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Reformislam Der Kampf für Demokratie, Freiheit und Frauenrechte von Amirpur, Katajun (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.01.2019
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Reformislam

Es gibt ihn doch, den modernen Islam, der für die Gleichberechtigung der Geschlechter, Demokratie, Freiheit, religiöse Toleranz und die Menschenrechte eintritt und sich dabei auf den Koran beruft! Katajun Amirpur eindrucksvoll, dass der Islam heute vielfältiger und moderner ist, als es bärtige Islamisten und westliche Islamkritiker wahrhaben wollen. Katajun Amirpur, geb. 1971, ist Professorin für Iranistik an der Universität zu Köln und schreibt regelmäßig für große Zeitungen und Zeitschriften.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 08.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406736896
    Verlag: Verlag C.H.Beck
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Reformislam

2 Islamische Reformer heute

Post-Islamismus

Gerade gegen diesen Zwang jedoch wenden sich heutige iranische Reformdenker wie der Mullah Mohsen Kadivar (geb. 1959) und erklären, der Mensch könne nicht in Ketten ins Paradies geschleppt werden. Denker wie er weisen Khomeinis Islamverständnis zurück und versuchen stattdessen, die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie zu begründen.

Kadivars Hauptthese, die ihn als post-islamistischen Intellektuellen klassifiziert, kann man folgendermaßen zusammenfassen: Die Menschen erwarten zwar, dass ihnen die Religion Prinzipien und Werte an die Hand gibt, aber die praktischen Angelegenheiten gehören eher in den Bereich der sogenannten menschlichen Erfahrungen, eine Formulierung, die ein Code sein dürfte für säkulare Normen.

In seinen Schriften beschäftigt sich Kadivar zum Beispiel mit der Frage der Religionsfreiheit. Bei einem Vortrag, den er im Jahr 2001 beim International Congress of Human Rights and the Dialogue of Civilizations in Teheran hielt, kritisierte er das Regime folgendermaßen:

Obschon die gemeinhin wahrgenommene Interpretation des Islams in vielen Fällen nicht die Ideen der Religions- und der Glaubensfreiheit widerspiegelt, existiert eine andere Interpretation des Islams, die auf den ursprünglichen Quellen des Islams basiert und die in Einklang ist mit der Freiheit der Religion und des Glaubens, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegt worden ist. (Kadivar 2006, 142)

Die nicht-kompatible Islamdeutung nennt Kadivar traditionellen Islam, die kompatible ist dagegen der Reformislam, der, wie es im Persischen heißt, neugedachte Islam, eslam-e nouandish . Kadivar schreibt:

Wir kommen also zu dem Schluss: Traditioneller Islam und Demokratie sind [...] nicht vereinbar, während neugedachter Islam und Demokratie [...] vereinbar sind. (Kadivar 2009, 79)

Es war der Ansehensverlust, den der Islam durch den real existierenden Islamismus in der iranischen Theokratie erlitten hatte, der viele iranische Reformdenker dazu brachte, Widerstand zu leisten. Der Geistliche Mohammad M. Shabestari (geb. 1936) beispielsweise legte aus Protest sogar seinen Turban ab und erklärte: "Mir passt in dieser Islamischen Republik kein Turban mehr." Shabestari sagt pointiert:

Die richtige Frage ist nicht: Sind Islam und Demokratie vereinbar oder nicht? Die Frage ist: Sind die Muslime heute bereit, diese Vereinbarkeit entstehen zu lassen? (Dernbach 2007)

Und weiter:

Das Christentum hat sich gewandelt, das Judentum auch. Warum dürfen die Muslime ihre Religion nicht reformieren? (Dernbach 2007)

Shabestari hat die Wissenschaft der Hermeneutik in Iran eingeführt und im iranischen Diskurs über die Religion hermeneutische Prinzipien etabliert: Jeder Lesende hat ein Vorverständnis und ein Erkenntnisinteresse, das für das Verstehen des Texts ausschlaggebend ist. Wer den Koran im Sinne der Demokratie deuten will, kann es also auch. Und er tut dem Text damit nicht mehr Gewalt an als der, der aus ihm eine Theokratie als Gottes Idealvorstellung herausliest oder die Notwendigkeit, die rigiden Vergeltungsmaßnahmen des islamischen Strafrechts anzuwenden.

Auch der iranische Geistliche Hasan Yusefi Eshkevari etwa (geb. 1950) betont den Kontext bei seiner Koraninterpretation. Ein Beispiel: "Kämpft gegen sie, bis keine Versuchung mehr besteht und die Verehrung Gott gilt!", heißt es im Koran (Sure 2:193). Die Sure klingt kämpferisch und könnte so verstanden werden, als hätten die Muslime auf immer und ewig die Pflicht, gegen die Ungläubigen zu kämpfen und alle zum Islam zu bekehren. Eshkevari argumentiert hingegen, dass sich diese Sure ausschließlich auf ein bestimmtes historisches Ereignis bezieht, nämlich auf die Schlacht von al-Hudaybiya. Im Jahr 630 brach der Prophet Muhammad einen Waffenstillstand, den er zwei Jahre zuvor geschlossen hatte, und marschiert

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