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Sprache und Beziehung

  • Erscheinungsdatum: 11.01.2017
  • Verlag: De Gruyter Mouton
eBook (ePUB)
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Sprache und Beziehung

Zwischenmenschliche Beziehungen formen unsere Sprache und unseren Sprachgebrauch, und diese wiederum gestalten unsere Beziehungen. Obwohl diese Wechselwirkung ebenso grundlegend wie vielfältig ist, hat sich um sie bis jetzt kein linguistisches Forschungsfeld ausgebildet, das ähnlich systematisch bearbeitet worden ist wie dasjenige um Sprache und Geschlecht, Sprache und Alter oder Sprache und soziale Gruppen. Der Band versammelt 15 Beiträge, die das Forschungsfeld Sprache und Beziehung exemplarisch besetzen. Sie beziehen sich raumzeitlich auf den deutschen Sprachraum vom Frühneuhochdeutschen bis zur Gegenwart und reichen thematisch von Anreden über Personen- und Beziehungsbezeichnungen, sprachliche Akte und Praktiken bis hin zu kommunikativen Gattungen und Textsorten. Der Band repräsentiert damit beispielhaft verschiedene Formen der Auseinandersetzung mit sprachlicher Relationalität, wie sie aus der aktuellen linguistischen Forschung hervorgehen. Auf diese Weise trägt er zur empirischen Erschließung wie auch zur theoretischen und methodischen Fundierung des Forschungsfeldes Sprache und Beziehung bei. Angelika Linke and Juliane Schröter , University of Zurich, Switzerland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 456
    Erscheinungsdatum: 11.01.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783110493429
    Verlag: De Gruyter Mouton
    Größe: 9349 kBytes
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Sprache und Beziehung

Horst J. Simon
Welche menschlichen Beziehungen sind in den Sprachen strukturell relevant?

Anmerkung: Ich danke den Teilnehmer innen der Zürcher Tagung zu "Sprache und Beziehung" für allerlei Fragen und Anregungen. Mein besonderer Dank gilt Juliane Schröter und Angelika Linke - den Tagungsorganisatorinnen und Herausgeberinnen des vorliegenden Bandes - für ihre steten Ermunterungen, ihre hilfreichen Kommentare und ihre nahezu unendliche Geduld.
1Was suchen wir?

Bei all ihrer grundsätzlichen Verschiedenheit ist es so, dass die Sprachen der Welt meist doch recht ähnliche Ausdrucksbedürfnisse systematisch kodieren: in sehr vielen Sprachen findet man z. B. grammatische Markierungen für die zeitliche Situierung von Handlungen und Ereignissen (mittels der grammatischen Kategorie Tempus) oder für die Frage, ob ein oder mehrere (manchmal auch, ob genau zwei) Elemente eine Verbalhandlung ausführen (mittels der Kategorie Numerus) usw. 15 Je nach typologischem Profil einer Sprache können die markierenden Elemente in unterschiedlichen Formen auftreten, typischerweise erscheinen sie jedoch als Affixe oder als in paradigmatischer Relation stehende Partikeln.

Im vorliegenden Beitrag soll nun ein Ausdrucksbedürfnis im Mittelpunkt stehen, das in der grammatischen Forschung vergleichsweise wenig Beachtung gefunden hat, was darin begründet sein mag, dass es in den grammatischen Systemen nur selten eine zentrale Funktion einnimmt: 16 die Kodierung menschlicher Beziehungen. Sprachliche Mittel werden zwar ganz zentral bei der Organisation zwischenmenschlicher Kontakte eingesetzt, 17 häufig handelt es sich dabei aber um eher diskursiv-pragmatisch zu fassende Phänomene. Ich fokussiere in diesem Beitrag dagegen die Markierungen von Beziehungen, die sprachstrukturelle Relevanz besitzen, worunter einerseits eindeutig grammatische Verfahren (im wesentlichen morphologische) sowie andererseits einigermaßen durchgängige Systematiken im Lexikon gefasst sein sollen. Diese Konzeptualisierung ist eng verbunden mit der grammatisch-typologischen Einsicht von Roman Jakobson: "Languages differ in what they must convey, and not in what they can convey" (Jakobson 1959a/1971: 264, ähnlich Jakobson 1959b/1971). In einer solchermaßen sprachsystem-orientierten Perspektivierung finden demgegenüber die Einflussfaktoren, die bei der (Ab-)Wahl bestimmter sprachlicher Varianten aktiv sind, keine Berücksichtigung. 18

Mit dem Kriterium der strukturellen Relevanz in Grammatik und Lexikon wird also gewissermaßen ein mittlerer Grad an strukturbezogener Strenge angelegt. Dadurch soll ein Eindruck von der Vielfalt der Beziehungen vermittelt werden, die sprachlich wirksam werden können, ohne dabei in methodologische Beliebigkeit abzurutschen. Die Forschungsfrage soll also lauten:

Welche Beziehungen werden wo wie strukturell relevant kodiert?

Dabei kann es beim gegenwärtigen Forschungsstand nicht darum gehen, einen streng systematischen oder gar vollständigen Überblick über die in den Sprachen der Welt vorzufindenden Muster zu liefern. Vielmehr sollen wesentliche und manchmal vielleicht auch überraschende Beziehungstypen aufgezeigt werden, die bei einer kursorischen Lektüre der sprachtypologischen und anthropologischlinguistischen Literatur entnommen werden können. Während manche davon in relativ vielen Sprachen eine Rolle spielen, sind andere in ihrer Verbreitung (sehr) stark eingeschränkt.
2Sprachstrukturell relevante Beziehungstypen

Ich verfolge in diesem Beitrag also gewissermaßen einen struktur-onomasiologischen Ansatz: Welche Sorten von menschlichen Beziehungen finden in den Sprachen systematisch Ausdruck? 19

Bei den Beziehungstypen ist zunächst zu unterscheiden zwischen solchen, die abstrakt auf

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