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Wolfram von Eschenbachs 'Parzival': Buch VIII: Das Verhältnis zwischen Gawan, Antikonie und Vergulaht von Wimmer, Alexander (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2015
  • Verlag: Bachelor + Master Publishing
eBook (PDF)
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Wolfram von Eschenbachs 'Parzival': Buch VIII: Das Verhältnis zwischen Gawan, Antikonie und Vergulaht

Da es in der gegenwärtigen 'Parzival' Forschung ein Ungleichgewicht zu Gunsten Parzivals gibt, wird in diesem Buch der zweite Hauptheld dieser Erzählung in den Mittelpunkt gerückt. Zuerst wird der Inhalt dieses Werkes wiedergegeben, damit dieser mit Wolframs Vorlage verglichen werden kann. Der Vergleich mit dem französischen 'Perceval' von Chrestien ist sehr interessant, da Wolfram entscheidende Schlüsselstellen umgearbeitet hat. Weiterhin wird in dem vorliegenden Buch das Verhalten der drei Figuren genau analysiert und ihr Verhältnis zueinander wird näher beleuchtet. Gawans unhöfisches Benehmen Antikonie gegenüber, deren Verhalten im Widerspruch zur Lobpreisung des Erzählers steht und schließlich Vergulaht, der Gawan gegenüber unritterlich handelt. Abschließend werden drei Interpretationsmodelle für dieses Buch vorgestellt. In dem ersten Modell wird das Verhältnis zwischen 'haz' und 'triwe' erläutert, die eng miteinander verschlungen sind. Der nächste Interpretationsansatz geht davon aus, dass die Geschwister Gawan für einen Gralsritter halten und zuletzt wird erklärt, was es mit Gawans Jagd auf sich hat, da das ganze Buch VIII im Zeichen der Vogeljagd steht.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 42
    Erscheinungsdatum: 01.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955497590
    Verlag: Bachelor + Master Publishing
    Größe: 156 kBytes
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Wolfram von Eschenbachs 'Parzival': Buch VIII: Das Verhältnis zwischen Gawan, Antikonie und Vergulaht

Textprobe: Antikonie: Antikonie stammt auch von dem Feengeschlecht Mazadans ab, wodurch sie über außergewöhnliche Schönheit verfügt und sehr schnell starke Gefühle entwickeln kann. Der Erzähler beschreibt sie in den Passagen 403,21-404,16 und 404,23-30 mit den Worten: schoene, rehter muot, werdekeit, wîpliche êre und kiusche. Später hebt der Erzähler folgende Eigenschaften hervor: süeze, vor valscheit vrî, prîs, lûter, staete und diu saelden rîche. Durch diese Kommentare wird Antikonie als ehrbare, mustergültige Dame beschrieben. Schon der Begrüßungskuss zwischen Antikonie und Gawan ist mehr als sich zwischen Gast und Gastgeberin ziemt. dâ ergienc ein kus ungastlîch. Es bleibt allerdings auch die Frage offen, was denn nun ein kus ungastlîch sein soll. Reichert geht davon aus, dass die Vorsilbe un- das Gegenteil einer Sache bedeutet, was aber nicht immer etwas Negatives darstellt. Er kommt zu dem Schluss, dass das Gegenteil eines gastlichen Kusses, ein Kuss ist, den man einen Gast nicht gibt, also ein erotischer Kuss. Er wertet dies als Wortspiel Wolframs. Der Begegnung mit Gawan haftet also von Anfang an eine erotische Komponente an. Gleich zu Beginn der Szene wird Antikonies Mund als heiz, dick unde rôt (405,19) beschrieben, was hier eindeutig als sexuelles Signal auszulegen ist. Interessanterweise verschwinden auch plötzlich alle Anstandsdamen, die sich anderen Beschäftigungen zuwenden und lassen nun Gawan mit Antikonie alleine, was äußerst ungewöhnlich ist. Ursula Kessler meint, dass Antikonie Gawan damit zu verstehen geben könnte, dass sich dieses Gespräch nicht nur auf sittsame Plauderei beschränken muss. Erst hier besinnt sich Gawan darauf, dass auch manchmal ein vil kranker ar den grôzen strûz erlegt und begehrt daraufhin von Antikonie Liebeslohn. Die Einwände Antikonies, dass ihre Liebe mehr wiege, als der Beischlaf mit ihr und dass sie noch nicht einmal seinen Namen kenne, können Gawan nicht von seinem Handeln abbringen. Das Kreisen und Werben, sowie das Versagen sind häufiger Bestandteil erfolgreichen Liebeswerbens, außerdem könnte sich Gawans Verhalten an Ovid orientieren, der davon überzeugt war, dass Frauen die sich sträuben, doch zu unterliegen wünschen. Die entfernte Verwandtschaft allerdings wäre wohl kein Hindernis für diese Verbindung. In der Folge greift Gawan Antikonie unter den Mantel, was in der Regel als unhöfische dörpertheit gilt und so gar nicht ins Bild des edlen höfischen Ritters passt. Der Erzähler betont aber stets, dass die Intimitäten auf Gegenseitigkeit beruhen, auch wenn Gawan die treibende Kraft hierbei ist. ich waene, er ruort irz hüffelîn. des wart gemêret sîn pîn. von der liebe alsölhe nôt gewan beidiu magt und ouch man, daz dâ nâch was ein dinc geschehen, hetenz übel ougen niht ersehen. des willn si bêde warn bereit (407, 3-9). Das Verhältnis zwischen Gawan und Antikonie wird vom Erzähler nicht kritisiert, dies zeigt sich auch darin, dass er die Perspektive des eintretenden Ritters mit übel ougen (407,8) kommentiert. Dies kann also nur bedeuten, dass der Erzähler die Auffassung des alten Ritters nicht teilt. Für den Ritter kann das Verhalten Antikonies keinesfalls freiwillig sein, da sie sich wohl nicht dem Mörder ihres Vaters hingeben würde. Um den Tatbestand der Notzucht gerecht zu werden, müsste eigentlich Antikonie das Gerüfte erheben, doch dies entfällt, da der Ritter Gawan auf frischer Tat erwischt hat. Weder Gawan noch Antikonie wehren sich gegen diese Vorwürfe, da man Gawan ohnehin nicht geglaubt hätte und Antikonie wohl ihre rasche Intimität nicht publik machen wollte. Interessanterweise wird der Vorwurf der Vergewaltigung später nicht weiter verfolgt und löst sich scheinbar in Wohlgefallen auf. Wolfram lässt den Ritter nur das Verhalten Gawans tadeln und nicht jenes der Antikonie, wodurch auch hier eine Umwertung gegenüber Chrestien geschieht, bei dem der Ritter noch der Dame die Vorwürfe macht. Wie Ant

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