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Vom sbersetzen zum Simultandolmetschen Handwerk und Kunst des zweit"ltesten Gewerbes der Welt von St"hle, J rgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.07.2012
  • Verlag: Franz Steiner Verlag
eBook (ePUB)
29,90 €
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Vom sbersetzen zum Simultandolmetschen

sbersetzen ist Entscheiden. Simultandolmetschen ist blitzschnelles Entscheiden. Erst beim sbersetzen offenbaren Text und Rede ihre sprachliche Qualit"t. Und: Nur exzellente sbersetzer k"nnen gute Simultandolmetscher sein.
Aber wie geht das - gleichzeitig h"ren und sprechen? Kann der Dolmetscher dabei noch ber Inhalte nachdenken? Zumal: Ein guter Simultandolmetscher ist immer einen Satz voraus.
Grimme-Preistr"ger J rgen St"hle, Simultandolmetscher f r ZDF, ARD und ARTE, f hrt hier mit groáer Kenntnis und Esprit in die Welt des Dolmetschens und sbersetzens ein.
Ein aus der Praxis geschriebenes Lesebuch f r Studenten und Sprachlehrer, auch f r den interessierten Nachwuchs - und f r jeden, der einen tieferen Einblick in die Mechanismen von Sprache und Sprechen, vom sbersetzen als sberwindung der Sprachgrenzen gewinnen m"chte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 413
    Erscheinungsdatum: 03.07.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783515095921
    Verlag: Franz Steiner Verlag
    Größe: 3195 kBytes
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Vom sbersetzen zum Simultandolmetschen

Kapitel 1
Der Simultandolmetscher - das unbekannte Wesen

Der Beruf des Simultandolmetschers - ein unbekannter Beruf. Ein Beruf, von dem viele Menschen mit großer Bewunderung sprechen - ja, von dem sogar eine gewisse Faszination ausgeht. Ist die Feststellung, ein Beruf sei unbekannt, mit der Annahme, er übe Faszination aus, vereinbar? Sind freiberufliche Simultandolmetscher im Reich der freischaffenden Künstler beheimatet? Helfen uns die Muster und die materiellen Bedingungen ihrer Arbeit, vielleicht auch ihre Rolle in der Gesellschaft, sie ein wenig genauer zu verorten? Wie ist es bei ihnen mit dem Einkommensniveau, das schließlich immer wieder herangezogen wird, um einen Beruf einzuschätzen? Sind sie insofern eher mit freien Journalisten oder mit verwandten Berufen, wie Übersetzern und Sprachlehrern, zu vergleichen? Werfen wir einen Blick hinter die Kulissen, in die Kabinen der Simultandolmetscher, um Antworten auf diese Fragen zu versuchen. "Der Simultandolmetscher, das unbekannte Wesen" - diese Anspielung auf einen Aufklärungsfilm der Sechzigerjahre - soll Programm und Motto für die vorliegenden Aufzeichnungen sein.

Als ich vor vielen Jahren - die Tinte auf meinem Diplomzeugnis war noch nicht ganz getrocknet - zu meinem ersten Engagement aufbrach, besuchte ich auf dem Wege zum Konferenzort eine Tante und erzählte ihr voller Stolz von diesem ersten Schritt in mein Berufsleben. "Ja, bekommst du das denn auch bezahlt, mein Junge?", lautete ihre erste Reaktion. Immer wieder bin ich in den frühen Jahren meiner beruflichen Laufbahn Menschen begegnet, die erstaunt waren zu hören, dass die Tätigkeit des Dolmetschens durch eigens dafür ausgebildete, hochspezialisierte Experten für mehrsprachige Kommunikation ausgeübt wird. Dass viele dieser etwas schwer einzuordnenden Sprachprofis auf freiberuflicher Grundlage für Stunden oder Tage engagiert werden, um bei internationalen Zusammenkünften zu dolmetschen.

Es gibt Berufe, über die niemand ohne besonderen Anlass nachdenkt. Sie sind einfach zu fest in unseren Alltag eingewoben. Tagtäglich, ja routineartig haben wir mit ihnen zu tun, begegnen wir ihren Vertretern. Nehmen wir den Arztberuf: Wir denken zwar über die Arbeit des Arztes und ihre Inhalte nicht weiter nach, aber es würde uns auch nicht einfallen, von dem Arzt als unbekanntem Wesen zu sprechen. Es muss eine Anmutung von Geheimnisvollem im Spiel sein, es darf nicht auf den ersten Blick für jedermann zu beantworten sein, wie etwas gemacht wird, ob es überhaupt möglich ist, welche Fertigkeiten jemand mitbringen muss - es braucht eine gewisse Aura von Akrobatik und Zauberei. Denn sonst würden wir ja vielleicht auch von einem Dachdecker, dem in luftiger Höhe niemand auf die Finger sieht (daher "Das kannst du halten wie ein Dachdecker") oder von einem Tiefseetaucher, dem noch niemand von uns bei der Arbeit zugesehen hat, als dem "unbekannten Wesen" sprechen.

Sodann gibt es Berufe, über die wir aus dem gegenteiligen Grund nicht nachdenken: Sie sind am anderen Ende der Skala, weit weg von unserem Alltagsleben angesiedelt. Und sie werden womöglich von vielen Menschen gar nicht als Beruf betrachtet oder wahrgenommen. In diese Kategorie gehören auch die Simultandolmetscher. Über sie will ich schreiben, muss aber gleich einschränken, dass wir eigentlich von dem Berufsbild der Konferenzdolmetscher reden. Nicht jeder dieser besonders ausgebildeten Dolmetscher muss auch über die Kompetenz zum Simultandolmetschen verfügen, nicht alle dolmetschen in allen ihren Arbeitssprachen simultan, sondern manchmal nur gesprächsweise oder im später vorzustellenden Konsekutivmodus. Aber wir nennen uns lieber Simultandolmetscher, weil - unbekanntes Wesen hin oder her - diese Bezeichnung mehr aussagt. Und weil wir fast immer, wenn wir uns als Konferenzdolmetscher bezeichnen, gefragt werden, ob wir auch "dieses Simultan machen".

Wichtig für die Unterscheidung zwischen unbekanntem Wesen und vertra

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