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Wahrhaftig sein 7 Schritte zur Lebenskunst von Kämpchen, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.08.2016
  • Verlag: Patmos Verlag
eBook (ePUB)
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Wahrhaftig sein

Das eigene Leben zu leben ist Zielpunkt aller Wünsche und alles andere als selbstverständlich. Die Sehnsucht nach einem authentischen, wahrhaftigen Leben ist ebenso verbreitet wie die Klage, ein entfremdetes, fremdbestimmtes Leben führen zu müssen. Martin Kämpchen, Grenzgänger zwischen christlichem Glauben und indischer Philosophie, erschließt sieben Schritte der Lebenskunst. Dabei schöpft er aus dem christlichen Glauben ebenso wie aus seinen Erfahrungen des indischen Lebens. Durch das Leben in zwei Kulturen entstehen für europäische Leserinnen und Leser erfrischend neue Perspektiven.

Dr. Martin Kämpchen, geb. 1948 in Boppard (Rhein), lebt und arbeitet im westbengalischen Shantiniketan. Er studierte Germanistik und Religionswissenschaft und wirkt seit 1973 als Schriftsteller und Übersetzer (Ramakrishna, Tagore) in Indien. Er setzt sich für den interkulturellen und interreligiösen Dialog ein und arbeitet in indischen Dörfern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 29.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843608220
    Verlag: Patmos Verlag
    Größe: 1538 kBytes
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Wahrhaftig sein

1
Einfachheit

Einfachheit beginnt mit der Schöpfungsgeschichte. Zuerst schuf Gott Licht, das er vom Dunkeln schied; dann schied er das Wasser von der Erde. Danach schuf er das Himmelsgewölbe, das heißt den Raum, in dem die Schöpfung enthalten ist, und die Sterne. Er schuf die Pflanzen auf der Erde und die Tiere im Wasser und der Luft und auf der Erde. So ist die Schöpfung Tag für Tag herangewachsen und hat sich organisch von Schöpfungstat zu Schöpfungstat entfaltet. Danach heißt es: "Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut" (Genesis 1,31).

Der stärkste Eindruck, den diese Geschichte hinterlässt, ist der einer übergreifenden Ordnung . Sie ist nicht arithmetrisch oder geometrisch, sie baut also nicht mit Zahlen und geraden Linien oder Winkeln auf. Diese Ordnung entsteht, indem wie aus einem Samenkorn zuerst die Elemente entstehen, also Feuer (Licht) und Wasser und Erde. Luft ist nicht eigens erwähnt, sie erhält aber eine sakramentale Bedeutung, wenn es im zweiten Kapitel der Genesis heißt, dass Gott dem Menschen seinen "Odem" einhaucht.

Aus diesen Elementen entstehen als Nächstes die Pflanzen, die von dem Licht und der Erde ihre Nahrung empfangen, und die Tiere, die sich von den Pflanzen ernähren. Ebenso werden die Tiere geschaffen, die im Wasser und vom Wasser leben. Zuletzt entsteht der Mensch, der inmitten der Elemente, der Pflanzen und Tiere seinen Lebensraum findet. Diese Ordnung ist eine organische - eines entwickelt sich aus dem anderen; es ist keine additive Ordnung , bei der eines zum anderen gehäuft wird, ohne dass sich die Teile zu einem Ganzen verbinden. Diese organische Ordnung hat zur Folge, dass die einzelnen Teile der Schöpfung aufeinander angewiesen sind, dass also die Basis die darauf aufbauende Schöpfung am Leben erhält und dass umgekehrt die lebendige Schöpfung zur Basis - den Elementen - zurückkehrt. Dieser Kreislauf von Geben und Empfangen, dieses Sich-Auseinanderfalten und Wieder-Zurückkehren der Schöpfung beschreibt das einfachste Ordnungsprinzip - es ist die Ordnung der Einfachheit.

Der indische Schöpfungsmythos erzählt von einer ähnlichen Einfachheit des Gebens und Empfangens, allerdings ist sie noch eindeutiger. Aus dem Nabel des Schöpfergottes Brahma wächst die Welt hervor, wie ein Lotos, der seine zahllosen Blütenblätter nacheinander entfaltet. Am Ende eines Zeitalters, nachdem die Energie des kreativen Impulses aufgebraucht ist, löst Gott Shiva die Welt wieder auf. Shiva nennt man den Zerstörergott, doch eigentlich zerstört er nicht, sondern er faltet die kraftlose Schöpfungsmaterie wieder zusammen, sie wird zum Ungestalteten oder - in der Sprache der Genesis - zu den "Urwassern". Als ungestaltet-undifferenzierte Potenz regeneriert sich die Schöpfung, bis sie sich zum Beginn eines neuen Zeitalters wieder aus der Potenz in die Manifestation entfaltet.

Schöpfungsmythen und Wiederherstellung der Einfachheit

Was haben die Schöpfungsmythen mit dem Thema der Einfachheit zu tun? Die alttestamentarische wie die Hindu-Schöpfungsmythe schildern anschaulich, wie eine einfache Lebensweise in unserem Alltag aussehen kann. Wir entwickeln aus uns selbst heraus, was wir zum Leben notwendig haben: Wir haben einen Körper, den wir gegen Hitze und Kälte schützen müssen - also brauchen wir Kleider. Wir haben ein angeborenes Schamgefühl - also bedecken wir unsere Blößen. Wir brauchen Nahrung, um unseren Hunger, Wasser, um unseren Durst zu stillen. Wir brauchen Häuser, um uns gegen das Wetter zu schützen. Wir brauchen auch Bilder an der Wand und Schönheit in unserem Lebensumkreis, weil wir ein angeborenes ästhetisches Empfinden besitzen. Ähnlich haben unsere emotionalen, intellektuellen und seelischen Kräfte natürliche Bedürfnisse, die wir befriedigen sollen.

So kann sich der Mensch aus seinen echten, natürlichen Bedürfnissen heraus eine einfache Lebensw

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