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Von Warmduschern, Kettenretournierern und Giftzwergen Typisch deutsche Wörter im Schnellcheck von Wolff, Leo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.03.2020
  • Verlag: riva Verlag
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Von Warmduschern, Kettenretournierern und Giftzwergen

Die schönsten und kuriosesten Seiten unserer Sprache Wir bauen Luftschlösser, reden mit Engelszungen und sind mucksmäuschenstill, wenn's mal brenzlig wird. Die deutsche Sprache ist reich an Wörtern, für die es kein Äquivalent in anderen Sprachen gibt, und die mehr über uns verraten, als wir denken. Leo Wolff, als Übersetzer bestens vertraut mit den Besonderheiten des deutschen Wortschatzes, hat sich auf die Suche nach typischen deutschen Wörtern und Redewendungen begeben. Kurzweilig und pointiert erläutert er, warum wir auf den Hund kommen oder einfach nur Bahnhof verstehen, und wie charakteristisch Begriffe wie Hinterwäldler, Ulknudel und Trantüte für uns sind. Lost in Translation? Nicht mit diesem Buch! Leo Wolff arbeitet als Autor und Übersetzer in München. Er hat verschiedene Artikel und Bücher zu Sprachthemen veröffentlicht. Als er wieder einmal über einem Text saß und sich den Kopf darüber zerbrach, wie sich das Wort Kettenretournierer am elegantesten ins Englische übersetzen ließe, war die Idee zu diesem Buch geboren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 15.03.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783745310504
    Verlag: riva Verlag
    Größe: 869 kBytes
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Von Warmduschern, Kettenretournierern und Giftzwergen

KAPITEL 1

12 WÖRTER, DIE ES NUR IM DEUTSCHEN GIBT

In keiner anderen Sprache kann man sich etwas unter "Eiertanz" vorstellen, nirgendwo sonst ist von "anbiedern" die Rede, und weder in England noch in Frankreich oder Spanien wäre man je auf die Idee gekommen, unser allerwertestes Körperteil als "Sitzfleisch" zu bezeichnen. Solche Wörter finden sich nur im Deutschen. Auch wenn die Bezeichnung "originell" nicht mehr besonders originell ist: Diese Wörter sind echte Originale.
ABENDBROT

Alle auswärtigen Muttersprachler versichern, dass es in ihrem Land ein Wort wie "Abendbrot" nicht gibt. Allerdings kennen diese Kulturen ein Abendessen. Es wäre vielleicht einmal eine soziologische Untersuchung wert, inwieweit der deutsche Abendessensklassiker der Zeit vor 1968 - das einfache Wurst-/Schinken-/Käsebrot mit Radieschen oder Gürkchen - heute noch zum gelebten Alltag in Deutschland zählt. Vermutlich wäre Abendbrot heute nicht mehr begriffsprägend.

Noch im Mittelalter gab es zum "Abendbrot" das Pendant "Morgenbrot". Dazu mehr unter dem Stichwort Frühstück (S. 226).
ANBIEDERN

Als Goethe noch ein jüngerer Mann war, in der Aufklärungszeit, war die Bedeutung von "bieder" noch ganz positiv gemeint: Der "biedere Mann" war damals der "brave, arbeitsame Bürger", im Gegensatz zum verlotterten, müßiggängerischen Adel. "Bieder" ist wortverwandt mit "dürfen", und die ursprüngliche Bedeutung ist wohl "bedürfnislos, anspruchslos, auch: unbescholten". Bei den damaligen Literaten wie Lessing, Klopstock, Bürger kommt das Wort in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stärker in Gebrauch, wird fast eine Art Modewort. Von diesem Verständnis ausgehend dauerte es nicht lange, bis noch vor 1800 aus diesem braven, unbescholtenen, eben dem biederen Mann der "Biedermann" als Synonym für den kleinbürgerlichen Spießer wird.

Ebenfalls um 1800 kommt anbiedern im Sinne vom "plumpe Anmache" auf.

Nach dem Biedermann ist eine ganze Kulturepoche benannt, die Biedermeierzeit als Inbegriff einer sehr bürgerlich-häuslichen Epoche mit Biedermeiermöbeln, Biedermeiermode und viel Hausmusik. Carl Spitzweg hat uns mit seinen Bildern ein überpointiert-ironisches Bild dieser Zeit in Deutschland, der Schweiz und dem Metternich-Österreich vermittelt. In allen anderen Ländern Europas gab es keine "Biedermeierzeit".

Allein deswegen gibt es keine analoge Begriffsbildung in anderen Sprachen. Im Englischen umschreibt man den Vorgang des Anbiederns mit to make advances ("einen Vorstoß machen") oder umgangssprachlich to get buddy-buddy . Franzosen kennen so etwas wie anbiedern natürlich gar nicht. Sie formulieren allenfalls reichlich umständlich essayer de se faire bien voir de qn ("versuchen, bei jemandem in gutem Licht dazustehen"), oder sie sagen: "Flatteur!" (Schmeichler)
EIERTANZ

"Künstlich abgemessen schritt sie nunmehr auf dem Teppich hin und her und legte in gewissen Maßen die Eier auseinander, [...] sie verband sich die Augen, gab das Zeichen und fing zugleich mit der Musik, wie ein aufgezogenes Räderwerk, ihre Bewegungen an, indem sie Takt und Melodie mit dem Schlag der Kastagnetten begleitete.

Behende, leicht, rasch, genau führte sie den Tanz. Sie trat so scharf und so sicher zwischen die Eier hinein, bei den Eiern nieder, daß man jeden Augenblick dachte, sie müsse eins zertreten oder bei schnellen Wendungen das andre fortschleudern. Mitnichten! Sie berührte keines, ob sie gleich mit allen Arten von Schritten, engen und weiten, ja sogar mit Sprüngen und zuletzt halb knieend sich durch die Reihen durchwand."

Mit diesen Worten beschreibt Goethe in seinem Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre den von Mignon aufgeführten, offenbar sehr akrobatischen Eiertanz. Dies ist die erste und einzige Erwähnung einer derartigen Darbietung in der Literatur. Das akrobatische Ku

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