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Männerseelsorge Impulse für eine gendersensible Beratungspraxis von Kuratle, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.06.2015
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
23,99 €
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Männerseelsorge

Wie kann Männern der Zugang zur Seelsorge erleichtert werden? Was macht Begegnungen mit ihnen in der Seelsorge so besonders? Welche Themen, welche Art des Umgangs mit Krisensituationen und Konflikten stehen im Vordergrund? Wie können Männer hilfreich begleitet werden? Solche Fragen wurden in der Seelsorge bisher kaum aufgegriffen. Anhand vieler Beispiele aus der Praxis der Männerseelsorge und aktueller Erkenntnisse der Männerforschung werden Grundfragen einer männerspezifischen Beratungspraxis in der Kirche erörtert, Themen und Konfliktbereiche eines Männerlebens erschlossen und Seelsorgemethoden dargestellt, die sich in der Begleitung von Männern bewähren. Konkrete Formen der Männerseelsorge werden anhand von Beispielen aus der Gemeinde-, der Krankenhaus- und der Gefängnisseelsorge sowie der Beratungsarbeit mit Paaren beschrieben. Grundsätzliche Überlegungen und konkrete Modelle einer Seelsorge mit Männern vermitteln zahlreiche Impulse für eine gendersensible Beratungspraxis und bringen Seelsorger und Seelsorgerinnen bei der Begleitung von Männern auf neue und eigene Ideen.

David Kuratle, Pfarrer/Systemischer Paar- und Familientherapeut. Dr. Christoph Morgenthaler, Prof. em. für Seelsorge und Pastoralpsychologie an der Universität Bern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 253
    Erscheinungsdatum: 02.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170289550
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 3133 kBytes
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Männerseelsorge

Bin ich der Schlafsack meiner Seele?

Fischli/Weiss 16



2. Männerseelsorge - Ursprünge und Grundlagen

Männerseelsorge steht nicht am Anfang. Vielmehr können wir bei der Entwicklung einer männersensiblen Beratungspraxis in der Kirche an vieles, was in den letzten Jahrzehnten erarbeitet wurde, anschliessen: an Grundprinzipien der Seelsorgebewegung, an feministische Theologie und Seelsorge, an Männerstudien und eine differenzierte Weiterentwicklung der Genderdebatte seit den 1990er-Jahren.
2.1 Der Aufbruch der Seelsorge - Männerseelsorge "avant la lettre"

Schon immer hatten Männer Begegnungen und Gespräche mit Seelsorgern, in neuerer Zeit auch mit Seelsorgerinnen. So sind - um in der jüngeren Vergangenheit anzusetzen - seit dem Aufbruch der Seelsorgebewegung unzählige solche Gespräche dokumentiert und reflektiert worden. An einem Beispiel aus den Anfängen der Seelsorgebewegung sei genauer analysiert, wie der innovative pastoralpsychologische Interpretationsansatz neue Perspektiven auch auf Seelsorge mit Männern eröffnete. 17

Der Seelsorger besucht zum zweiten Mal einen 33-jährigen Patienten, der nach einem Arbeitsunfall im Krankenhaus liegt, und findet ihn am Fenster stehend. Auf Nachfragen des Seelsorgers reagiert dieser zunehmend ärgerlich. Er muss nochmals unters Messer, da sein Arm noch "muckert". 18

Patient: Dass er im Ellbogen steif bleibt, weiss ich. Hab ich mich ja auch abgefunden. Aber nun ist es doch genug! Vielleicht ganz steif oder ganz ab... Wissen Sie, Herr Pastor, da fragt man sich ja nun wirklich, ob das der liebe Gott so will. Ich kann doch nicht den Invaliden spielen! Mann! Mit 33 Jahren vielleicht auf Rente...! Nee, will ich nicht!

Seelsorger: Sie sind in Sorge, nicht mehr arbeiten zu können?

Patient: Nicht mehr ist zu viel gesagt. Aber rumhocken im Büro und Rechnungen zählen ... Nee, das ist nix! Da grault's mich schon jetzt!

Seelsorger: Ihre Firma hat sicher für sie einen Aussenposten, bei dem Sie nicht immer drin sein müssen.

Patient: Ach, dann dauernd mit einem Arm so rumkrebsen! (Lauter und einen Schritt auf den Pfarrer zutretend:) Na, dann sagen Sie doch mal, womit ich das verdient habe, mit 33 Jahren schon Invalide zu sein! Oder gucken Sie den an! (zeigt auf einen Gastarbeiter) Dem haben Sie das Bein abgenommen. Auch bei der Arbeit verunglückt. Der wollte sich doch bloss ein paar Kröten mehr verdienen als zu Hause. Hat Frau und Kinder zu Hause. Wer hat denn nun schuld?! Er, weil er nach Deutschland gekommen ist, oder weil er nicht aufgepasst hat, oder ist das Schicksal?!

Seelsorger: Eine Antwort kann ich Ihnen darauf auch nicht geben - aber ich verstehe sehr gut, dass Sie so fragen. (Der Gastarbeiter hat gemerkt, dass von ihm die Rede ist. Er lächelt sie an.) Wenn der wüsste (deutet auf den Gastarbeiter), was wir beide für eine Frage haben, würde er auch nicht lächeln, sondern genauso fragen.

Patient: Ja, Fragen und keine Antworten! So ist das immer! Aber Sie verstehen, Herr Pastor - das musste mal raus. Und Sie nehmen mir meine Offenheit doch nicht übel, nicht wahr?

Seelsorger: Aber wie werde ich denn! Ich frage doch genauso wie Sie. Das Einzige, was ich mir dann immer vor Augen halten kann, ist, dass Christus auch erfahren hat, was leiden und Schmerzen haben heisst, und deswegen auch Fragen hatte, Fragen an Gott.

Patient: (Nickt zustimmend mit dem Kopf, zieht aber gleich darauf die Schultern hoch und macht mit der gesunden Hand eine ambivalente Bewegung, indem er sie hin und her dreht. Er sagt nichts.)

Der Seelsorger sucht den Mann noch mit dem Hinweis zu beruhigen, dass ja die zweite Operation auch gelingen könne, und verabschiedet sich mit guten Wünschen.

Er ist nicht zufrieden, als er das Gespräch der

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