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Der offene Himmel Meditationen zu Advent und Weihnachten von Drewermann, Eugen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.09.2016
  • Verlag: Topos
eBook (ePUB)
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Der offene Himmel

Weihnachten - in Gestalt eines wehrlosen Kindes ist die Liebe Gottes zu den Menschen greifbar geworden. Wie kann sich das Gottesbild der Liebe unserer Wirklichkeit einprägen? Wie wird Friede in dieser von Gewalt zerrissenen Welt möglich? Das Buch begleitet seine Leserinnen und Leser durch die Adventsund Weihnachtszeit und ermutigt, sich für eine friedvolle Welt einzusetzen. Eugen Drewermann, geb 1940; Dr. theol., arbeitet sei dem Entzug seiner Lehrerlaubnis und Suspension vom Priesteramt als Therapeut und Schriftsteller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 206
    Erscheinungsdatum: 05.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783836760669
    Verlag: Topos
    Größe: 880 kBytes
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Der offene Himmel

Weihnachten

Weihnachten, oder: Das Wunder menschlicher Vergöttlichung

Mit dem Weihnachtstag beginnt das Wunder menschlicher Vergöttlichung. Seit diesem Tag sehen wir den Menschen mit anderen Augen, und es ist die Frage, wie man mit den Augen eines Engels sieht, oder wenigstens, wie man der Botschaft eines Engels Glauben schenkt, um in einem Stall die göttliche Geburt unseres Erlösers wahrzunehmen. Inmitten der Niedrigkeit, dort, wo man es nicht vermutet, abseits vom Goldglanz der Paläste, außerhalb der Thronräume der Mächtigen, in der kleinsten der Fürstenstädte Judas, wie es der Prophet verheißen hat, kommt unser Erlöser zur Welt.

Die christliche Legende formt sich aus allen wesentlichen Elementen, und sie hat Recht. Mitten in der Nacht, sagt sie, in Sternendunkel und in Finsternis kommt der Herr in unsere Welt. So muss es sein. Denn anders könnte er niemals verstehen, wie er es später in seiner ganzen Botschaft zu erkennen gibt: wie sehr uns Nacht und Dunkelheit und Aussichtslosigkeit verfolgen können. Später wird er seinen Vater um Vergebung bitten für all das, was wir tun wie in Umnachtung unseres Geistes, unbewusst und immer wie verzweifelt, oft das Beste wollend und dennoch außerstande, klar zu sehen. Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun, wird er selber sagen in der Stunde, da die Welt sich noch einmal verfinstert. Verständnis haben wird er für all die Stunden, da wir keine Aussicht haben und keinen Ausweg sehen, für all die Augenblicke, wo wir uns selber nicht mehr kennen und im eigenen Herzen uns nicht mehr zurechtfinden. Wo wir nichts Menschliches mehr fühlen und begreifen, da wird er sagen, dass mitten in der Nacht, im Unbegreifbaren Gott menschliche Gestalt gewinnt und an seiner Armseligkeit nichts zu verleugnen, nichts zu verachten und nichts zurückzuweisen ist.

Kalt war es, sagt die Weihnachtslegende und hat recht damit, denn anders würde unser Erlöser für unsere Herzenskälte nicht Verständnis haben, wie wir es brauchen, um gegen die Einsamkeit, um gegen den schneidenden Wind, um gegen die Beraubung wärmender Güte, um gegen das Erfrieren jedes zärtlichen Wortes dennoch das Vertrauen zu setzen, die Milde und die Güte. Das sanfte Gesetz des Unscheinbaren wird stärker sein als die schneidenden Befehle, die klirrenden Gewalttaten, die Herzenserfrierungen der Angst. Es hätten, sagt die Legende mit Bezug auf einige Prophetenworte, die Tiere mit der Wärme ihres Atems an der Krippe unserem Erlöser ein erstes Zeichen kreatürlichen Mitleids und geschöpflicher Barmherzigkeit gegönnt, wie um zu sagen, dass alles, schon weil es lebt, dazu bestimmt ist, gut zu sein, nicht zu zerstören, sondern schon mit seiner Leibeswärme gut zu sein. Grade die animalische Sprache, die sozusagen unverstellte, tierische, instinktive Vernunft ist viel richtiger als das so Ausgeklügelte, Ausgedachte. Und auch dieses Bild brauchen wir für unser Leben, kommen wir uns doch selber oft genug vor wie Esel, die man bepackt und schindet und für ihre Dummheit mit Sklaverei und nicht endender Mühsal durch das Leben treibt. - Gehören diese geduldigen Esel des Daseins nicht als Erste an die Krippe? Und gibt es in unserem eigenen Leben nicht genug, wofür wir uns selber beschimpfen möchten wegen unserer ochsengleichen Langsamkeit - die Fehler, die wir begehen, nicht aus üblem Willen, aber aus Kurzschlüssigkeit, aus minderer Einsicht, aus Versagen, dessen Lehre wir erst viel zu spät imstande sind zu ziehen? Gehört weiß Gott nicht unsere Ochs- und-Eselei als Erstes an die Krippe, um uns zu sagen, dass wir Menschen sind und sein dürfen, inklusive all dessen, was der Menschen Hochmut oft genug als tierisch abdrängen und mit Füßen treten möchte?

Die Legende sagt, dass für Gott kein anderer Weg in unser Leben war als in der Gestalt eines Kindes, um uns den Mut zu machen, gerade das Unfertige, das noch nicht Ausgestaltete, noch Unerwachsene als das schönste Gleichnis Gottes wahrzune

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