in der Hebräischen Bibel zur Sprache kommt und sich in der gesamten jüdischen Geschichte bis heute fortsetzt. Die These von der vermeintlichen gemeinsamen Herkunft der Juden hat zudem in den letzten 150 Jahren allzu häufig dazu gedient, hierarchisierende Rassediskurse zu begründen und Juden als "die Anderen" auszugrenzen. - Auf der Suche nach einer weltlichen Definition jüdischer Identität hat sich auch der Begriff der "Nation" als geschichtsmächtig erwiesen. Vor allem im Zionismus hat die Vorstellung von der realen Einheit aller Juden großen Zuspruch gefunden. Doch "Nation" ist eben keine überzeitliche, ontologische Kategorie, sondern konstituiert im Grunde eine vorgestellte Gemeinschaft. Selbst ein Ethnizitätskonzept, das den sozialen Konstruktionscharakter von Ethnien als Wir-Gruppen bestätigt, vermittelt den Eindruck einer Geschlossenheit aufgrund von bestimmbaren Kriterien, die aber weder der kulturellen und geographischen Vielfalt jüdischer Lebenswelten gerecht wird noch die Heterogenität jüdischer Selbstzuschreibungen berücksichtigt.

Dass das Judentum in unzähligen Variationen existiert und eine widerspruchsfreie Klassifizierung nach konventionellen Kategorien scheitert, darf uns allerdings nicht dazu verleiten, ganz auf den Versuch einer Definition zu verzichten, weil andernfalls auch "die Juden" als kollektives Subjekt abhanden kommen. Es mag helfen, Judentum als Konstellation von Elementen aus Glaube, Ritual, Tradition, Kultur, Abstammung, Geschichte und kollektivem Zusammenhalt zu verstehen - eine variable Zusammensetzung von möglichen Attributen, die sich in unterschiedlichen Ausprägungen auf einen als jüdisch verstandenen Sinnzusammenhang beziehen, sich aber niemals alle gleichzeitig in ihrer vollen Bandbreite manifestieren. Solche definitorischen Unschärfen ermöglichen es sehr wohl, die Juden als eine fassbare Einheit in den Blick zu nehmen.

2. Wer ist Jüdin oder Jude? Die Bezeichnungen "Judäer" und "Jude" gehen beide auf das hebräische Wort Jehudi zurück. Bei den Judäern handelte es sich ursprünglich um Angehörige des Stammes Juda bzw. um die Bewohner des Königreichs Judäa im Süden von Palästina. Erst nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil wurde "Jehudi" zur Bezeichnung eines Angehörigen des jüdischen Volkes benutzt. Seit dem Mittelalter findet der Begriff "Jude" vor allem Verwendung, um die Bekenner der jüdischen Religion zu bezeichnen. Vermied man im 19. un

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