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Muslimische Patienten Chancen und Grenzen religionsspezifischer Pflege von Wunn, Ina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.01.2006
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Muslimische Patienten

Die Debatte um die Integration von Migranten vor allem aus dem muslimischen Kulturkreis wird inzwischen ebenso engagiert wie kontrovers geführt. Muslime als Patienten mit ihren spezifischen und direkt von ihrem religiösen Weltbild abhängigen Heilungsvorstellungen wurden allerdings bislang weder im politischen noch im medizinisch-pflegerischen Alltag genügend beachtet. Hier will dieses Buch Abhilfe leisten: Muslimische Patienten werden in ihrem gelebten Alltag als Heilung Suchende an deutschen Kliniken mit ihren spezifischen religiösen Bedürfnissen wahrgenommen; ihre Wünsche und Sorgen werden dokumentiert und diskutiert. Dies schließt einen knappen Rückblick auf die Entwicklung der arabisch-muslimischen Medizin mit ihren Besonderheiten ebenso ein wie einen Aufriss der Situation von Migranten der unterschiedlichsten Herkunftsländer, ihren Integrations- und Akkulturationsleistungen.

Prof. Dr. phil. Dr. rer. nat. Ina Wunn lehrt Religionswissenschaft an der Universität Hannover.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 210
    Erscheinungsdatum: 26.01.2006
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170283244
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 7645 kBytes
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Muslimische Patienten

2 Migration und Religion

(unter Mitarbeit von Asiye Berge-Traoré)
2.1 Der Islam in Niedersachsen

Kaum eine einschlägige Publikation kommt ohne den Hinweis auf eine bisher nicht gekannte religiöse Vielfalt in der deutschen bzw. niedersächsischen Kulturlandschaft aus, 10 und tatsächlich ist hier ein deutlicher Wandel nicht zu übersehen. Wie Baumann in seiner Untersuchung über die Religiosität / religiöse Organisation asiatischer Migranten zusammenfassend ausführt, ist religiöser Pluralismus zumindest in Niedersachsen ein Phänomen der jüngsten Geschichte. Noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war die Bevölkerung weiter Teile des heutigen Niedersachsens durchgängig protestantisch; lediglich in bestimmten Regionen wie Osnabrück, Emsland oder Südoldenburg dominierte der Katholizismus. Erst durch die Gründung des Bundeslandes Niedersachsen 1946 entstand ein in konfessioneller Hinsicht bunteres Landschaftsbild, das durch den Zustrom von Flüchtlingen, Vertriebenen und Evakuierten zusätzlich an Heterogenität gewann. Diese durch die politischen und demographischen Veränderungen während der Nachkriegszeit hervorgerufenen Verschiebungen innerhalb der konfessionellen Zusammensetzung der einzelnen Regionen gingen nicht ohne Probleme vonstatten, da die anderskonfessionellen Zuwanderer Konkurrenten in einer weitgehend noch durch Mangel (Wohnung, hochwertige Nahrung, Arbeit) geprägten sozialen Umwelt darstellten. "Erst langsam," so stellt Baumann fest, wuchs "das politisch als auch demographisch neue niedersächsische Volk ... zusammen, die einstige regionale monokonfessionelle Prägung wich vielerorts einer Bikonfessionalität." 11

Eine Sonderstellung nahmen die jüdischen Gemeinden ein, die sich seit jeher in einer Diasporasituation befunden hatten, als Fremdlinge angesehen und stigmatisiert wurden. Erst 1870 konnten die Hannoveraner Juden nach knapp zweihundert Jahren der Hinterhofexistenz eine repräsentative Synagoge an zentraler Stelle errichten, die jedoch 1938 zerstört wurde. Heute befindet sich an dieser Stelle das Parkdeck der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers; lediglich eine unauffällige Gedenktafel erinnert an die Synagoge und die kurze Zeit der erfolgreichen jüdischen Emanzipation. 12

Festzuhalten bleibt bei diesem begrenzten Ausflug in die niedersächsische Religionsgeschichte, dass religiöse Vielfalt auch auf kleinstem und anscheinend altgewohntem Level keineswegs zum gelebten Alltag in der jüngeren niedersächsischen Geschichte gehört, sondern dass vielmehr bloße konfessionelle Unterschiede in Zeiten politischer oder wirtschaftlicher Unsicherheit zur Verstärkung von Ressentiments führen konnten und führten. Entschärft wurden diese durchaus nicht immer nur marginalen Konflikte in den folgenden Jahren durch erhebliche Fortschritte auf dem Gebiet der Ökumene einerseits, andererseits aber vor allem durch die allgemein fortschreitende Säkularisierung, die zwar nicht zu einer Entchristlichung, aber doch zu einer fortschreitenden Entkirchlichung führte und damit die konfessionellen Unterschiede verwischte oder im gelebten Alltag bedeutungslos machte. 13

Diese neue, in religiöser und vor allem ethnisch-kultureller Hinsicht immer noch recht homogene Kulturlandschaft begann sich seit den 1960er Jahren durch den Zuzug von Arbeitsmigranten, aber auch von Flüchtlingen, in einem bislang nicht gekannten Ausmaß zu verändern. 14 So leben heute in Niedersachsen rund 480 000 Ausländer - eingebürgerte Migranten mit inzwischen deutschem Pass sind naturgemäß in dieser Zahl nicht enthalten. 15 Ein Blick auf die Herkunftsländer zeigt, dass in Niedersachsen türkische Staatsangehörige mit gut 118 000 Personen den weitaus größten Anteil an den Ausländern stellen, mit weitem Abstand gefolgt von rund 40 000 Serben und Montenegrinern. Italiener und Niederländer stellen mit je 26 000 und 20 000 Personen erst die dritt- bzw. vie

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