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Das eingepflanzte Wort der Wahrheit Struktur und Grundgedanke des Jakobusbriefes von Prosinger, Franz (eBook)

  • Verlag: Verlag Katholisches Bibelwerk
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Das eingepflanzte Wort der Wahrheit

Das vorliegende Buch erkennt im Jakobusbrief eine durchgehende rhetorische Struktur, die einem konsequenten Gedankengang folgt. Dieser eröffnet einen faszinierenden Blick in den Ursprung der menschlichen Existenz: Gott, der Vater der Lichter, ruft einen jeden durch sein Wort der Wahrheit ins Leben, um am Werk seiner Schöpfung mitzuwirken (1,18) und an einem vollkommenen Werk, der 'Vollendung des Herrn' (5,11), teilzunehmen. Wer dieses eingepflanzte Wort in rechter Disposition aufnimmt und einstimmt, erkennt darin 'das vollkommene Gesetz der Freiheit' (1,25). Freilich kann sich der Mensch auch durch äußere Verlockungen verführen lassen und seine wahre Identität verlieren. Die hier vorgeschlagene Struktur ist ein Schlüssel, um scheinbar unzusammenhängende Argumente und Thesen in eine einsichtige Argumentation zu fügen, die eine bisher viel zu wenig geschätzte philosophisch-theologische Tiefe aufweist. Deshalb wird auch jeweils auf Übereinstimmungen bei Denkern der Vergangenheit und Gegenwart hingewiesen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783460510777
    Verlag: Verlag Katholisches Bibelwerk
    Größe: 1936 kBytes
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Das eingepflanzte Wort der Wahrheit

2.Ein "erster" Gang durch den Text

Vermutlich befindet sich niemand von uns, die wir eine Sekundärliteratur zum Jakobusbrief zur Hand nehmen, in der Lage, zum ersten Mal den primären Text zur Kenntnis zu nehmen. Immer sind wir auf ein Hin und Her zwischen einem bereits vorhandenen Vorverständnis und einem kritischen Nachvollzug angewiesen. Und immer wieder wird es von neuem der Versuch sein, sich in den Ersthörer oder Erstleser unvoreingenommen hineinzuversetzen. Dabei dürfen wir voraussetzen, dass dieser keine tabula rasa war, sondern geprägt von Wohlwollen gegenüber "Jakobus, dem Diener Gottes und des Herrn Jesus Christus" und auch von einer Freude an einer wohlgesetzten Rede gemäß den ihm bekannten Regeln antiker Rhetorik. Der Text ist letztlich nicht dazu da, analysiert und rekonstruiert, sondern gelesen bzw. gehört zu werden.

Die hier vorgeschlagene Struktur soll nicht nur durch formale Kriterien abstrahiert werden, und - wie bei J. P. Heil - die Exegese des Textes erst anschließend anhand der vorausgesetzten Struktur folgen. Trotz der Gefahr von Wiederholungen soll die Struktur zunächst aus einem ersten Gang aus dem Text abgelesen werden. Ein solcher "erster" Gang durch den Text sollte möglichst ursprünglich sein. Noch einmal durch den Text zu gehen, um die Struktur einsichtig zu machen, erfordert die Erklärung der einzelnen Schritte, ohne sich in exegetische Details zu verlieren. Die zum Erkennen der lehrmäßigen Expositionen in 1,13-18; 2,14-26; 3,1-12 und 3,13-18 notwendige Detailanalyse wird anschließend in separaten Kapiteln angefügt. Für den "ersten" Gang durch den Text sollen die Ergebnisse nur kurz begründet und anschließend eingehender bestätigt werden.
2.1Präskript und Einleitung

Schon besprochen wurde das praescriptum in Jak 1,1: Jakobus, Gottes und des Herrn Jesus Christus Knecht, grüßt die zwölf Stämme in der Diaspora. Damit eröffnet er eine theologisch definierte Situation, die den hermeneutischen Horizont des Folgenden prägt, ganz unabhängig davon, ob nur eine fiktive Briefsituation eröffnet wird, oder ob der Text als zu versendender Rundbrief gedacht war. Adressaten sind jedenfalls all diejenigen, die sich in der "Zerstreuung" des auserwählten Gottesvolkes befinden, da sie zusammen mit Jakobus Knechte Gottes und Jesu Christi sind. Insofern leben sie alle in dieser vorläufigen Welt als Fremde in der Diaspora, auch wenn sie sich in der Umgebung befinden, in der sie aufgewachsen sind. Der übliche griechische Gruß, chaírein , bekommt damit schon ein unübliches Gewicht: als Aufruf zur Freude innerhalb einer betrüblichen Diasporasituation.

Das chaírein wird in 1,2 durch pásan charán unmittelbar aufgegriffen: "haltet es für jegliche Freude!". Ob diese Stichwortverbindung (mot crochet) den gesamten folgenden Text an ein Briefpräskript bindet und somit auch vom literarischen Genus her als Brief erweist - so H. Frankemölle -, muss sich an der Art des Textes selbst erweisen 1 . Jedenfalls betont der Autor mit "jegliche Freude" zunächst einen besonderen Akzent. "Erachtet als jegliche Freude" ist eine captatio benevolentiae , denn wer möchte nicht zur Freude eingeladen werden! Nun könnte man eine Abhandlung über die Freude erwarten. Aber gleich nach dem angenehmen Auftakt lässt der Autor eine kalte Dusche folgen: "... wenn ihr herumtorkelt in vielfältigen Anfechtungen". In paradoxer Weise soll eine höchst unangenehme Situation als jegliche Freude erachtet werden. Damit wird sogleich ein besonderer Akzent gesetzt, der die Aufmerksamkeit des Hörers weckt. Zurecht wird er sich fragen, was der Autor eigentlich will. Dass er nicht einfach so dahinredet und von einem zum anderen kommt, zeigt schon der ausgefeilte und einprägsame Stil: nach der Assonanz mi

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