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Konstellationen und Transformationen reformatorischer Theologie

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2018
  • Verlag: Evangelische Verlagsanstalt
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Konstellationen und Transformationen reformatorischer Theologie

"Reformation" ist ein Schlüsselwort, das epochale Veränderungen in Kirche und Theologie, im sozialen und politischen Leben bezeichnet, und zwar mit Ausstrahlung auf die gesamte europäische Geschichte. Als Metapher suggeriert es jedoch die Wiederherstellung einer ursprünglichen, dem Christentum von seinen Anfängen her mitgegebenen Form, wodurch die unvorhersehbaren Neuerungen und Veränderungen eher verdeckt werden. Schon die Reformation war vor allem Transformation. Reformatorisch ist die Theologie in der Folge darum auch nicht, wenn sie sich an die historische Gestalt der Theologie der Reformatoren bindet, sondern wenn sie den reformatorischen Impuls aufnimmt und in zeitgenössischer Verantwortung fortsetzt. Umso deutlicher die historischen Konstellationen des frühen 16. Jahrhunderts vor Augen stehen, desto unabweisbarer wird die systematisch-theologische Frage nach den Transformationsgestalten protestantischer Theologie. Der Band versammelt Beiträge zweier Tagungen der Fachgruppe Systematische Theologie mit den Schwerpunkten Dogmatik und Ethik, u. a. von Michael Beintker, Philipp David, Rebekka Klein, Dietrich Korsch, Malte Dominik Krüger, Gesche Linde, André Munzinger, Cornelia Richter, Karl-Siegbert Rehberg, Christoph Seibert, Walter Sparn, Knut Wenzel. [Constellations and Transformations. Reformation Theology Revisited] "Reformation" is a key word that describes fundamental changes in church and theology, in social and political life with striking consequences for the entire European history. However, this term entails the suggestion, that a primary and original form of Christian belief is restored while in fact something new and unpredictable was initiated, a series of ongoing transformations. Rethinking theology in the wake of the Reformation therefore starts by reassuming its initial impulses, not by restricting itself to its historical forms. One might even say: The more the constellations of the formative years of protestant theology are historically reconsidered, the stronger the urge is felt to reshape contemporary religious life and Christian faith.

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Konstellationen und Transformationen reformatorischer Theologie

G LAUBENSGEWISSHEIT ?

D IE ALLERNÖTIGSTE F RAGE REFORMATORISCHER T HEOLOGIE EINST UND JETZT

Walter Sparn

Die Frage nach den Konstellationen und Transformationen reformatorischer Theologie rückt spätestens seit dem Ende ihrer formal konfessionellen Existenz nahe an die Frage nach der religiösen und kulturellen Präsenz der Reformation überhaupt, hierzulande und anderswo. Man denke nicht nur an die ökumenischen Debatten der letzten Dekaden, sondern auch an die vielen Varianten der Bezugnahme auf die Reformation, speziell an durchaus eigenwillige Luther-Bilder in Freikirchen, in charismatischen Gemeinden oder in lutherischen Kirchen in Schwarzafrika, Indien und China. Im Bewusstsein eines Mangels an Umsicht beschränke ich mich auf unsere durchaus partikulare akademische Welt.

I. R EFORMATORISCHE K ONSTELLATION(EN)

"Wie einer gewis wird, dass ihm die sund vergeben sein?" Auf "diese allernötigeste frage" bezog Philipp Melanchthon in der Apologie des Art. XII des Augsburgischen Bekenntnisses den Gegensatz der reformatorischen zur altgläubigen Lehre von Rechtfertigung und Buße "Hanc certitudinem fidei nos docemus requiri in evangelio. Adversarii relinquunt conscientias incertas et ambigentes." Wenn aber die ungetröstet und friedlos gelassenen Gewissen "inn dem zweifel allzeit und ewig steckenbleiben, so erfaren sie nimmer, was Gott, was Christus, was glaub sey. Darüber gehets zuletzt also, das sie in verzweifelung, one Gott, one alle Gotteserkenntnis sterben." 1 Melanchthons Fokussierung des aufbrechenden konfessionellen Gegensatzes wurde dann vom Konzil von Trient in der Sessio VI über die Rechtfertigung 1547 bestätigt. Im Verfolg des pastoralen Interesses an der Aktivierung heilsdienlichen Handelns wusste es sogar den moralischen Selbstzweifel des Christen zu schätzen; es belegte die evangelische Glaubensgewissheit daher als inanis haereticorum fiducia mit dem Anathema. Genauso sah den Gegensatz auch Martin Chemnitz in seinem Examen Concilii Tridentini von 1565: Aus dem Evangelium in seiner Eigenart als promissio gratuita fließe die certitudo justificationis ; diese Heilsgewissheit sei eine Eigentümlichkeit ( proprietas ) des rechtfertigenden Glaubens. Dieser hat als solcher keinerlei Grund zum Zweifel. 2

Der Ort und die Zeit, in der die Vergebungs- und Heilsgewissheit geschenkt wird, war für die gesamte reformatorische Theologie die Buße. Insofern das ganze Leben des Christen Buße ist, wird die im Frommwerden erfahrene Glaubensgewissheit Anlass zum Dank, ihre mangelnde Stetigkeit veranlasst zur Klage, zum Bekenntnis der Sünde und zur Bitte um die neuerliche Gabe eines gnadengewissen Glaubens durch den Heiligen Geist. Diese Vorgänge, die in fast allen rhetorischen und literarischen Genera beschrieben wurden und die zur Neubestimmung der theologischen Reflexion als sapientia experimentalis führten, vollziehen sich in einer kommunikativen Konstellation. 3 Sie lässt sich, sehr verknappt, so beschreiben: Glauben ist Gewiss-Sein der göttlichen Gnade erstens, weil es von dem Zuspruch des Evangeliums Jesu Christi hervorgerufen und lebendig erhalten wird. Zweitens ist es ein neues Selbstverhältnis, d. h. es existiert in einer Person, deren Herz und Gewissen befriedet und befreit ist. Drittens macht der Glaubende neue Erfahrungen mit sich selbst und mit der Welt, in der er lebt. 4 Diese kommunikative Konstellation wurde von den reformatorischen Theologien unterschiedlich näherbestimmt. Sie erwies sich als polyvalent und wurde denn auch in allen drei Faktoren diversifiziert.

Der Grund der Glaubensgewissheit im Wo

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