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Es ist normal, verschieden zu sein Inklusion leben in Kirche und Gesellschaft

  • Erscheinungsdatum: 02.02.2015
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Es ist normal, verschieden zu sein

Auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft Mit dieser Schrift möchte die evangelische Kirche im Blick auf den grundlegenden Wandel im gesellschaftlichen Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen Orientierung geben: Die Herausforderungen für kirchliches und gesellschaftliches Handeln auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft sind groß. Die evangelische Kirche leistet damit auch einen Beitrag zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Diese Orientierungshilfe wendet sich an alle, die in Kirche und Diakonie tätig sind und für kirchliches Handeln Verantwortung tragen. Inklusion ist eine gesellschaftliche Querschnittsaufgabe und betrifft daher die ganze Gesellschaft und nicht nur Einrichtungen und Dienste für Menschen mit Behinderungen. Bedeutung hat das Thema insbesondere für Bildung, Ausbildung und alle, die als Arbeitgeber in Verantwortung stehen, aber auch für Wohnquartiere und Freizeiteinrichtungen. Ebenso stellt es für Kirchengemeinden eine chancenreiche Herausforderung dar. Über die kirchlichen Strukturen hinaus will die Orientierungshilfe Menschen, die in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen, bei ihrem Einsatz für die Verwirklichung von Inklusion unterstützen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 02.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641164195
    Verlag: Gütersloher Verlagshaus
    Größe: 664 kBytes
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Es ist normal, verschieden zu sein

2. Theologische Orientierungen

Inklusion ist für die Theologie durch die UN-Behindertenrechtskonvention eine Herausforderung von außen und zugleich ihr eigenes Thema. Eine umfassende Theologie der Inklusion liegt bisher noch nicht vor. Vor diesem Hintergrund können die folgenden theologischen Erwägungen der Inklusionsdebatte nur eine Anregung für die vertiefte Auseinandersetzung sein. Ähnlich wie z. B. im Hinblick auf die feministische Theologie, die zu einer erweiterten Leseperspektive der Heiligen Schrift führte, wird es auch hier darum gehen, vertraute Texte neu wahrzunehmen und sie im Hinblick auf Inklusion zu bedenken. Ob sich am Ende aus einer Theologie der Inklusion eine inklusive Theologie entwickelt, bleibt abzuwarten. Jedenfalls ist es eine anspruchsvolle Aufgabe, Theologie in allen Teilgebieten inklusiv zu denken. Da Inklusion sich unteilbar auf alle Lebensbereiche bezieht, ist die Theologie in ihrer Gesamtheit herausgefordert. Angesichts der vielen Dimensionen der Inklusion kann keine Teildisziplin ein Monopol beanspruchen oder sich dieser Herausforderung entziehen.

Eine nicht nur akademische Debatte unter Theologen

Karl Barth und Heinrich Vogel traten in der Diskussion um das Rätsel des Leidens, das die schwerbehinderte Tochter Vogels zu tragen hatte, aus dem akademischen Raum heraus. Vogel vertrat die Hoffnung, seine Tochter werde im Reich Gottes keine Behinderung mehr haben. Für Barth klang das so, als habe Gott einen Fehler gemacht, den er später korrigieren müsste. Er hielt Vogel entgegen: "Ist es nicht eine viel schönere und kräftigere Hoffnung, dass dort das offenbar wird, was wir jetzt so gar nicht verstehen - nämlich, dass dieses Leben nicht vergeblich war, weil Gott nicht umsonst zu ihm gesprochen hat: Gerade dich habe ich geliebt!?" 14

2.1 Gottebenbildlichkeit und menschliche Würde

Der wichtigste theologische Bezugspunkt der Inklusionsdebatte ist die Gottebenbildlichkeit des Menschen (1 Mose 1,26f.). Jeder Mensch ist von Gott, so wie er ist, nach seinem Bild geschaffen. Dies begründet seine unantastbare Würde. Sie ist eine unverfügbare und unverlierbare Gabe Gottes, nicht abhängig von Eigenschaften oder Lebensbedingungen. Die Würde des Menschen muss nicht erleistet oder verdient werden. Sie ist ein Geschenk.

Gottebenbildlichkeit ist ein Beziehungsbegriff. Es gehört zur Würde der Menschen, dass sie auf Beziehung und Gemeinschaft zu Gott und untereinander angelegt und angewiesen sind. Aus der voraussetzungslosen Liebe Gottes kann sich das Leben in aller Vielfalt gestalten, immer in der Spannung zwischen Angewiesenheit und Selbstbestimmtheit bzw. Fürsorge und Autonomie.

Die Bibel denkt nicht in Kategorien des "Wesens" und der "Substanz" wie die griechische Philosophie, sondern in der Kategorie der "Beziehung" zwischen Gott und den Menschen. Kein Mensch muss eine bestimmte Eigenschaft haben, um seine Gottebenbildlichkeit nachweisen zu können. Und keine Eigenschaft kann ihn von der Zugehörigkeit zum Menschsein oder von der Teilhabe an menschlichen Gemeinschaften ausschließen! Es genügt einzig, Mensch zu sein. Im Gedanken der Gottebenbildlichkeit des Menschen steckt zugleich die theologische Begründung für die Gleichheit des Menschen in allen seinen Unterschiedlichkeiten. Da der Mensch als Bild Gottes geschaffen ist, sind Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit gleich, im Sinne von gleich wertvoll.

2.2 Die Vielfalt der Schöpfung

Ausgangspunkt vieler Begründungen der Inklusion ist der Heterogenitätsbegriff. Dabei wird Verschiedenheit gleichberechtigt und nebengeordnet gekennzeichnet oder zeitlich im Blick auf die Biographie eines Menschen gedeutet oder in der Wahrnehmung von Differenz stets nur als Konstrukt von außen verstanden. Heterogenität kann deshalb als "Zusammenhang von Verschiedenheit, Veränderlichkeit und Unbestimmtheit" 15 verstanden wer

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