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Die verlorenen Seelen von Malcesine Adolf Pichler (1819-1900) von Pichler, Adolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.11.2019
  • Verlag: Studienverlag
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Die verlorenen Seelen von Malcesine

ADOLF PICHLER (1819-1900) - PROFESSOR FÜR GEOLOGIE an der Universität Innsbruck, LITERATURKRITIKER, SCHRIFTSTELLER - war zu seiner Zeit der BEKANNTESTE LIBERALE INTELLEKTUELLE TIROLS, ein Universalgelehrter, der sich in einem ausgeprägt katholisch-konservativen Milieu von niemandem das Denken nehmen ließ. Obwohl seine Gesammelten Werke zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einer repräsentativen, 17 Bände umfassenden Ausgabe erschienen und seinem Verleger wohlwollende Besprechungen einbrachten, erhielt er nie einen kanonischen Status als Literat. Allzu oft stießen seine Texte im unsicheren Gelände ZWISCHEN REALISMUS UND MODERNE auf Widerstand. Seine literarische Handschrift, die Zeitgenossen wie Adalbert Stifter oder Ferdinand Kürnberger durchaus schon erkannt haben, zeigt sich am schönsten in Pichlers HOCHGEBIRGSGESCHICHTEN UND REISEBILDERN. Pichlers Blick auf die Geschichte wie auch auf die Landschaft ist nie bloß ein Blick von außen oder oben. Überall entdeckt er Sehenswürdigkeiten, die in keinem Prospekt auszumachen sind, überall hat er ein Auge für die geologischen Formationen, die Pflanzenwelt, die Kunstschätze, überall stößt er auf alte oder moderne Fundstücke und auf Menschen, die sein Interesse wecken und ihn bedrängen, Betrachtungen über Gott und die Welt und über seine Zeit anzustellen, mit anderen Worten: UNAUFHÖRLICH ZU ERZÄHLEN. DIE HERAUSGEBERINNEN: JOHANN HOLZNER, geb. 1948 in Innsbruck, Studium (Germanistik, Geschichte, Philosophie) an der Universität Innsbruck. Abschluss mit einer Dissertation aus dem Fach Zeitgeschichte: 'Untersuchungen zur Überwindung des Nationalsozialismus in Österreich', betreut von Johann Rainer (Universität Innsbruck) und Ludwig Jedlicka (Universität Wien). Lehrbeauftragter und seit 1994 Tit. Ao. Univ.-Prof. Institut für Germanistik. Von 2001 bis 2013 Leiter des Forschungsinstituts Brenner-Archiv der Universität Innsbruck. LENKA SCHINDLEROVÁ, studiert Deutsche Philologie an der Palacký-Universität in Olmütz/Olomouc. Mitarbeiterin beim Forschungsprojekt 'Ludwig von Ficker: Kommentierte Online-Briefedition und Monografie' am Forschungsinstitut Brenner-Archiv. ANTON UNTERKIRCHER, geb. 1961 in Brixen/Südtirol, studierte Germanistik und Geschichte an der Universität Innsbruck. Er promovierte 1986 mit einer Dissertation bei Univ.-Prof. Dr. Walter Methlagl über 'Theorie und Praxis der Briefedition' und arbeitet seither am Forschungsinstitut Brenner-Archiv. Seine Arbeitsgebiete sind: Erwerbung und Erschließung von Nachlässen, 'Der Brenner' und Tiroler Literatur (gemeinsam mit Christine Riccabona Betreiber des 'Lexikon Literatur in Tirol')

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 236
    Erscheinungsdatum: 28.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783706560047
    Verlag: Studienverlag
    Größe: 11117 kBytes
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Die verlorenen Seelen von Malcesine

Adolf Pichler (1819-1900)
Geologe, Literaturkritiker, Schriftsteller

von Johann Holzner

Adolf Pichler ist am 4. September 1819 in Erl bei Kufstein zur Welt gekommen (im selben Jahr wie Gottfried Keller und Theodor Fontane). Sein Vater war Zöllner, die Mutter Tochter eines Bauernknechts. Aufgewachsen in verschiedenen Grenzstationen (da der Vater immer wieder versetzt wurde), u.a. in Scharnitz oder auch in Vils, lernte Pichler früh neben Wildhütern und Förstern und Holzfällern auch Außenseiter kennen, Schmuggler, Wilderer, Sonderlinge, Einsiedler ... und nach diesen Erfahrungen zeitlebens allen Ordnungshütern mit Misstrauen zu begegnen.

Verdächtig war ihm immer auch der Lektüre-Kanon seiner Zeit. Wenig verwunderlich: Für seine eigenen literarischen Arbeiten fand sich zwar alleweil ein Verlagshaus, wenigstens eine Zeitung oder eine Zeitschrift, und zwar im gesamten deutschsprachigen Raum - ein Durchbruch blieb ihm jedoch versagt. Im Übrigen auch nach seinem Tod, obgleich seine Gesammelten Werke in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts in einer repräsentativen Ausgabe 1 erschienen, in siebzehn Bänden, und dem Verleger Georg Müller in München, der sich zu seiner Zeit mit bibliophilen Klassikerausgaben ohne weiteres neben Kollegen wie Samuel Fischer oder Eugen Diederichs behaupten konnte, doch auch etliche wohlwollende Besprechungen einbrachten.

Adolf Pichler, 1858, Brenner-Archiv, Nl. Pichler, Sign. 4/3.1

Die diversen, manchmal radikalen Kanon-Revisionen im 20. Jahrhundert, die so manchen scheinbar längst kodifizierten Bestand (darunter z.B. auch die Novellen und Dramen von Paul Heyse, der als erster deutscher Autor den Nobelpreis für Literatur gewonnen hatte) gnadenlos über Bord warfen und durch früher zurückgedrängte Literaturwerke ersetzten, 2 brachten für seine Position nichts Neues: Pichler erhielt nie einen kanonischen Status. In der Anthologie Österreichische Erzählungen des 19. Jahrhunderts , die Alois Brandstetter 1986 bei Residenz herausbrachte 3 und die später auch in verschiedenen Buchgemeinschaften nachgedruckt werden sollte, wird Pichler nicht einmal mehr erwähnt; dabei sind in dieser Sammlung keineswegs nur die Berühmten anzutreffen, Franz Grillparzer, Charles Sealsfield, Adalbert Stifter, Ferdinand Kürnberger, Marie von Ebner-Eschenbach, Ferdinand von Saar, Ludwig Anzengruber und Peter Rosegger, sondern durchaus auch Autoren aus der zweiten Reihe wie Moritz Hartmann, Robert Hamerling, Karl Emil Franzos oder Jakob Julius David. Das Werk Pichlers ist sogar aus dem Gesichtskreis der Fachleute verschwunden.

Deutsche Novelle : Welscher Salat

Da er nie kanonisiert und also auch nie in einer mittlerweile schon schwer zu öffnenden Rubrik der Literaturgeschichte eingeschlossen war, kann man sich mit seinem Werk neu beschäftigen, ohne jene Hürden überspringen zu müssen, die den Zugang zu etablierten Autorinnen und Autoren nicht selten doch erschweren wenn nicht womöglich ganz verstellen: Zur Einführung wären besonders Pichlers Hochgebirgsgeschichten zu empfehlen oder etwa auch seine Skizze Reisebilder aus Italien (aus dem Nachlass), 4 die schon sehr viel von der unverwechselbaren Eigenart dieses Schriftstellers verrät:

März in Innsbruck. Es ist bitterkalt. Der Ich-Erzähler - man ist geneigt zu sagen: der Autor - hat eben nichts zu tun und entschließt sich deshalb, mit seiner Tochter nach Italien zu reisen, dem Frühling entgegen. Zunächst einmal gerät er allerdings in den tiefsten Winter. Am Brenner und auch noch im Eisacktal erwarten ihn nämlich Eis und Schnee. Aber mittlerweile beschäftigen ihn viel mehr als die aktuellen Temperaturen schon seine Erinnerungen an die Geschichte der Region. Er denkt an die Aufstände in Tirol in der Napoleonischen Ära, an General François-Joseph Lefebvre, den Herzog von Danzig, den Befehlshaber der Bayerischen Armee, wie auch an das Mädchen von Spinges, Kath

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