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Die Entstehung des Islam Die ersten hundert Jahre von Berger, Lutz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.09.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die Entstehung des Islam

Innerhalb von nur hundert Jahren entstanden der Islam und das Weltreich der Kalifen und veränderten tiefgreifend die politischen und kulturellen Koordinaten der Welt. Lutz Berger erklärt dieses "Wunder" aus dem Wandel der spätantiken Gesellschaften und beschreibt anschaulich, wie sich der Islam Hand in Hand mit den arabischen Eroberungen formiert hat. Über das plötzliche Auftauchen des Islams im 7. Jahrhundert ist viel spekuliert worden: Handelte es sich ursprünglich um eine christliche oder jüdische Sekte? Auf welche Quellen geht der Koran zurück? Lutz Berger zeigt auf der Grundlage neuester Forschungen, wie sich in der Konkurrenz monotheistischer Erlösungsreligionen von Mekka aus eine arabische Spielart mit eigenem Propheten und heiligem Buch verbreitete und die zersplitterte arabische Halbinsel befriedete. Dies war die Voraussetzung für weiträumige Eroberungen, die überall da erstaunlich reibungslos verliefen, wo man sich dem Zugriff des byzantinischen oder sassanidischen Großreichs entziehen wollte. Durch die Aufnahme des persischen Erbes entstand eine ganz neue Kultur, die die Zivilisation der Antike bewahrte - während der Nordwesten Europas kulturell zurückfiel. Lutz Berger vollbringt das Kunststück, den Aufstieg des Islams ganz aus den Bedingungen der Zeit zu erklären und zugleich in eine welthistorische Perspektive zu stellen, die das Buch zu einer faszinierenden Fallstudie über die Geburt von Imperien macht.

Lutz Berger ist Professor für Islamwissenschaft und Turkologie an der Universität Kiel. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zum vormodernen Islam sowie zum Islam in der Gegenwart vorgelegt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 337
    Erscheinungsdatum: 05.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406696947
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3974 kBytes
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Die Entstehung des Islam

II.
DIE ANTIKEN GROSSREICHE
IM 6. JAHRHUNDERT

1. Das Römische Reich

Die Teilung

In der Krisenphase des 3. Jahrhunderts hatte sich herausgestellt, dass eine effektive Kontrolle des von den Römern beherrschten Raumes durch einen einzigen, in Rom residierenden Kaiser nicht mehr praktikabel war. Mit der Verteilung der Herrschaft auf verschiedene Schultern konnte kaiserliche Präsenz in der Nähe militärischer Brennpunkte sichergestellt werden. Gleichzeitig konnten potentielle Anwärter auf die höchste Macht so besser eingebunden werden. Das Vorhandensein mehrerer Kaiser bedeutete keine formale Teilung des Reiches. Die Idee der Reichseinheit ist nie aufgegeben worden. Alle Kaiser betrachteten sich als Herrscher eines Gesamtstaates, der unabhängig von ihnen bestand. In gewisser Weise war es ein Zufall, dass sich die Teilung in ein Ost- und ein Westreich nach dem Tod von Theodosius im Jahr 395 als dauerhaft erwies. Diese Teilung erfolgte nicht entlang kultureller oder sprachlicher Grenzen, auch wenn die Eliten im Osten überwiegend griechischsprachig waren und im Westen die Kenntnis des Griechischen bereits im 4. Jahrhundert stark zurückgegangen war. Auf dem Balkan etwa gehörten Gebiete zum Ostreich, in denen das Lateinische dominierte. Auch die Armee war noch stark lateinisch geprägt. Das Gleiche galt für den kaiserlichen Hof, und Devisen auf Münzen waren im Osten ebenfalls noch in den 620er-Jahren auf Lateinisch. Schließlich war Latein allerorts noch über das 7. Jahrhundert hinaus die Sprache des Rechts, auch wenn sich hier ein Wandel abzeichnete. Ab den 530er-Jahren wurden neue Gesetze, die nicht speziell die lateinischen Gebiete betrafen, auf Griechisch erlassen.[ 1 ]

Das Lateinische war aber nicht die einzige Sprache, die im Ostreich dem Griechischen Konkurrenz machte. Im Osten und Süden gewannen lokale Sprachen wieder an Bedeutung. In Ägypten war dies das Koptische, im Raum zwischen Mittelmeer und dem westiranischen Zagrosgebirge das Syrisch genannte Aramäische (nicht zu verwechseln mit dem heutigen syrischen Dialekt des Arabischen). Dieser sprachliche Wandel war eine Folge der Christianisierung. Während die von griechischsprachigen Kirchenmännern betriebene Christianisierung in den ländlichen Regionen Anatoliens einen Beitrag zum endgültigen Sieg des Griechischen über lokale Sprachen geleistet hatte,[ 2 ] lagen die Dinge in Ägypten und in Syrien anders, das hatten wir oben gesehen.[ 3 ] Koptisch und Syrisch wurden zu Literatursprachen. Im Bereich des Fruchtbaren Halbmondes gewann darüber hinaus das Arabische zunehmend an Bedeutung, das aber vorerst noch selten als Schriftsprache in Gebrauch war. Griechisch, das hier wohl immer vor allem eine Sprache der Städte gewesen war, blieb die Sprache der Bürokratie und der Teile der Kirche, die sich dem Kaiser in besonderer Weise verbunden fühlten, lange aber auch noch seiner Gegner, wenn die gelehrten Kirchenleute unter sich kommunizierten.

Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft zeigten sich nach krisenhaften Entwicklungen im 5. Jahrhundert im frühen 6. Jahrhundert komplexer, reicher und stabiler als wohl selbst in der Blütezeit des Römischen Reiches im 2. Jahrhundert. Besonders auffällig ist der Wohlstand des römischen Ostens in der Zeit um 500 im nordsyrischen Kalksteinmassiv im Hinterland von Antiochia. Hier betrieben kleine und mittlere Bauern im großen Stil einen exportorientierten Landbau, der sich vor allem auf die Olivenproduktion konzentrierte. Die Spuren der damaligen Prosperität sind noch immer in den zahlreichen aus der Zeit stammenden Gebäuderesten zu bewundern, die überall aus der Landschaft ragen. Zu jener Zeit wies die Gegend eine Bevölkerungsdichte von 100 Personen pro Quadratkilometer auf, was auch heute für landwirtschaftl

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