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Der Hinduismus von Stietencron, Heinrich von (eBook)

  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Der Hinduismus

Der Hinduismus fasziniert und verwirrt Europäer durch den Reichtum und die Farbigkeit seiner Formen, die starke Emotionalität in der religiösen Praxis und die Tiefe des theologisch-philosophischen Nachdenkens über das Wesen von Mensch und Welt. Dieses Buch bietet einen Überblick über die rund 3 000 Jahre alte religiöse Tradition von der vedischen Religion bis zum modernen Hinduismus. Es erläutert die unterschiedlichen heiligen Schriften und stellt die wichtigsten Götter einer unüberschaubar vielgestaltigen Götterwelt vor. Besonderes Augenmerk gilt dem gegenwärtigen gelebten Hinduismus und seinen national-politischen, von den Erfahrungen der Kolonialzeit und des Freiheitskampfes geprägten Aspekten. Eine Zeittafel, Literaturhinweise und ein Register runden diese Einführung ab.

Prof. Dr. Heinrich von Stietencron leitete bis zu seiner Emeritierung 25 Jahre lang das Seminar für Indologie und Vergleichende Religionswissenschaft an der Universitat Tübingen. Er ist Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und hat von 1980 bis 1993 im Vorsitz der Deutschen Vereinigung für Religionsgeschichte mitgewirkt. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Religionsgeschichte Indiens und zu allgemeinen Fragen der Religionswissenschaft.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 129
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406616280
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2864 kBytes
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Der Hinduismus

II. Die großen monotheistischen Religionen

Monotheistische Religionen sind, historisch gesehen, Spätformen religiösen Denkens auf dem indischen Subkontinent. Sie entwickeln sich aus älteren polytheistischen Vorstellungen, teils durch Verschmelzung verschiedener Gottheiten, deren Machtbereiche sich dann in einer Gottheit vereinen, teils durch die Suche nach einem Urgrund, aus dem die Vielfalt des Seienden, auch der Götter, hervorgegangen ist. Die Entstehung der Idee eines solchen höchsten Gottes allein reicht jedoch noch nicht aus, es muß sich auch eine Gemeinde bilden, die seine Verehrung propagiert, eine Theologie entwickelt und sich gegen andere, ähnliche Versuche durchzusetzen vermag.

Als Spätstufe der Entwicklung findet der Monotheismus in Indien immer schon andere Götter vor. Er kann, wie dies in anderen Teilen der Welt geschah, die vorgefundenen Götter zu Dämonen herabstufen und diese bekämpfen. Er kann aber auch - und dies war in Indien meistens der Fall - die vorhandenen Götter unterordnen, sie als Gehilfen einstufen und sie zum Teil sogar mit den gleichen Aufgaben betrauen, die ihnen im arbeitsteiligen polytheistischen Pantheon ohnehin zukamen. Diese niederen Götter tragen weiterhin ihre alte Bezeichnung "Deva", "Himmlischer". Was sie verlieren, ist ihre Unabhängigkeit, ihre Anfangslosigkeit und ihre Unsterblichkeit. Im Rahmen der Wiedergeburtslehre werden sie zu herausragenden Seelen, die aufgrund ihres erworbenen Karma zentrale Aufgaben im Bereich der kosmischen Ordnung übernehmen können. Eine Pluralität von geistigen Wesen wird also beibehalten. Aber die höchste Gottheit ist nicht primus inter pares wie der König der Götter im Polytheismus; sie ist auch nicht die Höchste nur in den Augen des individuellen Gläubigen, weil dieser sich im Augenblick gerade diesem unter allen Göttern in Andacht zuwendet wie im Henotheismus. Sie stellt vielmehr eine völlig andere Kategorie dar. Diese Gottheit allein existiert vor der Welt, vor anderen Göttern, und ist Quelle allen Daseins. Anfangslos und unvergänglich, allwissend und allmächtig, gänzlich unabhängig und in sich selbst ruhend ist nur sie.

Es hat zahlreiche monotheistische Ansätze in Indien gegeben. Auf Dauer durchgesetzt haben sich vor allem der Vishnuismus und der Shivaismus. Aus letzterem ist der Shaktismus hervorgegangen, der sehr alte Wurzeln hat, aber als Theologie die jüngste unter den monotheistischen Religionen Indiens darstellt. Der folgende Versuch, diese Religionen darzustellen, folgt der Reihenfolge ihres historischen Auftretens als erkennbar monotheistische Theologie.
1. Der Vishnuismus

Die Religion, die man heute als Vishnuismus bezeichnet, ist wie ein Strom, der das Wasser vieler Nebenflüsse in sich aufgenommen hat. Mehrere monotheistische Bewegungen unterschiedlichen Ursprungs haben sich in ihr vereinigt. Diese haben sich gegenseitig beeinflußt, haben aber auch teilweise ihre Identität bewahrt, so daß sich selbst heute noch unterschiedliche Stränge erkennen lassen. Drei von diesen treten besonders deutlich hervor: 1) Der Kult des vedischen Gottes Vishnu, 2) der Heroenkult des Vasudeva Krishna und 3) die Verehrung des königlichen Helden Rama aus dem Epos Ramayana.

Den Gott Vishnu kann man am weitesten zurückverfolgen, da er bereits zum vedischen Pantheon gehörte und alle Bücher des Rigveda von ihm zeugen. In der Zeit der Brahmanas (ca. 9.-6. Jahrhundert v. Chr.) wurde er mit Purusha und Narayana identifiziert, und es entwickelte sich eine Theologie, die bereits alle Züge eines Monotheismus trug. Die Theologen dieser Religion gingen aus zwei unterschiedlichen Schulen des Yajurveda hervor: die Pancaratras gehörten zum weißen, die Vaikhanasas zum schwarzen Yajurveda. Beide Gruppen standen in Kontakt miteinander. Sie unterschieden sich vor allem durch ihre Einstellung zur Welt: Die Pancaratras sonderten sich als Asketen von der Gesellschaft ab, die Vaikhanasas dagegen legten Wert

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