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Das kleine Etymologicum Eine Entdeckungsreise durch die deutsche Sprache von Kopf, Kristin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.09.2014
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
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Das kleine Etymologicum

Wussten Sie schon: - Dass die Tante einmal Base und der Onkel Vetter gerufen wurden? - Dass fertig und führen von fahren abgeleitet sind? - Dass Zwieback und Biskuit mehr miteinander gemein haben, als Gebäck zu sein, und Kekse aus dem Englischen stammen? - Dass Deutsch mit Hindi verwandt ist? - Dass Teich und Deich einmal ein Wort waren? - Dass der Pariser Modeschöpfer Louis Réard auf die Bezeichnung Bikini verfiel, weil er das Kleidungsstück als "anatomische Bombe" sah: Er wählte das Wort, weil er sich eine explosive Wirkung davon erhoffte. Das war nicht unberechtigt, tatsächlich wurde der Bikini zu Beginn als skandalös und unsittlich wahrgenommen und gleich an vielen Stränden verboten. Kristin Kopf, geboren 1984, forscht und lehrt an der Universität Mainz im Bereich historische Sprachwissenschaft. Sie ist Mitbetreiberin von www.sprachlog.de, dem erfolgreichsten deutschen Sprachblog, und Mitglied in der Jury für den Anglizismus des Jahres.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 23.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608107463
    Verlag: Klett-Cotta
    Größe: 6488 kBytes
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Das kleine Etymologicum

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Was Sie schon immer über die deutsche Sprache wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten ...

Die deutsche Sprache ist gar nicht so alt, wie man denken möchte – und gleichzeitig viel älter! Woher kommt dieser Widerspruch? Es gab schon vor langer Zeit eine Sprachform, die aus wissenschaftlicher Sicht hinreichende Ähnlichkeiten aufweist, um als Vorstufe unserer Sprache gelten zu dürfen – das Deutsche ist demnach gut 1500 Jahre alt. Wenn wir aber fragen, seit wann Deutsch so klingt, wie wir es kennen, schrumpft die Zeitspanne schnell auf einen Bruchteil davon zusammen. Unser heutiges Deutsch (das sogenannte NEUHOCHDEUTSCH ) gibt es erst seit Mitte des 17. Jahrhunderts. Seither bildet es eine mehr oder weniger einheitliche Standardsprache. Das war nicht immer so. Lange Zeit gab es große dialektale Unterschiede, die sich allerdings schon zur Zeit des sogenannten FRÜHNEUHOCHDEUTSCHEN (1350 – 1650) in Drucken und Briefen etwas angeglichen hatten – sonst wäre damals eine Verständigung über größere Distanzen hinweg schwierig gewesen. Von Angesicht zu Angesicht wurde dagegen weiterhin Dialekt benutzt.

In diese Epoche fallen die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern (ca. 1450), die "Entdeckung" Amerikas durch Christoph Kolumbus (1492), die Reformation (ab 1517) samt der Bibelübersetzung Martin Luthers (1534) und der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648), jener historische Einschnitt, mit dem eine nicht nur sprachgeschichtlich umwälzende Zeit endet.

Abb. 1: Sprachstufen des Deutschen. 2

Noch im Boot? Die erste Schleife haben wir jetzt hinter uns. Flusstechnisch gesprochen "oberhalb" des Frühneuhochdeutschen gelangen wir ins Hoch- und Spätmittelalter, eine Epoche, in der unsere Vorfahren 3 MITTELHOCHDEUTSCH (1050 – 1350) sprachen – und dichteten: Under der linden / an der heide, / dâ unser zweier bette was ... ("Unter der Linde auf der Heide, wo wir unser Bett hatten") beginnt eines der bekanntesten Gedichte aus dieser Zeit. 1 Es stammt von Walther von der Vogelweide und ist Ihnen vielleicht noch aus dem Deutschunterricht vertraut. Auch das Nibelungenlied entspringt dieser Epoche. Und was war sonst los? Man begab sich auf Kreuzzüge (ab 1096) – aus heutiger Sicht recht unchristlich – und widmete sich bei Hofe dem schwärmerischen Minnesang. Politisch waren Kaiser wie Heinrich IV . an der Macht ( 1050 – †1106), der in Canossa etwas mit dem Papst zu klären hatte, und Friedrich I. Barbarossa ( 1122 – †1190), den man jahrhundertelang schlafend im Kyffhäuser vermutete und im 19. Jahrhundert zum Nationalmythos ausbaute.

Nicht nur politisch und gesellschaftlich war es ein spannungsreiches Zeitalter, auch in unserer Sprache hat sich Dramatisches ereignet. Die wohl folgenreichste mittelhochdeutsche Neuerung, die bis heute Wellen im Sprachsystem schlägt, war die "Nebensilbenabschwächung". Sie wird uns im weiteren Verlauf immer wieder begegnen. Die Vokale, die zentralen, selbstlautenden Klangelemente, wurden in allen unbetonten Silben vereinheitlicht und damit vereinfacht. Mundfaul, wie man war, sprach man nun Wörter wie g i bor a/sp

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