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Wer glaubt wird selig Gedanken eines Mönchs über das Glück, sinnvoll zu leben von Wallner, Karl J. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2009
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Wer glaubt wird selig

Warum läuft mein Leben so schnell? Ist der Weg tatsächlich schon das Ziel? Hat mein Leben einen Sinn? Hört mich Gott? Wie komme ich mit mir ins Reine?

Auf diese Urfragen des Menschen gibt es viele Antworten. Doch was sagt einer, der selbst schon fast drei Jahrzehnte als Mönch in einem katholischen Kloster lebt - und davon überzeugt ist, für sich das große Glück und den letzten Sinn gefunden zu haben?

Pater Karl Wallner ist Theologe, Seelsorger und Pressesprecher des österreichischen Zisterzienserklosters Stift Heiligenkreuz, dessen junge Mönche mit den uralten gregorianischen Chorälen ihres Albums Chant - Music for Paradise die Charts in ganz Europa stürmten. In diesem Buch führt er uns überraschend offen in das Innenleben eines tiefgläubigen Mönchs und berichtet authentisch, charmant und humorvoll über das Abenteuer seiner Lebensform und sein persönliches Lebensglück.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 15.09.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838700861
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 556 kBytes
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Wer glaubt wird selig

2. Warum habe ich nie Zeit?

Wir sind immer unterwegs, wir sind immer in Bewegung. Unser Leben kennt keinen Stillstand, unser Leben ist ein beständiger Prozess, unser Leben entwickelt sich. Mittlerweile passiert es mir manchmal, dass ich erschrecke, wie alt ich mit meinen 45 Jahren schon bin. In meinem Zimmer gibt es ein Regal mit Fotoalben aus den 80er und 90er Jahren, also aus der schon versunkenen Zeit, wo unsere Fotos noch nicht in die Unsichtbarkeit von Computerfestplatten verbannt waren, sondern als Bilder in Alben gesammelt wurden. Eineinhalb Meter Fotoalben über mein Wirken als Kaplan und als Pfarrer, Fotos, die Erinnerungen hochblitzen lassen. Auf den Bildern Kinder, die schon lange erwachsen sind; Menschen, die schon gestorben sind; Gesichter, die ich nicht mehr identifizieren kann. Diese Fotoalben schaue ich mir nie alleine an, denn sie erwecken in mir das Gefühl, dass die Zeit viel zu schnell und viel zu unausgenützt verrinnt, und das macht mich traurig. Ehrlich! Es macht mir schon aus meiner persönlichen Stimmungslage heraus keine wirkliche Lust, über das Verrinnen der Zeit nachzudenken. Ich tue es mehr aus Disziplin und weil ich das Gefühl habe, dass es doch heilsam ist, ab und zu über die Zeit und ihre Flüchtigkeit nachzudenken.

Das Wort "Ich habe keine Zeit" höre ich sehr oft. Dabei ist es sprachlich absolut paradox: Das, was wir heute wirklich "zu jeder Zeit" zu wenig haben, das ist "Zeit". Junge Leute "haben keine Zeit". Ich erlebte als Pfarrer, dass die 7-jährigen Kinder, die zur Erstkommunionvorbereitung kommen, schon "keine Zeit" mehr haben. Schon da zückten die Eltern den Terminkalender, und es war eine endlose Prozedur, bis man einen wöchentlichen Termin für die Kids gefunden hatte, weil sie zugepflastert sind mit Schule, Nachhilfe, Ballett, Reiten, Turnen, Fechten, Kinderyoga und so weiter. Die armen Kinder! Und wir noch viel, viel ärmeren Erwachsenen! Ich selber erwische mich auch oft dabei, mich mit einem "Leider, da habe ich keine Zeit" zu entschuldigen. In letzter Zeit bin ich ein paar Mal erschrocken, nachdem ich diesen Satz gesagt habe, und zwar über dieses innere Gefühl der Erleichterung: Denn "Ich habe keine Zeit" ist eine unschlagbare Entschuldigung, die jeder versteht. Es entpflichtet einen sofort davon, eine Herausforderung anzunehmen, für jemanden da zu sein, sich um ein Problem zu kümmern. Das "Ich habe keine Zeit" ist, wie gesagt, sonderbar und paradox, denn Zeit haben wir ja immer. Im Prinzip wollen wir nur sagen: Ich kann nicht, denn da verwende ich meine Zeit für etwas anderes. Als Ausrede besagt "Ich habe keine Zeit" sogar: Das ist mir nicht wertvoll genug, dass ich meine Zeit damit verbringe. Oder: Dafür will ich meine Zeit nicht verschwenden. Tatsache ist, dass wir immer Zeit haben. Niemand kann sich herausstehlen aus dem Prozess des ständigen Vergehens und Werdens. Wir sind also immer auf dem Weg, und indem wir die Zeit verbringen, vergeht sie auch schon und wir mit ihr. Ist das nicht paradox: Wir haben zu jeder Zeit keine Zeit mehr! Ich denke, dass jeder instinktiv spürt, dass dieses Immer-Weiter-Treiben einen letzten Sinn haben muss, ein Ziel, eine Zukunft. Wohin rinnt der Sand in der Sanduhr unseres Lebens? Woher kommt die Traurigkeit, wenn wir das permanente Vergehen betrachten?

Der deutsche Mystiker Jakob Böhme sagt: "Der Mensch hat Heimweh, weil er Heimweh ist." Ich glaube, dass er eine tiefe philosophische Einsicht getroffen hat, wenn er den Menschen als Sehnsuchtswesen definiert. Die sehnsüchtige Offenheit in Richtung einer Zukunft haben viele große - alte wie neue - Denker erspürt und auf verschiedenste Weise formuliert. Für die einen, die Existentialisten etwa, is

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