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Pastoral mit wiederverheirateten Geschiedenen Gordischer Knoten oder ungeahnte Möglichkeiten? von Wollbold, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2015
  • Verlag: Verlag Friedrich Pustet
eBook (ePUB)
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Pastoral mit wiederverheirateten Geschiedenen

'Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.' Damit sind allen die Hände gebunden - dem Brautpaar, der kirchlichen Öffentlichkeit, dem Amtsträger und der Kirche insgesamt. Oder doch nicht? Die Redebeiträge der Weltbischofssynode und Stellungnahmen im Weltepiskopat ebenso wie die Stimmen von Seelsorgern und Betroffenen gehen in ganz unterschiedliche Richtungen. Was sind die Themen, was die Argumente? Der Münchener Pastoraltheologe Andreas Wollbold gibt Orientierung in dieser schwierigen Diskussion. Er erläutert biblische, geschichtliche, dogmatische, moraltheologische, kirchenrechtliche sowie pastorale Fragen und disku-tiert, ob die 'Oikonomia' der orthodoxen Kirche einen gangbaren Weg darstellt. Schließlich entwickelt er vier eigene Vorschläge zur Erneuerung der Pastoral mit wiederverheirateten Geschiedenen.

Andreas Wollbold, Lic. theol., Dr. theol., geb. 1960, ist Professor für Pastoraltheologie an der Universität München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 01.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783791760643
    Verlag: Verlag Friedrich Pustet
    Größe: 502 kBytes
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Pastoral mit wiederverheirateten Geschiedenen

1. KLÄRUNG DER FRAGESTELLUNG

"Ich weiß wohl, die Frage der Ehe ist äußerst dunkel und komplex. Und ich wage nicht die Behauptung, in diesem oder in einem anderen Buch all ihre fraglichen Aspekte geklärt zu haben oder es überhaupt zu vermögen, wenn ich dazu gedrängt würde", so erklärt der hl. Augustinus in seinem Standardwerk zu unserer Frage, "De coniugiis adulterinis (Die ehebrecherischen Verbindungen)" (Coni. adult. 1,25,32 [CSEL 41,379], vgl. Retractationes 2,57 [CCL 57,136]). Das Problem stellt für ihn eine "äußerst schwierige Frage (difficillima quaestio)" dar (Retractationes 2,57 [CCL 57,136]). In der Tat kommt darin eine Vielzahl von Aspekten und Argumenten zusammen, und gleichzeitig handelt es sich um eine für die Betroffenen wichtige, ja heilsentscheidende Frage. Nach keiner Seite hin darf also die hohe Komplexität des Problems vereinfacht werden, weder um die Probleme zu verdrängen, noch um den Wiederverheirateten "entgegenzukommen".

Eine überaus schwierige Frage erfordert vielmehr große Sorgfalt in der Gedankenführung. Ungewissheiten auszuhalten, Argumente nicht auf ungesicherte Indizien und bloße Hypothesen zu stützen, Gegenargumente genügend zu gewichten anstatt sie zu ignorieren, einem Parteiengeist und einer willkürlichen Auswahl genehmer Literatur zu widerstehen, das verlangt ein hohes wissenschaftliches Ethos und nicht zuletzt ein großes Maß an Bescheidenheit, ja Demut - Tugenden, die zumeist nicht gerade zu den typischen Berufskrankheiten von Forschern und Professoren gehören. Kurz, eine schwierige Frage, verbunden mit dem starken Interesse an einer Lösung: Diese Konstellation führt fast zwangsläufig zur Versuchung, den gordischen Knoten zu zerschlagen (gleich ob mit der rechten oder der linken Hand!), damit jedoch der Komplexität der Frage Gewalt anzutun. Listen wir darum vorweg sieben Gefahrenzonen auf, in die sich die Diskussion beinahe zwangsläufig begibt, aus denen sie dann aber kaum mehr herausfindet.

1. Aus einzelnen Worten oder Vorgehensweisen der Kirchen- und Theologiegeschichte ein allgemeines Gesetz ableiten: Es wäre ein naives Bild der Lehrentwicklung der Kirche, wollte man von Anfang an eine vollkommene Klarheit und Eindeutigkeit des historischen Befundes erwarten. Eher gleicht sie einem Tasten und Suchen, das erst nach und nach zu einer definitiven Ordnung gelangt. Zwar lassen sich grundlegende Einsichten bis zum Anfang zurückverfolgen, doch deren Konsequenzen für die Kirchenordnung bedurften in der Regel eines Weges von Jahrhunderten. So wird man aus der Frühzeit des Christentums einzelne Worte kirchlicher Schriftsteller oder Belege für Verhaltensweisen finden, die von der späteren Lehre und Praxis abzuweichen scheinen. Es wäre aber methodisch nicht zulässig, diese als Anzeichen für eine generell abweichende frühkirchliche Tradition zu interpretieren. Es handelt sich vielmehr um Zeugnisse der frühen Dogmenentwicklung, und zwar, wie noch zu zeigen sein wird, angesichts einer ihr diametral entgegenstehenden kulturellen Umwelt in der Spätantike. Das gilt noch einmal mehr von solchen Belegen, die ohne tiefere Reflexion und eher beiläufig eine damals existierende Meinung oder Praxis bloß erwähnen. Und es gilt schließlich am meisten von solchen Stellen, deren Interpretation selbst vieldeutig ist und historisch und philologisch redlicherweise kaum gesichert angegeben werden kann.

2. Die von der späteren Lehre und Praxis abweichenden Belege stärker gewichten als die sie bestätigenden: Gelegentlich trifft man auf ein eigenartiges Verständnis historischer Theologie, so als wüchse deren wissenschaftlicher Charakter in dem Maß, wie sie lehr- und kirchenkritisch auftritt. Der ansonsten von großem Gleichmut geprägte Jesuit Henri Crouzel, einer der wichtigsten Forscher zu Ehe, Ehescheidung und Jungfräulichkeit bei den Kirchenvätern, bricht einmal in die verständliche Klage aus: "Man macht es sich einfach: Wenn die Schlussfolgerungen eines H

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