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Himmel und Hölle Religiöse Zwänge erkennen und bewältigen von Ciupka-Schön, Burkhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.10.2018
  • Verlag: Patmos Verlag
eBook (ePUB)
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Himmel und Hölle

Religiöse Zwänge kommen häufig vor, sind aber gar nicht so leicht zu erkennen. Denn ab wann ist ein ausgeprägter Glaube krankhaft, werden religiöse Gebote und Rituale zur Zwangsjacke? Hinter einem religiösen Zwang stecken extrem hohe Moralvorstellungen und die Angst vor göttlicher Strafe, sollte man diese Anforderungen nicht erfüllen. Der Psychotherapeut Burkhard Ciupka-Schön und der Pfarrer Hartmut Becks beschreiben aus ihrer jeweiligen Perspektive, wie religiöse Zwänge entstehen, wie sie von einem gesunden Glauben abzugrenzen sind und wie Betroffene ihren Zwang überwinden können. Dabei greifen sie auch auf historische Beispiele wie Martin Luther zurück, dessen Biografie für heutige Betroffene sehr hilfreich sein kann. Burkhard Ciupka-Schön ist Diplom-Psychologe und psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis in Krefeld. Er ist Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft Zwangs - er krankungen und Dozent und Supervisor an der Heinrich- Heine-Universität Düsseldorf. Zwangserkrankungen sind sein Spezialgebiet. Pfarrer Hartmut Becks ist nach einem Studium der Geschichte und evangelischen Theologie und einer klinischen Seelsorgeausbildung seit 25 Jahren Pfarrer in Alpen am Niederrhein. Seit vielen Jahren begleitet er eine Selbsthilfegruppe für Betroffene von religiösen Zwängen. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 31.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843611114
    Verlag: Patmos Verlag
    Größe: 5040 kBytes
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Himmel und Hölle

1. Erste Fallgeschichte

Mein langer, sinnloser Kampf gegen religiöse Zwangsgedanken

von G. F.

Stellen Sie sich bitte vor, Sie werden gefragt, wie es Ihnen geht und Sie antworten: "Danke, körperlich gut, aber ich leide sehr unter religiösen Zwangsgedanken." Erstaunen und Unverständnis Ihres Gegenübers wären sicher groß.

Religiöse Zwangsgedanken und ihre Äußerung stehen unter einem absoluten Tabu, fest installiert durch den eigenen inneren Richter. Er bewertet es als das Schlimmste, das ein Mensch tun kann, und spricht das Todesurteil.

Das Innerste kann die im Hintergrund ständig lauernden und jederzeit überfallartig einschießenden Gedanken und Impulse nicht annehmen. Man erlebt mit unglaublicher Ohnmacht und gleichzeitig bei klarem Verstand, dass man die gefürchteten Gedanken mit dem Willen nicht verhindern kann. Im Gegenteil: Je mehr ich einen Gedanken nicht will, desto mehr muss ich ihn denken. Dafür gibt es in Psychologie oder neuerer Hirnforschung genügend Beweise.

Das subjektive Gefühl, man sei der einzige und allerschlimmste Mensch auf der Welt, der solche Gedanken und Einfälle hat, steigert die Ausweglosigkeit. "Wer so etwas denkt, hat den Tod verdient - im Iran wäre ich schon längst wegen Gotteslästerung hingerichtet worden -, ich bin schlimmer als Hitler oder ein anderer Massenmörder." So oder so ähnlich erfolgt die verheerende subjektive Selbstbewertung der Zwangsgedanken.

Das Unaussprechliche darf nicht ausgesprochen werden, auch nicht in der Therapie, sagt das Tabu. Mein erster Therapeut drohte mit dem sofortigen Abbruch der Therapie, wenn ich nicht endlich die Gedanken ausspreche. Auch die engsten Familienmitglieder standen hilflos meinem streng gehüteten Geheimnis gegenüber, weil sie nichts von dem Tabu wussten. Die panische Angst vor der späteren, unweigerlich folgenden Strafe durch ewige Verdammung in der Hölle verhindert Äußerungen über die Zwangsgedanken.

In dieser äußersten Notsituation liegt nichts näher als der vergebliche Versuch, die Zwangsgedanken irgendwie in den Griff zu bekommen oder in Schach zu halten. Der Versuch der Vermeidung ist mit stärkster innerer Spannung verbunden. Wie kann man einen Gedanken, den man ja bei sich selbst nicht zulassen kann, vermeiden oder ungeschehen machen? Man wird erfinderisch im Vermeiden, zum Beispiel durch Neutralisieren oder einer Zwangshandlung.

Aus panischer Angst vor dem Gedanken "Gott sei verflucht" muss die innere Abwehr, die es anscheinend mit dem armen Ich gut meint, zwanghaft ständig denken: "Gott sei nicht verflucht." Der Zusatz durch das Wort "nicht" kommt zu Hilfe. Dann muss man dauernd denken: "zur Hölle mit Gott nicht". Kann man den Gedanken "Gott sei verflucht" nicht mehr durch das Wort "nicht" neutralisieren, hilft eine magische Zwangshandlung, also zum Beispiel: "Gott ist verflucht, außer ich berühre sofort den Tisch." Das Vermeidungssystem wird schließlich selbst zu einem Terrorsystem. Da unser Denken in Assoziationen verläuft, kann ein einfacher Schöpflöffel in der Küche plötzlich dazu führen, dass Angst entsteht, etwas gegen den Schöpfer der Welt denken zu müssen.

Sowohl neue Einfälle als auch neue Abwehrstrategien wuchern wie Krebs und beherrschen das Denken. Je mehr ich versuche, den Zwangsgedanken durch Abwehr zu vermeiden, desto mehr überlistet der Gedanke meine Abwehr immer wieder. Um das Wort "Kreuz" zu vermeiden, kann ich zwar sagen, dass ich Rückenschmerzen habe, aber ich kann aus einer Kreuzfahrt keine Rückenfahrt machen. Auch bei dem urplötzlich aus heiterem Himmel einschießenden Gedanken beim Anblick von Pilzen zu denken, dass Gott keinen Pfifferling wert ist, ist die Abwehr schwierig. Der Gedanke: "Gott ist doch einen Pfifferling wert", bringt nicht viel. Als Abwehr muss ich also irgendeine Zwangshandlung erfinden.

Dem Einfallsreichtum der Gedanken sind keinerlei Grenzen gesetzt. Vermeidung und Abwehr kommen kaum noch n

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