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Mach dich nicht so klein, du bist nicht so groß! Der jüdische Humor als Weisheit, Witz und Waffe von Joffe, Josef (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2015
  • Verlag: Siedler
eBook (ePUB)
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Mach dich nicht so klein, du bist nicht so groß!

Der jüdische Witz ist aggressiv und selbstironisch zugleich. Die eigentliche Pointe lautet: Ihr müsst uns gar nicht niedermachen, das machen wir selbst viel besser - und zeigen damit, dass wir schneller und gewitzter sind als ihr. Kundig und mit viel Esprit erzählt Josef Joffe vom jüdischen Humor: von seiner Tradition, seinen Eigenheiten, seinen Figuren. Anders als ältere Sammlungen verharrt dieses Buch jedoch nicht in der versunkenen osteuropäischen Kultur, sondern nimmt den Leser mit in die neue Welt des jüdischen Humors - vor allem nach Amerika.

Eine deutsch-jüdische Kultur, die von Moses Mendelssohn bis zu Franz Kafka reicht und ein Drittel der deutschen Nobelpreisträger vor 1933 hervorgebracht hat, gibt es nicht mehr, auch die osteuropäische ist verschwunden. Aber der jüdische Humor lebt. Und er funktioniert wie eh und je: das Wortspiel, die Aggression, die sich in Selbstironie auflöst, die zugespitzte, aber nicht verletzende Pointe, der schnelle Stich in die Blase der Selbstgefälligkeit, das Hangeln im Absurden, ein atemloses Tempo - die Melancholie verfliegt im befreienden Gag, das Menschlich-Allzumenschliche wird mit einer Prise Lebensweisheit serviert.

Joffes geistreiche und leidenschaftliche Darstellung des jüdischen Humors unterhält vorzüglich, auch wenn man zugleich die Bitternis spürt, die im Witz vertrieben wird. Ein außergewöhnlicher Blick auf die Welt des Judentums, wie man sie bisher nicht kannte.

Josef Joffe ist seit dem Jahr 2000 Herausgeber der ZEIT. Davor war er Ressortleiter Außenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung. Er lehrte Internationale Politik in München, an der Johns Hopkins University und in Harvard, in Stanford unterrichtet er seit 2004. Als Kenner der amerikanischen Politik veröffentlichte Joffe zahlreiche Sachbücher, zuletzt 'The Myth of America's Decline' (2013). Joffe ist Mitglied im Aufsichtsrat des Leo Baeck Institut New York, das ein reichhaltiges Archiv der deutsch-jüdischen Geschichte pflegt. In Deutschland ist er Vorsitzender des Kuratoriums des Abraham-Geiger-Kollegs an der Universität Potsdam.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 09.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641153762
    Verlag: Siedler
    Größe: 471 kBytes
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Mach dich nicht so klein, du bist nicht so groß!

KAPITEL 1

Vom osteuropäischen Schtetl zur amerikanischen Sitcom

Das Wesen des jüdischen Humors

Warum noch ein Buch über den jüdischen Witz? Amazon bietet über 50 Bände auf Deutsch an. Auf Amazon-Englisch sind es 220. Die beste Antwort liefert ein jüdischer Klassiker:

"Warum muss ein Jude eine Frage immer mit einer Gegenfrage beantworten?" - "Warum denn nicht?"

Die simpelste Antwort auf die Frage "Warum noch ein Buch über den jüdischen Humor?" wäre demnach "Warum denn nicht?". Es gibt offenbar einen bleibenden Bedarf, selbst in Deutschland, wo im Vergleich zur Vor-Nazizeit kaum noch Juden leben. Offiziell sind es hunderttausend Gemeindemitglieder; vor 1933 waren es rund sechshunderttausend - in bedeutend sichtbareren Positionen als heute: Journalismus und Literatur, Theater und Film, Forschung und Lehre, Politik und Wirtschaft.

Eine deutsch-jüdische Kultur, die von Mendel(s)sohn (dem Komponisten wie dem Architekten) bis zu Freud, Kafka und Zweig führt und ein Drittel der deutschen Nobelpreisträger vor 1933 gezeugt hat, gibt es nicht mehr, die osteuropäische, den Urquell des jüdischen Humors, auch nicht. Aber der jüdische Witz lebt.

Dieses Buch enthält nicht nur unverzichtbare Klassiker, sondern auch neuere Witze. Manchmal werden sie richtig, öfter falsch erzählt, wobei das "Jüdeln" - was manche für Jiddisch halten - zum peinlichen Pointenkiller gerät und das Gegenteil von Vertrautheit signalisiert. Außerdem: So mancher jüdische Witz ist keiner, sondern entstammt dem Ur-Schatz der Menschheit. Deshalb will dieses Buch versuchen, nur echte jüdische Witze vorzulegen - was, etwas hochtrabend, eine Art Theorie des jüdischen Humors erfordert. Wie unterscheidet sich dieser von Humor als solchem? Was macht ihn aus? Was ist der Unterschied zwischen einem jüdischen und einem Judenwitz, der zur antisemitischen Gattung zu rechnen ist, also mit uralten Vorurteilen über Juden arbeitet?

Zum Zweiten will dieses Buch versuchen, auf spielerische, "witzige" Art und Weise das Wesen des Judentums auszuleuchten: das Verhältnis zu Gott, Glauben und Ritus. Das Judentum ist zwar die Mutter der beiden weitaus größeren Buchreligionen, aber in Deutschland so gut wie unbekannt, weil es hier anders als in Amerika, England und Frankreich kaum noch Juden gibt. Vor 1933 machten Juden fast ein Prozent der deutschen Bevölkerung aus; heute sind es ein Achtelprozent (oder ein Viertel, rechnet man die geschätzte Zahl der Nicht-Gemeindemitglieder dazu). Noch unvertrauter ist jedoch der Islam, und selbst das Christentum - mit Athen, Rom und Jerusalem eine Mutter der westlichen Kultur - nimmt hierzulande immer weniger Raum im kollektiven Bewusstsein ein. Deutschland, ja Europa (abzüglich Polen und Irland) "entchristianisiert" sich.

Wer kennt sich noch halbwegs in der Bibel aus, ohne die man die Hälfte der Kunst, Musik und Architektur, auch einen Großteil der Literatur - Dostojewski, Joyce, Mann - nicht verstehen kann? Selbst ein durch und durch verweltlichter Dichter und Agitprop-Genie wie Bertolt Brecht antwortete auf die Frage, welche Literatur ihn am stärksten inspiriert hätte: "Sie werden lachen, die Bibel."

Jüdische Witze über Gott und Rabbiner, Speisegesetze und Riten fügen sich nebenbei zum "Religionsunterricht" zusammen. Die gut gesetzte Pointe transportiert im Lachen das Ernste wie das Ernsthafte, sei's die jüdische Conditio humana , sei's den schwierigen Umgang mit einem Gott, der sich zum christlichen so verhält wie ein gelegentlich strenger, aufbrausender und unberechenbarer Vater zu einer stets gütigen, verzeihenden Mutter.

Was wäre denn ein echter jüdischer Witz? Vor gar nicht allzu langer Zeit erzählte ein bedeutender deutscher Verleger während der Grabrede für einen alten jüdischen Freund einen jüdischen Witz, der keiner ist:

Ein Jude kommt allabendlich in die Bar und bestellt zwei Whiskys, die er

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