text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Buonanotte und Buonasera Zwei Päpste im Vatikan. Eine Reportage von Link, Albert (eBook)

  • Verlag: Kösel
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Buonanotte und Buonasera

So turbulent - und damit 'Dolce-Vita-feindlich' - wie in den ersten Jahren dieses Jahrzehnts ist es in der Ewigen Stadt selten zugegangen: Missbrauchsskandale erschüttern den Vatikan, ein Kammerdiener des Papstes wird als Spion enttarnt, ein deutscher Papst, dessen Kräfte vor den Augen der Welt schwinden, bis er sich mit den Worten 'Buonanotte' zum historischen Rücktritt durchringt. Weißer Rauch und eine Kirchen-Revolution, die mit den Worten 'Buonasera' beginnt... Als Vatikan-Korrespondent einer großen deutschen Tageszeitung hat Albert Link den emeritierten und den neuen Pontifex aus nächster Nähe erlebt, u.a. auch auf neun Auslandsreisen im päpstlichen Flugzeug. In diesem Buch nimmt der Katholik aus Bayern seine Leser mit hinter die Mauern sonst gut bewachter Palazzi und bietet somit einen Blick durchs 'Schlüsselloch'. In großteils unveröffentlichten Fotos und oftmals augenzwinkernden Anekdoten erzählt er aus den, wie er selbst sagt, 'atemlosesten' Jahren seines Berufslebens, die sich sowohl für den Vatikan als auch für Italien als Schicksalsjahre entpuppen sollten. Albert Link, geb. 1971, war von 2010 bis 2014 Vatikan- und Italien-Korrespondent der BILD-Gruppe. Dabei durfte er die stürmischen letzten Jahre des Pontifikats von Benedikt XVI., das Konklave und die spektakulären ersten Schritte von Franziskus wie nur wenige Beobachter aus der Nahperspektive erleben. So begleitete er als einziger deutschsprachiger Korrespondent den Papst aus Bayern auf allen Auslandsreisen seit Mitte 2010. Von 2004 bis 2010 war er Reporter bei 'BILD am SONNTAG' mit den Schwerpunkten 'Zeitgeschichte, Kirche & Reportage international'. Heute schreibt er, überwiegend für die Online-Ausgabe von BILD, über internationale Politik und Kirchenthemen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641147402
    Verlag: Kösel
    Größe: 9604 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Buonanotte und Buonasera

Prolog: "Turbo-Wickeln" für den Papst

Castelgandolfo ist ein kleiner, beschaulicher Ort in den Albaner "Bergen", die man sich eher als sanfte, grüne Hügelkette rund um einen malerischen See vorstellen kann. Hier verbringen Päpste normalerweise ihre Sommerfrische. Hier atmen sie klarere und kühlere Luft als im stickig-schwülen Rom. Hier tanken sie Kraft für das wahrscheinlich anspruchsvollste (Ehren-)Amt, das die Welt zu vergeben hat.

Immerhin muss kein Stellvertreter Christi auf Erden hier auf seinen bewährten Schutz durch die Schweizergarde und die Vatikan-Gendarmerie verzichten: Die päpstliche Residenz genießt in Italien exterritorialen Status.

Das Städtchen Castelgandolfo ist auch ein Ort der Ruhe, der "Entschleunigung", wie es neudeutsch heißen würde: Im Vergleich zur hektischen Hauptstadt Italiens reden die Menschen hier nur halb so laut und halb so schnell – was nicht bedeuten muss, dass sie weniger zu sagen haben. Böse Zungen behaupten, sie arbeiten auch höchstens halb so flott. Aber das gilt wahrscheinlich nur für die Gärtner im päpstlichen Park, die mit großer Würde uralte Bäume zurechtstutzen und dabei so in sich zu ruhen scheinen, dass man sie um ihren Job fast beneidet.

Leiser ist auch der Verkehr. Wer aus dem nur 20 Kilo-meter entfernten Rom kommt, staunt, dass Ampeln und Vorfahrtsschilder hier tatsächlich eine Art Funktion haben. Mit etwas Glück kann man sogar mal eine legale Parklücke -ergattern. In Rom findet man traditionell niemals Parkplätze – man er findet sie.

Vor dem päpstlichen Schloss ist Fußgängerzone, herrscht himmlische Ruhe. Ein Brunnen plätschert auf der zentralen Piazza, an der es im Prinzip alles gibt, was man im Alltag braucht: eine Gelateria, eine Kirche, eine Postfiliale, eine Bank, dazu ein kleiner Laden, der sogar Milch aus dem nahe gelegenen Päpstlichen Bio-Bauernhof verkauft. Jedenfalls an Einheimische und jenen Teil der Pilger und Touristen, die nicht den unverzeihlichen Fauxpas begehen, nach "Papst-Milch" zu fragen.

Wir sind gut in der Zeit heute, meine Frau Sara und ich, als wir an diesem Septembermorgen 2011 das riesige Holztor passieren, mit dösendem Baby im Arm, vorbei an salutierenden Schweizergardisten.

Heute ist öffentliches Angelus-Gebet ("Der Engel des Herrn ..."). Entsprechend groß ist schon der Trubel im Innenhof des Schlosses. Hier und da entdecke ich bekannte Gesichter: Die beiden Kolleginnen aus Polen sind da, die für ihren Bienenfleiß bekannt sind. Der päpstliche Hoffoto-graf Francesco Sforza plaudert mit einem Agenturkollegen.

Der beim "Osservatore Romano" angestellte Sforza ist ein gutes Beispiel für eine Faustregel, die man im Vatikan schnell lernt: Die Menschen, die wirklich nah dran sind an Benedikt, sind diskret, höflich und bodenständig. Arroganz und Prahlerei mit vermeintlichem Geheimwissen und besonderer Papst-Nähe sind dagegen sichere Hinweise auf die zweite bis letzte Reihe.

Im Castello selbst werden die Stimmen gedämpft, die Schritte gemäßigter. Mit Ausnahme von Privatsekretär -Georg Gänswein (Tennisspieler, Ex-Fußballer und Ex-Skilehrer) sind es doch eher betagte Herren und Geistesmenschen, die Papst Benedikt XVI . (bekennender Sportmuffel und Nichtschwimmer) im Alltag umgeben.

Meine Frau stammt von der Mittelmeerinsel Sardinien, wo es als grobe Unhöflichkeit gilt, zu früh bei einer Einladung aufzukreuzen. Aber heute ist dies wohl entschuldbar? Wir sind schließlich nicht bei irgendwem zu Gast, sondern beim 264 . Nachfolger des Apostels Petrus.

Leider nicht

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen