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Der deutsche Wortschatz Struktur, Regeln und Merkmale von Römer, Christine (eBook)

  • Verlag: Narr Francke Attempto
eBook (ePUB)
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Der deutsche Wortschatz

Der Wortschatz einer Sprache ist eine zentrale Komponente der menschlichen Sprachfähigkeit, die der Kreativität beim Bilden und Verstehen überlieferter und neuer Wörter wenige Grenzen setzt. Er ist nicht statisch, sondern in ständiger Veränderung. Da in den Wörtern und Wendungen für die Kommunikation wichtige Erfahrungen der Sprachgemeinschaften gespeichert sind, ist der Wortschatz nicht nur eine psychische, sondern auch eine grammatische, soziale und kulturelle Tatsache. Dieses Studienbuch betrachtet das komplexe Phänomen deutscher Wortschatz beispielorientiert aus verschiedenen inhaltlichen und methodischen Perspektiven und vermittelt so Studierenden und Lehrenden Einblick in die Welt der Wörter. Die 2., komplett überarbeitete und ergänzte Auflage berücksichtigt die neuesten Erkenntnisse in der universitären Forschung und Lehre. Sie enthält neue Kapitel zu den aktuellen Entwicklungen im deutschen Wortschatz und zu den komplexen Wörtern. Dr. phil. habil. Christine Römer lehrte als Hochschuldozentin für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Jena.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 234
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783823301424
    Verlag: Narr Francke Attempto
    Größe: 5818 kBytes
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Der deutsche Wortschatz

3.3 Wortbildung

3.3.1 Funktion der Wortbildung

Der Wortschatz ist ein dynamisches System, das sich in ständiger Veränderung befindet. Ein Aspekt dabei ist die potentiell unbegrenzte Wortschatzerweiterung durch die Bildung neuer Wörter. Dabei werden unter Zuhilfenahme des vorhandenen Sprachmaterials neue Wörter (= Wortbildungen) geschaffen. Die Bildung neuer Wörter erfolgt auch in Analogie zu den vorhandenen, beispielsweise Hausfrau Hausmann , rauchen dampfen . Die Wortbildungslehre, ein Teilgebiet der Morphologie, hat aus der Analyse der vorhandenen Wörter "Normen" für das Bilden von Wörtern abgeleitet.

Die Bildung von komplexen Wörtern schließt Bezeichnungslücken und eröffnet die Möglichkeit Texte zu verdichten, indem aus syntaktischen Fügungen kürzere Wörter werden, beispielsweise Der Pullover kann gewaschen werden, er ist waschbar. Die Komprimierung wird oft bei der Komposition übertrieben. Es entstehen dann sogenannte besonders lange Bandwurmwörter wie Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung .

(Zu dem Sprachwissen, das wir uns aneignen, gehört auch) ein Wissen um die Funktionalität der Wortbildung. Da es keine einfache Funktionszuordnung gibt, haben Wortbildungen, je nach den Textteilen, in denen sie vorkommen, und je nach der stilistischen Intention des Textes, einen unterschiedlichen Platz, und bedingt auch die Präferenz für unterschiedliche bzw. auch unterschiedlich auffällige Bildungen.

(Eichinger, 2012, S. 30)

Das oben angeführte Bandwurmwort ist stilistisch eindeutig als Wort aus der Rechtssprache erkennbar und für die Alltagssprache nicht geeignet. Die morphologisch inkorrekte Wendung Hier werden sie geholfen wurde in der Werbesprache sehr bekannt, da dort Auffälligkeit ein Merkmal ist. In anderen Textsorten wird sie als Bildungsdefizit angesehen. Wie in Römer (2012) dargestellt, gibt es für Werbetexte spezielle Wortschatzgruppen. Beispielsweise treten Hochwertwörter wie biologisch oder fair oftmals auf (Beispiel in 3.0), diese gehen dann in dieser Textsorte auch häufig in Wortbildungen ein.

(3.0.)

Biomineralwasser; biologisch-dynamische Präparate; Bio-Spiral. Der rein biologische Abflussreiniger

Fairness im Handel; Fair Fashion; Unter dem Motto "Fairer Wein - Qualität und Genuss" hatten die Fairtrade-Stadt Homburg und der Fairtrade-Kreis Saarpfalz ...
3.3.2 Typen, Muster und Regeln

Bezüglich der Regelhaftigkeit der Wortbildung kann man zwischen Typen, Mustern und Regeln unterscheiden (ausführlicher in Römer, 2015):

Die Wortbildungstypen sind die grundlegenden Verfahren, die nach der Art der verwendeten Bestandteile differenziert werden. In der Regel unterscheidet man für die deutsche Sprache die Komposition (Wortzusammensetzungen) und Derivation (Wortableitungen). Manche, wie Donalies (2007), nehmen noch die Kurzwortbildung als dritten Typ an. Andere sehen sie als Sondertyp an.

Wortbildungsmuster knüpfen an die Typen an und subklassifizieren und charakterisieren diese weiter entsprechend dem morpho-syntaktischen, morpho-phonologischen und/oder morpho-semantischen Status der Bestandteile. Aufgrund dieser Status-Beschreibungen werden mögliche Wortbildungen vorhergesagt.

Als eine Form der produktiven Muster werden auch kognitiv verankerte morpho-syntaktische Schablonen (Konstruktionen) im Rahmen der Konstruktionsgrammatik angesehen. " Im Rahmen dieser Grammatikkonzeption bestehen Konstruktionen für komplexe Wörter entweder aus freien oder aber zum Teil bereits gefüllten Slots." (Michel, 2014, S. 2) Nach dieser Theorie treten Affixe im Gegensatz zu W

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