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Zen Geschichte und Praxis von Brück, Michael von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.02.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Zen

Zum Buch Das Zen – eine besondere historische Entwicklung innerhalb des chinesischen Buddhismus mit großer Wirkung auf viele Länder Ost- und Südostasiens – ist auch aus dem westlichen Kulturkreis nicht mehr wegzudenken. Damit hat sich die mit dem Zen verbundene Meditationspraxis zweifelsohne als die vielleicht wirkungsmächtigste und dauerhafteste Form der Übung erwiesen, durch unmittelbare Einsicht in die Wirklichkeit das Rätsel von Leben und Tod zu lösen und das Wesen des menschlichen Lebens direkt erfahrbar werden zu lassen. Mit Michael von Brück beschreibt einer der besten Kenner die historischen Entwicklungslinien des traditionsreichen Zen, erklärt die wichtigsten Ziele und erläutert die wesentlichen Elemente der Meditationspraxis im Zen. Über den Autor Michael von Brück ist Professor em. für Religionswissenschaft an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität München. Seine Ausbildung zum Yoga- und Zenlehrer erhielt er in Indien und Japan. Bei C.H.Beck erschienen von ihm außerdem: Buddhismus und Christentum. Geschichte, Konfrontation, Dialog (zusammen mit Whalen Lai, 1997), Wie können wir leben? Religion und Spiritualität in einer Welt ohne Maß (5. Auflage 2005) sowie Leben in der Kraft der Rituale (2011).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 08.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406622649
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2412 kBytes
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Zen

2. Geschichte

2.1 Geschichte des Ch'an in China

Über die frühe Entwicklung des Ch'an (jap. Zen ) im 7. Jh. wissen wir wenig. Ch'an tritt, so urteilen heute die meisten Gelehrten, erst im 8. Jh. als eigene Schule mit erkennbaren Sukzessionslinien von Ch'an-Meistern in die Geschichte ein. Die Linie der Meister, die bis auf den Buddha zurückgeführt wird (zunächst zählte man 13, später 28 indische Patriarchen), ist erst im Jahre 952 endgültig festgelegt worden, d.h., die frühe "Geschichte des Ch'an" ist fromme Fiktion, wobei die Legenden in vielen Fällen durchaus historische Hintergründe haben. Angesichts neuerer Forschungen während der letzten Jahrzehnte (vor allem in Japan) müssen aber viele Annahmen bezüglich der Systeme, Schulen, Überlieferungslinien und Einflüsse neu überdacht werden. Aufgrund von Rivalitäten haben spätere Autoren Trennungslinien (z.B. zwischen der sogenannten Nord- und Südschule des Ch'an) viel schärfer gezogen, als es sich aus der historischen Rekonstruktion ergibt. Von "Schulen" kann man für diese Zeit nur sprechen, insofern individuelle Lehrer auftraten, deren Wechselwirkungen in turbulenten politischen Kontexten lange fließend blieben. Einflüsse hat es in jeder Richtung gegeben, und rhetorische Überspitzungen spiegeln kaum die wirklichen Verhältnisse, zumal die selbstverständlichen Gemeinsamkeiten in der Hitze der Polemik, die der abgrenzenden Identitätsbildung dient, weniger erwähnt wurden. Das, was sich spätere Autoren als miteinander rivalisierende "Schulen" vorstellen, sind keine monolithischen Systeme. Wir wissen zwar vom frühen Ch'an, daß und wie verschiedene unabhängige Lehrer miteinander im Disput waren, aber es handelte sich dabei nicht um organisierte Schulen. Neuere Ch'an-Studien haben die Vorstellung von ungebrochenen und sich kaum verändernden Traditionslinien in Frage gestellt.

Ausgangspunkt der folgenden Darstellung ist die Traditionsgeschichte, die zeigt, daß Ch'an gegenüber früheren buddhistischen Lehren nichts wesentlich Neues sagt, daß aber die Form der Vermittlung neu ist, nämlich eine Verdichtung von Lehren, Anekdoten, Mythen, Legenden und paradoxen rhetorischen Bildern, die eine neuartige Intensität der Bewußtseinsschulung und der sozialen Resonanz ermöglichte.
Wurzeln und Anfänge

Die Entstehung des Ch'an wurde durch Entwicklungen vorbereitet, die einerseits in der chinesischen Kultur selbst lagen, andererseits aber auch schon im indischen Mahayana begründet worden waren. Der Buddhismus hatte sich seit dem 1./2. Jh. n. Chr. in China zunächst entlang der Handelswege ("Seidenstraße") in Zentralasien ausgebreitet durch Kaufleute und Mönche, die mit den Karawanen reisten. Dabei wurden die Sanskrit- und Páli-Schriften in eine völlig andere Sprachwelt übersetzt. Das Chinesische kannte aber bereits zwei hochgradig systematisierte und institutionalisierte Religionen: den Konfuzianismus und den Taoismus. Besonders der Taoismus schien mit seinem Ideal des Handelns im Nicht-Handeln (wu-wei) sowie seiner Lehre, daß Sein auf das Nicht-Sein zurückzuführen sei, dem Rückzug aus der Gesellschaft und anderen buddhistischen Idealen nahe zu kommen, während die moralische Kultivierung im Konfuzianismus ethischen Standards entsprach, die auch die meisten Buddhisten für unerläßlich hielten. Dabei überformte die chinesische, besonders die durch Lao-tzu und Chuang-tzu geprägte taoistische Mentalität den Buddhismus, indem das Gewicht vom Glauben an die Reinkarnation auf das diesseitige spontane Erwachen zur Freiheit des Bewußtseins verlegt wurde, wie es dann im Ch'an deutlich zutage tritt. So knüpften die Übersetzer an bekannte Begriffe und Vorstellungen an und vermochten dadurch den Buddhismus in China zu verwurzeln.

Bis zur Mitte des 5. Jh. war der Buddhismus im Norden Chinas zu einer Blüte gelangt, die nicht zuletzt auch durch staatliche Förderung gestützt wurde. Landschenkungen an die Klöster und Pr

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