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Kommunikativ predigen Plädoyer und Anleitung für die hörernahe Auslegungspredigt von Stadelmann, Helge (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.02.2015
  • Verlag: SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag
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Kommunikativ predigen

Helge Stadelmanns Buch 'Evangelikale Predigtlehre' hat viele Jahrgänge von Studierenden geprägt. Für diese Neuausgabe hat der Autor sein Werk um ein aktuelles Kapitel ergänzt: 'Der Stellenwert der Exegese biblischer Texte in den Entwürfen aktueller Predigtlehren'. Die Neuformulierung des Titels 'Kommunikativ predigen' betont, worin die Leidenschaft des Autors besteht: in einer Predigt, die tief in den biblischen Texten wurzelt und sich den Hörern lebensnah verständlich macht.

Helge Stadelmann, Jahrgang 1952, ist Rektor der Freien Theologischen Akademie Gießen und Gastprofessor für Praktische Theologie an der Evangelischen Theologischen Fakultät Löwen/Belgien. Der Autor von mehr als 150 Veröffentlichungen ist beheimatet im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 312
    Erscheinungsdatum: 24.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783417227994
    Verlag: SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag
    Größe: 6320 kBytes
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Kommunikativ predigen

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]
2. DIE ERARBEITUNG DER PREDIGT ZWISCHEN TEXT UND HÖRER

2.1 Hermeneutische Grundentscheidungen

Hermeneutik hat mit dem rechten Verstehen von Texten zu tun. Teils geht es dabei um Grundsatzfragen: Was ist eigentlich 'rechtes Verstehen'? Wann ist ein Text richtig verstanden? Wie verhält sich die Sache, von der der Text redet, zu dem Denken über die Sache? Wer beziehungsweise was bestimmt, was der Sinn eines Textes ist? Wird der Sinn eines Textes durch das bestimmt, was der Entstehung des Textes vorausliegt: das heißt durch irgendwelche Vorformen des Textes oder Bewusstseinszustände seines Autors, die man hypothetisch rekonstruieren kann? Macht sich der Sinn eines Textes an der Aussageabsicht seines Verfassers fest, die sich am Wortlaut des Textes in seinem Kontext ablesen lässt? Oder ist der Sinn des Textes das, was er beim Leser beziehungsweise Hörer auslöst? Außerdem ist gerade in der Praktischen Theologie über den gesamten Verstehensbogen - vom Text über den Ausleger beziehungsweise Prediger bis hin zu den Hörern - nachzudenken. Was ist das Wesen, die Eigenart dieses Textes? Welche Anforderungen stellt er an den Ausleger? Welche Voraussetzungen muss der Ausleger mitbringen, um den Text verstehen zu können? Was ist bei der Textauslegung zu beachten? Wann hat der Ausleger den Text richtig verstanden? Wie kann er sicherstellen, dass ihn seine Hörer, denen er den Text auslegt, nicht missverstehen? Ist das, was der Text ursprünglich bedeutete, etwas anderes als das, was er für den Hörer heute bedeutet? Wie ist das Verhältnis von Auslegung und Anwendung? Fragen dieser Art gehören zur Hermeneutik als der Theorie der Auslegung von Texten.
2.1.1 Die Entwicklung weg vom Bibeltext als Verstehensnorm

In der Predigtlehre lag lange Zeit aller Nachdruck auf dem Bibeltext. Es ging um das Wesen dieses Textes als Gottes Wort, das seiner Aussageabsicht entsprechend auszulegen war. Die Predigt hatte das zu sagen, was der Text sagt. Seit der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis in die 1960er-Jahre vertrat die Mehrzahl der Prediger im Gefolge von Karl Barth und seiner 'Theologie des Wortes Gottes' diese Betonung. Hier sei an das Votum von Karl Fezer erinnert: Ein "Vortrag über religiöse Fragen, ja eine religiöse Ansprache ist selbstverständlich möglich auch ohne Text. 1 Aber eine Predigt, die zur Aufgabe hat, die Gemeinde vor den lebendigen Gott zu stellen, gibt es nicht ohne das Wort, in dem der lebendige Gott uns seine Gemeinschaft schenkt, ohne den Text." Karl Barth war überzeugt, die Predigt könne "in ihrer Substanz nichts anderes sein als Exegese", weil nur die Heilige Schrift die geschehene Offenbarung bezeuge und ordnungsmäßig auf sie hinweise. 2 Von daher gilt für die Predigt: "Wir Theologen haben nur das zu wiederholen, was Menschen von dem, was ihnen begegnete, sagen"; und: "Die Predigt ist nach Form und Inhalt unter allen Umständen gebunden als Schriftauslegung." 3

In den späten 1960er-Jahren änderte sich diese Betonung im Rahmen der so genannten 'empirischen Wende' in der Praktischen Theologie. Jetzt lag der Nachdruck nicht mehr so sehr auf dem Bibeltext, sondern auf dem Menschen, den Hörern. Es ist nicht von ungefähr, dass dem - in diesem Zusammenhang entscheidend wichtigen - Buch von Ernst Lange ein Gedicht von Sidney Carter mit dem Titel 'The Present Tense' ('Die Gegenwart') vorangestellt ist. In der ersten und vierten Strophe heißt es dort: "Your holy hearsay / is not evidence: / give me the good news / in the present tense. [...] So shut the Bible up / and show me how / the Christ you talk about / is living now." 4 Die Aufforderung: "Mach' die Bibel zu!" steht hier also zu Beginn eines Buches über Predigt. Das Interesse gilt nicht mehr dem Damals, wovon der Bibeltext spricht, sondern der Gegenwart - der lebendigen Wahrheit heute. 5 Entsprechend vertritt E

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