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Die Literatur im Zeitalter Neros von Reitz, Christiane (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2015
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Die Literatur im Zeitalter Neros

In der Regierungszeit des Kaisers Nero (54 - 68 n.Chr.) erleben viele literarische Gattungen eine Blüte oder Renaissance. Für das Epos beschreitet Lucan neue Wege. Seneca verdanken wir die einzigen Tragödien, die aus dem römischen Altertum erhalten sind. Der Roman des Petronius stellt nicht nur ein schillerndes Sittengemälde, sondern auch ein literaturgeschichtliches Unikum dar. Die Satire erlebt mit den Gedichten des Persius einen Höhepunkt in ihrer Geschichte. Eingegangen wird u.a. auf die Fragen: Inwieweit sind die wenigen Verse, die aus Neros eigener Hand überliefert sind, für die Literatur der Epoche wertvoll? Kann unser Wissen über seine politische Entwicklung, das wir aus Sueton und Tacitus schöpfen, für die literarische Interpretation dienlich sein? Die Autorin stellt in einem Querschnitt durch die Epoche die einzelnen Autoren und Werke vor und ordnet sie in den kontextuellen Zeitrahmen ein.

Christiane Reitz, geb. 1953, ist Professorin für Klassische Philologie am Institut für Altertumswissenschaften der Universität Rostock.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 149
    Erscheinungsdatum: 01.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534715329
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 1375 kBytes
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Die Literatur im Zeitalter Neros

II. Nero als Dichter

Im vorigen Kapitel ist der Aufstieg Neros zum Kaiser kurz dargestellt worden. Erinnern wir uns, dass er nicht als "Kronprinz", als regulärer Nachfolger geboren wurde, sondern mehr oder weniger von seiner Mutter in die "Laufbahn" des Kaisers manövriert worden ist! Als sein Adoptivvater Claudius im Jahre 55 ermordet wurde, übernahm er als Siebzehnjähriger die Macht.

Urteil und Vorurteil

Obwohl wir in biographischer Hinsicht viel über Nero zu wissen scheinen, ist seine künstlerische Leistung nur schwer nachzuvollziehen. Vorurteile und Urteile mischen sich in den Quellen: Der Kaiser und der Künstler Nero haben als kaum trennbares Amalgam auf die römische Gesellschaft eingewirkt, auf die Entwicklung von Kunst und Literatur zu seinen Lebzeiten wie auf das Urteil der Nachwelt.
1. Begabt oder nicht?

Tacitus' Einschätzung von Neros Begabung

Darüber, wie begabt Nero tatsächlich war, differieren die Quellen stark. Vermutlich hatte er bereits als junger Mensch großes Interesse an den Künsten. Tacitus behauptet, dass Nero seinen lebhaften Geist schon in der Kindheit von der Redekunst ab- und anderen Dingen zugewandt hatte (ann. 13,3):

Nero puerilibus statim annis vividum animum in alia detorsit: caelare, pingere, cantus aut regimen equorum exercere; et aliquando carminibus pangendis inesse sibi elementa doctrinae ostendebat .

(Er meißelte, malte, übte sich im Gesang oder im Rosselenken; und gelegentlich zeigte er beim Verfassen von Gedichten, dass er über grundlegende gelehrte Kenntnisse verfügte.)

Später nimmt Tacitus eine verächtliche Haltung ein, wenn er von Neros Dichtertreffen, zu denen er seine Freunde einlud, spricht und aufgrund erhaltener Gedichte folgende Ansicht vertritt (ann. 14,16):

(Nero) carminum quoque studium adfectavit, contractis quibus aliqua pangendi facultas necdum insignis erat. hi considere simul et adlatos vel ibidem repertos versus conectere atque ipsius verba quoquo modo prolata supplere, quod species ipsa carminum docet, non inpetu et instinctu nec ore uno fluens.

(Er versuchte es auch mit dichterischer Tätigkeit, nachdem er Leute zusammengeholt hatte, die einiges Geschick im Verseschmieden besaßen, aber keines, das auffiel. Diese setzten sich nach der Tafel mit ihm zusammen, fügten die mitgebrachten oder eben erst gefertigten Verse aneinander und ergänzten seine eigenen, wie auch immer vorgetragenen Worte. Dies lehrt schon die äußere Form der Gedichte, denen es an begeisterndem Schwung und an einheitlichem Rhythmus fehlt.)

Suetons Einschätzung von Neros Talent

Die Darstellung Suetons stimmt mit der des Tacitus darin überein, dass der Kaiser zur Dichtung hingelenkt wird, weil seine Mutter ihm von der Philosophie, sein Erzieher von der klassischen Redekunst abriet. Aber es ist durchaus denkbar, dass Sueton die bei Tacitus geäußerte Kritik gehört oder gelesen hat und darauf antwortete (Nero 52):

Itaque ad poeticam pronus carmina libenter ac sine labore composuit nec, ut quidam putant, aliena pro suis edidit. Venere in manus meas pugillares libellique cum quibusdam notissimis versibus ipsius chirographo scriptis, ut facile apparent non tralatos aut dictante aliquo exceptos, sed plane quasi a cogitante atque generante exaratos; ita multa et deleta et inducta et superscripta inerant.

(Daher neigte er der Dichtkunst zu und schrieb gern und ohne Anstrengung Gedichte und gab auch nicht, wie einige meinen, fremde als seine eigenen aus. Mir sind Schreibtafeln und Notizbücher mit einigen sehr bekannten von ihm selbst geschriebenen Versen in die Hand gekommen, so dass unschwer deutlich wird, dass sie nicht übernommen oder nach jemandes Diktat geschrieben, sondern eindeutig von einem erarbeitet wurden, der dabei überlegt hat und schöpferisch tätig war; so viel war darin durchgestrichen, getilgt und darüber geschrieben.)

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