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Der Stille Raum geben Ein Weg der Kirche im 21. Jahrhundert von Nauck, Irmgard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.04.2013
  • Verlag: Kreuz
eBook (ePUB)
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Der Stille Raum geben

Stille, Weite, Raum - drei Zauberworte, die den christlichen Glauben verwandeln. Immer mehr Menschen suchen nach einer Spiritualität, die Körper, Seele und Geist gleichermaßen anspricht. Die Kirche der Stille in Hamburg-Altona zeigt, wie das gehen kann. Das Buch lässt Menschen zu Wort kommen, die das Angebot dieser Gemeinde als eine Frischzellenkur ihres Glaubens erleben. Es versammelt Praxisbeispiele und lädt zur Nachahmung ein. Ein Beispiel, das Schule macht. Anne Gidion, geb. 1971, Pastorin am 'gottesdienst institut nordelbien', Hamburg. Irmgard Nauck, geb. 1957, Pastorin, leitet seit 2009 die Kirche der Stille in Hamburg-Altona. Gesprächs- und Familientherapeutin, erfahren in Meditationsbegleitung und dem Herzensgebet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 170
    Erscheinungsdatum: 17.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451346545
    Verlag: Kreuz
    Größe: 3717 kBytes
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Der Stille Raum geben

1. Kapitel
Die Menschen in der Kirche der Stille

"Stille im Gewirr der Großstadt,

Kraft sammeln, Liebe bündeln

und dann zurück ins Gewirr."

Eintrag im Gästebuch

der Kirche der Stille
Begegnungen eines Nachmittags

Frühmorgens ruft Renate mich an. Sie ist eine der rund 30 Ehrenamtlichen, die dafür sorgen, dass die Kirche der Stille jeden Tag geöffnet werden kann. Doch sie ist krank und bittet mich, von 14 bis 16 Uhr den Kirchenhütedienst zu übernehmen. Glücklicherweise habe ich Zeit, und so schwinge ich mich nachmittags aufs Rad, um zur Kirche zu fahren.

Dort treffe ich im Vorraum auf Helga. Sie hütet seit 12 Uhr die Stille. Sie sitzt auf einer alten Kirchenbank. Auf dem Tisch vor ihr stehen eine Kanne Kräutertee und Teeschalen bereit. Manche Besucherinnen freuen sich über eine Tasse Tee und manchmal auch ein Gespräch. Helga hat wie immer ein Buch dabei. Wir plaudern noch ein paar Minuten: Sie ist 69 Jahre alt und Rentnerin. Ihr wöchentlicher Hütetermin hilft ihr, die Woche zu strukturieren. Sie freut sich, dass sie hier etwas Sinnvolles beitragen kann. Außerdem begegnet sie vielen netten Menschen entweder im Hüte-Team oder in Gesprächen mit den Besuchern.

Sie sagt: "Für mich ist das ein Platz des Reichtums in jeder Hinsicht. Ich durfte mein Bild von Kirche korrigieren. Mittlerweile bewundere ich die Kirche, dass sie den Mut hat, sich für andere Religionen zu öffnen. Und wenn ich aus meiner inneren Stille gefallen bin, komme ich hier wieder zu ihr." – Wir verabschieden uns, jetzt sitze ich an ihrem Platz.

Die Kirche hat einen Garderobenraum, den wir durch eine Abtrennung unter der Empore gewonnen haben. Dort stehen zwei alte Kirchenbänke, Garderobenstangen und -schränke für die Jacken und Taschen der Besucherinnen und Besucher. Die Schuhe werden möglichst gegen Socken eingetauscht, die in einem großen Korb bereitstehen. Wer nicht von seinen Schuhen lassen will, kann Überzieher leihen – ähnlich wie in einem Museum.

Ich setze mich, atme durch und weiß: Zwei Stunden keine Mails, kein Telefon, einfach nur sitzen, vielleicht im mitgebrachten Buch lesen und die Stille hüten.

Ein Mann kommt aus dem Kirchenraum, er strahlt: "War das wieder schön, ich freue mich so über diese Kirche." Er trägt Anzug und Krawatte, die Schuhe, die er sich gerade anzieht, sehen topchic aus, ich schätze ihn auf Anfang 40. Wir stellen uns einander vor. Er ist Geschäftsführer einer Firma in der Nähe. Vor einem Monat hat er die Kirche zufällig bei einem Spaziergang entdeckt. Seitdem verbringt er fast jeden Tag seine Mittagspause hier. Er wäre eigentlich kein Kirchgänger, aber nun sei er doch einer geworden, lacht er. Erst habe er nur die Stille genossen, die geschützte Ruhe. Das sei wie Burnout-Vorsorge. Aber jetzt merke er, dass da doch noch etwas hängen geblieben ist aus seinen evangelischen Zeiten. Ihn zieht mehr als nur die Stille.

Schon in Hut und Mantel, fragt er noch nach Möglichkeiten, Meditation einzuüben. Ich erkläre ihm kurz unsere Angebote im Zen, Herzensgebet und in der Kontemplation. Dann verabschiedet er sich eilig, der nächste Termin ruft.

Emma kommt öfter nach der Schule. Heute ist sie wieder da, streift Ranzen und Schuhe ab und schlüpft in die Kirche. Ich hab das Gefühl, dass sie jedes Mal länger bleibt und mit der Stille immer vertrauter wird. Wenn sie da

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