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Prophetisches Predigen als Sichtwechsel Eine interkulturelle Studie von Weber, Christel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.07.2019
  • Verlag: Evangelische Verlagsanstalt
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Prophetisches Predigen als Sichtwechsel

Was ist prophetisches Predigen? Ist es das Reden einer charismatischen Ausnahmegestalt oder kann jede und jeder prophetisch predigen? Ist es autoritär oder hinterfragbar, bricht es Dialoge ab oder kann es sie sogar initiieren? Ist es situativ- und kulturell-bedingt, so dass wir es in säkularen Demokratien nicht finden (oder finden dürfen?), oder brauchen wir die prophetische Predigt gerade jetzt, um Kirche zu bleiben und zu werden? Christel Weber durchleuchtet das prophetische Predigen von allen Seiten: exegetisch, dogmatisch, homiletisch, aus der Sicht derer, die Predigten halten, und derer, die Predigten hören. Dafür nimmt sie die Lesenden auf eine Reise nach Südafrika, den USA und Deutschland mit. Sie erläutert, dass es der »Sichtwechsel« ist, der das Predigen prophetisch und solches Predigen heute notwendig macht. [Changing views. Prophetic Preaching, an Integrative Study] What is prophetic preaching? Is it the sermon of a charismatic exceptional human being or are we all empowered to preach prophetically? Is it authoritarian or can it be questioned, is it cutting off dialogue or can it initiate it instead? Is it a speech shaped by its certain moment in history or culture (so it will not be found in democratic societies or is not even wanted), or do we need prophetic preaching now to be or become the church? The author examines prophetic preaching from all angles: Exegetically, dogmatically, homiletically, from the perspective of those who preach and those who listen to the preaching. In order to do so she takes the readers on a journey to South Africa, the USA and Germany. She states that it is the ?changing of views? that makes the preaching prophetic and that makes such preaching necessary today.

Christel E. A. Weber, Dr. theol., Jahrgang 1961, studierte Evangelische Theologie in Bethel, Marburg, Heidelberg, Hamburg und Chicago. Sie ist Gemeindepfarrerin und Mitarbeiterin an verschiedenen Arbeitshilfen für Gottesdienste und bei WDR 5.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 31.07.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783374062607
    Verlag: Evangelische Verlagsanstalt
    Größe: 1307 kBytes
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Prophetisches Predigen als Sichtwechsel

II.DREI ZUGÄNGE ZUM BEGRIFF DES PROPHETISCHEN PREDIGENS
1PROPHETENBILDER

»Ich predige auf der Kanzel der Martinskirche. Die Kirche ist brechend voll. Ich höre mich sagen: In Südafrika geschieht unsägliches Leid. Botha ist ein Schwein, er hat viele Menschen auf dem Gewissen. Er darf nicht länger regieren. Die Menge tobt und applaudiert, die Kirchenmauern werden transparent und sind weg. In der ganzen Umgebung bis hin zu den Bergen jubeln die Leute: Endlich einmal ganz klar die Wahrheit gesagt! Unter der Kanzel steht die Kirchenleitung. Ihnen ist es zu unruhig, ich soll herabgezerrt werden, sie kommen hoch. Ich trete auf den Boden der Kanzel, sie wirkt wie ein Trampolin, ich schwebe hoch, niemand kann nach, ich lache sie aus. Ich lande auf dem Dachfirst der Kirche, frei, unbeschwert. Um wieder auf Gottes Erdboden zu kommen, springe ich auf die Sakristei, sie federt mich ab, ein weiterer Sprung, ich stehe auf dem Boden. Vor mir steht jemand und sagt: Willkommen im Kreis der Revolutionäre. Wir reden nicht vom Brudersein, wir praktizieren es. Wir stehen jeder für jeden mit seinem Leben ein. Wenn du dazugehören willst, brauchen wir deine Parole. Ich antworte: 'Ich warte auf das Reich Gottes' und erwache.«1

Wer prophetisch predigen will, hat Bilder von Prophetie im Kopf. Es sind Bilder, die sich die Predigerin z.B. durch das Studium der Bibel erarbeitet hat, aber auch solche, die sie über bestimmte dogmatische Konzepte, Unterricht, Kindergottesdienst, künstlerische Darstellungen und dem Gebrauch der Worte Prophet und Prophetie in der säkularen Sprache mehr oder weniger bewusst in sich aufgenommen hat.

Prophetenbilder sind nicht nur einfach Material, das in das theologische Verständnis der biblischen Prophetie einfließt und darüber die Predigt beeinflusst. Sie prägen die pastorale Existenz. Manfred Josuttis schreibt 1991: »Der Pfarrer will Prophet sein.«2 Sein »Anderssein« als Prophet ist beabsichtigt und gehört zu seiner Identität, an deren Konstruktion er sich beteiligt.3 Und da er »Pfarrer ist, indem er predigt« hat er den Anspruch, prophetisch zu predigen.4 Josuttis beschreibt die intrinsische Motivation dieser Berufung: »Der Pfarrer will Prophet sein«. Aber dem Selbstanspruch entspricht in den evangelischen Landeskirchen der EKD auch eine äußere Berufung, die sich in der Ordination und in der auf sie bezogenen gottesdienstlichen Einführung einer Pfarrerin und eines Pfarrers manifestiert: Schließt die Berufung zum »Hirten-und Verkündigungsamt«,5 so wie die gemeinsame Einführungsagende von UEK und VELKD formuliert, auch das »prophetische Amt« mit ein? Luther entwickelte nur ein priesterliches und ein königliches Amt, erst über Calvin und Bullinger dringt ein 'prophetisches Amt' in die protestantische und auch die katholische Theologie ein. In der Einführungsagende der UEK wird dennoch ein solches Amt nicht erwähnt. Verweigert sich die prophetische Rede einem 'Amt'? Lässt sie sich vielleicht gar nicht institutionalisieren?6 Kann man überhaupt von einem von der Kirche legitimitierten Auftrag zum prophetischen Reden, vielleicht sogar von einer 'prophetischen Sukzession' sprechen?7 Und spricht die Pfarrerin auch dann noch im Auftrag der Kirche, wenn sie wie Josuttis' Theologe im Traum die Kirche verlässt und ihr 'auf's Dach steigt': Schließt diese Rede, wie W.H. Schmidt es fordert, die »Selbstkritik des Glaubens« (und der Kirche) ein?8 Oder kann sie überhaupt nur prophetisch reden, wenn sie einen Standpunkt außerhalb der Institution(en) einnimmt? Woher nimmt sie (dann) ihre prophetische Legitimation: aus einem exklusiven Offenbarungserlebnis? Predigerinnen einer African Independant Pentecostal Church würden hier zustimmen; sie werden darum Propheten genannt. Auch für das 'prophetic preaching' im 'Afr

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