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Träumerische Ungenauigkeiten Traum und Traumbewusstsein im Romanwerk Thomas Manns. Buddenbrooks - Der Zauberberg - Joseph und seine Brüder von Bensch, Gisela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.04.2004
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
eBook (PDF)
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Träumerische Ungenauigkeiten

Der Band enthält eine zusammenhängende Darstellung des Traumdiskurses in den Romanen Buddenbrooks, Der Zauberberg und Joseph und seine Brüder, die von Thomas Mann selbst als "die drei künstlerischen Haupt-Denksteine" seines Lebens bezeichnet wurden. Jeder Roman stellt eine in sich geschlossene Traumwelt dar, da sich das Verständnis vom Traum bei Mann im Laufe der Jahre differenzierte und vertiefte und neue Aspekte hinzutraten. So spielt die Traumdeutung erst im Josephroman eine wichtige Rolle und auch das Verschweigen, Vergessen und Weitererzählen von Träumen wird jeweils unterschiedlich gesehen. Die Autorin geht auf den großen Themenkomplex des Traumbewußtseins ein, sie stellt weiterhin dar, welche Traumdiskurse von der Antike bis Sigmund Freud von Mann rezipiert und verarbeitet wurden.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 194
    Erscheinungsdatum: 03.04.2004
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862340071
    Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
    Größe: 1765kBytes
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Träumerische Ungenauigkeiten

" Der Zauberberg (S. 57-58)

I Traumbewusstsein

Insgesamt 11 Jahre, von 1913 bis 1924, arbeitete Thomas Mann am Zauberberg, und so verwundert es nicht, dass – auch in der Gestaltung des Traumthemas – Brüche auftreten, die einer geschlossenen und übergreifenden Deutung entgegenstehen.1 Erweisen sich die Buddenbrooks bei genauerer Betrachtung als ein Text, in dem manifeste Träume nur eine marginale Rolle spielen, so ist dies im Zauberberg nicht der Fall. Hier wird viel und ausgiebig geträumt, Hans Castorps Traumgeschichten bestimmen einen großen Teil des Textes und führen den Leser tief in die Gedankenwelt des Romans hinein.

Immer ist es allein Hans Castorp, der träumt. Seine Träume allerdings – sieht man von einer beiläufigen Bemerkung gegenüber Joachim ab – behält er für sich und zieht keine andere Figur darüber ins Vertrauen. Hier zeigt sich, dass der latente Traumgedanke, der hinter dem manifesten Traum steht, tief unbewusste Wünsche des Träumers anspricht, die er als sein ureigenstes Geheimnis wahren möchte. Allein der allwissende Erzähler vermittelt dem Leser die Traumgeschichten Hans Castorps.

Die Erzählhaltung ist daher weniger der innere Monolog oder die erlebte Rede, als vielmehr das auktoriale Sprechen. Darüber hinaus wird die Welt Hans Castorps im Sanatorium "Berghof" aber vor allem durch den Zustand des träumerischen Bewusstseins bestimmt, eine besondere Form von Zeiterfahrung, auf die wir im folgenden noch näher eingehen werden. Bevor wir uns diesem Thema zuwenden, seien zunächst jedoch einige Anmerkungen zur Phänomenologie von Traum und Roman gemacht, da auch Thomas Mann hierüber einen eigenen Diskurs im Zauberberg führt. Traum und Roman haben einiges gemeinsam, was ihre Beziehung zu Zeit und Raum betrifft, insofern sich beide über Zeiten und Orte hinwegsetzen und ein Text (oder Traum), dessen inhaltliche Zeitspanne fünf Minuten beträgt, kann "in der Erfüllung dieser fünf Minuten das Tausendfache dauern" (Zau,758).

Andererseits ist es vorstellbar, dass die inhaltliche Zeit einer Erzählung "deren eigene Dauer verkürzungsweise ins Ungemessene übersteigt"(ebd.). Im siebenten Kapitel des Zauberberg verweist der Erzähler auf Opiumraucher, die während der kurzen Zeit ihrer Entrückung Träume durchlebten, deren Dauer, was die Wahrnehmungsinhalte betrifft, sich auf sechzig Jahre erstreckte (ebd.). Bezogen auf das Träumen wird das gleiche Phänomen bereits ausführlich in Freuds Traumdeutung behandelt, wo es heißt, dass der Traum in eine sehr kurze Spanne Zeit weit mehr "Wahrnehmungsinhalte zu drängen" vermag, als unsere "psychische Tätigkeit im Wachen Denkinhalte bewältigen kann."2 Freud erklärt die Tatsache, dass die Zeitspanne, die der Trauminhalt umfasst, wesentlich umfangreicher sein könne als die Dauer des Traums, damit, dass der Traum eine Phantasie darstellt, die im Gedächtnis bereits jahrelang gespeichert wird und die es nun möglich macht, dass der Träumer sie für die kurze Dauer des Traums "komponiert.""

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