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Deutsche Verhältnisse. Die bundesrepublikanische Gesellschaft in Wolfgang Koeppens 'Tauben im Gras' und Martin Walsers 'Ehen in Philippsburg' von Fendl, Verena (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.09.2016
  • Verlag: GRIN Verlag
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Deutsche Verhältnisse. Die bundesrepublikanische Gesellschaft in Wolfgang Koeppens 'Tauben im Gras' und Martin Walsers 'Ehen in Philippsburg'

Magisterarbeit aus dem Jahr 2013 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,7, Ludwig-Maximilians-Universität München (Germanistik), Sprache: Deutsch, Abstract: Die frühen Werke Wolfgang Koeppens ('Tauben im Gras' 1951) und Martin Walsers ('Ehen in Philippsburg' 1957) stehen in der Tradition bundesdeutscher gesellschaftskritisch-realistischer Romanliteratur. Während Walser in seinem Werk weitgehend die traditionelle Romanform pflegt, knüpft Koeppen mit seinen Tauben im Gras an die literarische Moderne und damit an Autoren wie Döblin, Joyce oder Dos Passos an. Die beiden ausgewählten literarischen Texte mit ihren fiktiven Geschichten spüren als Zeitdokumente die gesellschaftliche Wirklichkeit der Bundesrepublik in den 1950er Jahren auf, das heißt, die entsprechenden Texte können als 'Erkenntnisquelle gesellschaftlicher Wirklichkeit' verstanden werden. Ziel dieser Magisterarbeit ist es, anhand einer genauen Textanalyse herauszuarbeiten, wie die bundesrepublikanische Gesellschaft der 1950er Jahre in den entsprechenden Werken dargestellt wird. Wirkmächtige Phänomene der Nachkriegszeit wie beispielsweise der drohende Ost-West-Konflikt oder das sogenannte 'Wirtschaftswunder' müssen dabei hintergründig mitgelesen werden, denn es sind jene spezifisch deutschen Verhältnisse der Nachkriegszeit, die die Existenzweise, das Denken und Handeln der jeweiligen Romanfiguren beeinflussen. Durch das Heranziehen dieser beiden Romane als Textgrundlage ist es möglich, wesentliche zeittypische Akzente herauszustellen. Hierbei gilt es zu zeigen, auf welche Fehlentwicklungen und die daraus resultierenden Folgen die Schriftsteller bei ihrer Darstellung der bundesdeutschen Gegenwart kritisch aufmerksam machen. Die Arbeit geht von der soziologischen Grundannahme aus, dass ein wechselseitiger Zusammenhang von Struktur und Handlung bzw. ein Zusammenhang von sozialen Verhältnissen und Individuum besteht (Mikro-Makro-Dualismus). Demzufolge soll aufgezeigt werden, wie die instabilen Verhältnisse der Nachkriegszeit auf das Individuum einwirken. Unter dieser Voraussetzung ist es von besonderem Interesse der Frage nachzugehen, inwieweit und mit welchen Folgen die Autoren trotz unterschiedlicher Akzente gerade die zwischenmenschlichen Beziehungen zum Kristallisationsort dieser instabilen Zeit machen.

Abitur 2006 am Gymnasium Geretsried. 2007-2014 Studium der Germanistik, Soziologie und Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit dem Abschluss Magistra Artium.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 101
    Erscheinungsdatum: 13.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783668297265
    Verlag: GRIN Verlag
    Größe: 381kBytes
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Deutsche Verhältnisse. Die bundesrepublikanische Gesellschaft in Wolfgang Koeppens 'Tauben im Gras' und Martin Walsers 'Ehen in Philippsburg'

III. Martin Walser: Ehen in Philippsburg (1957)

1. Martin Walsers poetologisches Engagement

Martin Walser, geb. 1927 in Wasserburg am Bodensee, beginnt seine literarische Karriere in der bereits wieder konsolidierten Nachkriegsgesellschaft der frühen 1950er Jahre. Als Mitglied der Gruppe 47 wendet sich Walser kritisch den Defiziten und Verkehrtheiten zu, die er in der Entwicklung der Nachkriegsgesellschaft der Ära Adenauer feststellt; damit erweist sich Walser schon in seiner frühen Schaffensphase als ein am Geschick der Nation leidenschaftlich interessierter und engagierter Schriftsteller. In seinem Erstlingsroman Ehen in Philippsburg (1957) beschreibt Walser - festgemacht an der Realität der bundesdeutschen Gesellschafts- und Mentalitätsgeschichte - das Innenleben leidender (Klein-)Bürger. Jene literarischen Grundsätze, die für das Gelingen eines solchen Romans wirkmächtig sind und die die Ehen in Philippsburg mitgeprägt haben, sollen nicht unerwähnt bleiben.

Für Walser ist Anlass oder Thema der Literatur traditionell immer das, was dem Autor bzw. seiner Klasse noch fehlt an menschlicher Bedingung, oder das, worunter er und seinesgleichen deshalb zu leiden haben. [97] Walser reagiert schreibend auf die Mängel der alltäglichen Wirklichkeit. Er selbst hat unter den historischen Bedingungen seiner Zeit gelitten. In einem Interview aus dem Jahr 2002 formuliert Walser diesen Umstand so für sich: "Ich bin erst mit mir zufrieden, wenn ich mein Leben, meine Frequenz, mein Wundsein im Schreiben erkenne. Das ist dann etwas von diesem Schmerz, den einfach das Leben macht. Wenn die Welt so wäre, wie sie sein sollte, würde ich sicher nicht schreiben." [98] Die Kategorie der Erfahrung, die das Verhältnis vom Bewusstsein des Schreibenden zur Realität markiert, nimmt in der Konzeption Martin Walsers einen zentralen Stellenwert ein und bildet folglich die Basis seiner Realismusvorstellungen: Walser sieht in seiner Aufgabe als Schriftsteller die Notwendigkeit, seine Mangelerfahrung durch das Schreiben auszuarbeiten und damit zu zeigen, dass es ein Bedürfnis nach Veränderung gibt. Für ihn antwortet die Literatur somit immer als "Gegenwehr". Wie sich der Autor durch das Schreiben verändere, so könne sich auch der Leser - weil Lesen nur eine andere Art von Schreiben ist - verändern. [99]

Walser sympathisiert mit Menschen, deren Leben sich schwierig gestaltet, die zu den sog. "Verlierern" bzw. zu den "Unterliegenden" zählen. Zu den Unterliegenden gehört für ihn auch das Kleinbürgertum, dem er selbst entstammt und dem er sich in seinem Roman Ehen in Philippsburg wie in seinen übrigen Texten in besonderem Maße zugewandt hat. [100]

Was die Poetologie des Autors im engeren Sinne betrifft, so ist Walser einer realistischen Literaturvorstellung treu geblieben. Unter realistischer Schreibart versteht er "die auf ihren Anlaß bezogene"; [101] ihre Tendenz sei kritisch. [102] Die jeweiligen Anlässe zum Schreiben seien dabei nicht in der Literatur, sondern in der Realität zu suchen. Die realistische Ausdruckspraxis stelle an sich selbst den Anspruch, als Ausdruck eines historischen Moments nachprüfbar zu sein und ist ohne eine gesellschaftliche Funktion für Walser nicht gerechtfertigt. [103] Weiterhin hält Walser daran fest, dass die gesellschaftliche Wirklichkeit konkret und nicht als allegorisches oder symbolisches Modell Romangegenstand sein kann. So sehr Walser am realistischen Ansatz seines Schreibens festhält, so wenig leugnet er gleichzeitig dessen autobiographische Notwendigkeit, so dass seine Texte in unterschiedlich starker Ausprägung das Innenl

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