text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Vom Ich zum Du Für sich und andere sorgen von Grün, Anselm (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.10.2017
  • Verlag: Kösel
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Vom Ich zum Du

'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst', Sorge tragen für die Flüchtenden, die zu uns kommen. Ebenso wie für die alten Eltern, die Kollegen, die Mitbrüder. Hat das etwas mit Hingabe zu tun? Was sind die Quellen dieser Nächsten-Liebe? Hat sie Grenzen oder kann sie grenzenlos sein? Verwandelt uns die Sorge um jemanden? Gibt uns Jesus dafür ein Beispiel? In München hat die Caritas einen wirklich guten Slogan: 'Nah am Nächsten'. Aber manchmal ist der Nächste vielleicht auch am anderen Ende der Welt. Sorge kann erdrücken. Und auch die Sorge um sich selbst ist eine Sorge. Sich um den anderen sorgen ohne von sich abzusehen - wie macht man das? In diesem Buch möchte Anselm Grün vor allem die positive Bedeutung der Sorge bedenken. Aber natürlich hat er auch die Gefahren im Blick, wenn sich jemand zuviel Sorgen macht. Ihm geht es darum, sorgfältig mit diesem Begriff 'Sorge' umzugehen und zu betrachten, welche Rolle sie in unserem Zusammenleben mit anderen, aber auch in unserem Umgang mit dem Augenblick und mit der Zukunft spielen kann. Anselm Grün gibt in diesem Buch spirituelle und praktische Antworten auf die o.g. Fragen. Pater Anselm Grün, geboren 1945, ist Benediktinermönch der Abtei Münsterschwarzach, deren Cellerar (wirtschaftlicher Leiter) er 36 Jahre lang war. Als Kursleiter und geistlicher Begleiter ist er viel unterwegs. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und erreicht mit zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen Millionen von Menschen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 23.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641213640
    Verlag: Kösel
Weiterlesen weniger lesen

Vom Ich zum Du

Einleitung:
Vom Ich zum Du

Als mir jemand sagte, er würde gerne einmal etwas von mir zum Thema Sorge und Sorgen lesen, da fielen mir zunächst alle möglichen Zitate ein, die man zunächst einmal negativ verstehen kann. Wir sagen zum Beispiel einander: "Mach dir nicht so viele Sorgen." Und meinen es gut. Doch klingt die Sorge dabei nach etwas Belastendem, Beschwerendem. Deswegen wünscht man ja oft, der andere möge sich eben keine Sorgen machen. Oder mir kam das Buch von Dale Carnegie in den Sinn: "Sorge dich nicht - lebe! Die Kunst, zu einem von Ängsten und Aufregungen befreiten Leben zu finden". Hier wird die Sorge als etwas verstanden, wovon wir uns unbedingt befreien sollten. Denn die Sorge hindert uns am guten Leben. Sie quält uns und lässt uns nicht zur Ruhe kommen. In dem Lied "Wer nur den lieben Gott lässt walten" singen wir in der zweiten Strophe: "Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit." Hier wird die Sorge mit Weh und Ach und mit Traurigkeit verbunden. Davon sollten wir uns befreien und unser Vertrauen auf Gott setzen.

Bei der Beschäftigung mit dem Thema Sorge kamen mir die Worte Jesu in den Kopf: "Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt" (Mt 6,25) oder der Schluss seiner Rede über die Sorglosigkeit: "Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen." (Mt 6,34) Die Sorge, das Sorgen ist also etwas, das wir nicht wollen, das wir von unserem Leben möglichst fernhalten sollten? Jesus möchte, dass wir uns keine Sorgen machen.

Doch dann dachte ich an die vielen Mitbrüder, die im Haus arbeiten und liebevoll für die Gemeinschaft sorgen. Oder die Krankenpfleger, die für unsere alten Mitbrüder sorgen. Und ich dachte an meine Mutter, die für ihre sieben Kinder immer sorgte. Ihr machte das Sorgen Spaß. Noch im Alter sorgte sie gerne für andere Menschen. Als sie von einer jungen Frau hörte, die keine gute Beziehung zu ihrer Familie hatte, schickte sie ihr Weihnachten ihre selbst gebackenen Plätzchen. Die sorgende Mutter spürte sofort, wo sich jemand über ein Geschenk freuen konnte. Und viele andere Mütter kamen mir in den Sinn, die Tag für Tag für ihre Familie sorgen. Wenn ich an die vielen Menschen denke, die für andere sorgen, weiß ich, dass die gute Sorge für andere zum Wesen des Menschen gehört.

Und beim Nachdenken über das Phänomen der Sorge kam mir die Definition des Menschen durch den Philosophen Martin Heidegger in den Sinn: Der Mensch ist immer einer, der sich sorgt. Bevor ich also all die Erfahrungen mit der Sorge in unserem Alltag beschreibe, möchte ich einen Blick in die Vergangenheit werfen. Ich möchte den philosophischen Begriff der Sorge bei Heidegger in den Blick nehmen und seine Sicht vergleichen mit der Sicht des Philosophen unter den biblischen Schriftstellern: mit der Sicht des Predigers Kohelet. Die Sorge gehört für Heidegger nämlich wesentlich zum Menschen. Allerdings meint er damit immer nur die Sorge um sich selbst. Dabei spielt das Du kaum eine Rolle. Die wahre Sorge, die ich bei meinen Mitbrüdern, die dafür sorgen, dass wir alle ein sauberes Haus haben, die ich bei meiner Mutter und vielen anderen Müttern und Vätern wahrnahm, ist immer eine Sorge für den anderen. Der sorgende Mensch kreist nicht um sich selbst, sondern er sorgt aus Liebe für andere. In der Sorge geht es darum, vom Ich zum Du zu kommen, vom Kreisen um mich selbst zu den Bedürfnissen und Nöten des Du zu gelangen. Sorge ist Ausdruck der Liebe. Ohne Sorge bleibt die Liebe nur im Gefühl.

Heidegger hat in seinem Buch "Sein und Zeit", das 1927 erschienen ist und eine enorme Wirkung hatte, versucht, das Dasein des Menschen zu beschreiben. Er wollte damit eigentlich nicht Eigenschaften des Menschen beschreiben, sondern sein Wesen. Es ging ihm um

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen