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Von Isis und Osiris zur Schneekönigin Das Motiv der Partnersuche und Partnererlösung in Mythen, Märchen und in der Geschlechterpsychologie von Musche, Brigitte (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.08.2016
  • Verlag: Frieling-Verlag Berlin
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Von Isis und Osiris zur Schneekönigin

Seit Menschengedenken werden durch Mythen und Märchen Sehnsüchte und Träume angesprochen. Ein wiederkehrendes Motiv ist das der Partnersuche und -erlösung. Weithin bekannt sind partnersuchende und/oder -erlösende Gottheiten, wie im Mythos von "Isis und Osiris" oder Märchenhelden und -heldinnen, wie in "Die Schneekönigin". Sie alle sind getrieben von der Kraft der Liebe, einer Liebe, die alle Widerstände jenseits jeglicher Vernunft überflügelt. Das Motiv hat eine lange Tradition, wie die im vorliegenden Buch zum Lesen angebotenen bekannten und weniger bekannten Mythen und Märchen sowie die kompetenten Ausführungen und geschlechtspsychologischen Interpretationen zeigen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 16.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783828033511
    Verlag: Frieling-Verlag Berlin
    Größe: 2517 kBytes
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Von Isis und Osiris zur Schneekönigin

Amor und Psyche von Apuleius

I n einem gewissen Lande lebten einst ein König und eine Königin, welche drei Töchter hatten. Reiz und Anmut schmückten die beiden ältesten in sehr hohem Grade. Doch verschwanden beide wie im Schatten neben dem strahlenden Glanze ihrer jüngeren Schwester.

Die Natur schien an dieser all ihren Reichtum erschöpft zu haben. Ihre Schönheit war weit über das Menschliche, kein Lob konnte sie erreichen; ja, jede Sprache war zu arm, sie nur zu beschreiben.

Auch zogen Eingeborene sowohl als Fremdlinge, durch den Ruf von dieser Wunderschönheit neugierig gemacht, in Menge dahin. Alle wurden so vor Bewunderung darüber außer sich, daß sie die Prinzessin, nicht anders, als ob sie die Göttin Venus selbst wäre, in aller Frömmlichkeit anbeteten.

Hierdurch entstand in allen umliegenden Städten und Ländern die Sage, die Göttin, welche aus dem Meer blauer Tiefe geboren und von dem Taue schäumender Wellen ernährt worden, verstatte jetzt ihrer Gottheit Anblick und wandle sichtbarlich in den Versammlungen des Volkes einher; oder es habe gar durch einen neuen Einfluß der himmlischen Gestirne die Erde, wie ehemals das Meer, eine neue jungfräuliche Venus hervorgebracht.

Dieses Gerücht verbreitete sich mit jedem Tag weiter und weiter. In kurzem war es in den nächsten Inseln und Landen erschollen.

Nun kamen von nahe und von ferne, über Berge und über Täler und über die Schlünde des Meeres unzählige Scharen, diese glorreiche Seltenheit ihres Jahrhunderts zu schauen. Niemand schiffte mehr nach Paphos zur Göttin Venus, niemand nach Knidos noch selbst nach Kythera. Die Opferfeiern der Göttin werden vernachlässigt; die Tempel verfallen; ihre Kissen werden mit Füßen getreten; unbekränzt stehen ihre Bildsäulen, und die verwaisten Altäre sind mit kalter Asche bedeckt. Jedermann betet zur Prinzessin. In ihr wird jene große Gottheit verehrt. Des Morgens bei ihrem Erscheinen dampfen der Sterblichen Opfer, um der abwesenden Göttin Gunst zu erhalten. Man feiert ihr Fest. Wandelt sie auf den Straßen, so begleitet sie in Gepränge das Volk, wirft sie mit Sträußen und Kränzen und streuet ihr Blumen.

So unmäßig ward die Ehre der Himmlischen einem sterblichen Mädchen zugewandt. Venus Aphrodite entbrannte darüber in Zorn. Im bittersten Unwillen schüttelte sie das Haupt und sprach bei sich selbst: "Wie! Ich, der Natur erste Mutter, der Elemente Urheberin, des ganzen Alls ewige Erhalterin, ich soll mit einer Sterblichen die Ehre der Anbetung teilen? Mein himmlisch reiner Name soll an irdischer Niedrigkeit entweiht werden? Wie? Ein sterbliches Mädchen soll gemeinschaftliche Opfer mit mir haben, soll mich der Ungewißheit fernerer Verehrung bloßstellen, soll mein Bild auf Erden sein? Mein Bild? So hätte ja Paris, dessen Treue und Gerechtigkeitsliebe der große Jupiter selbst billigte, mir vergebens den Preis der Schönheit vor so großen Göttinnen zuerkannt! Nein! Wer sie auch sei, sie soll sich wahrlich lange der angemaßten Ehre nicht freuen, soll nur zu bald selbst diese ihre freventliche Schönheit verfluchen!" Und sogleich rief sie ihren Sohn, den geflügelten kühnen Knaben, der mutwillig und frech aller Zucht spottet, des Nachts in den Wohnungen der Sterblichen umherschweift, jedermanns Ehe zugrunde richtet, die größten Ruchlosigkeiten ungestraft ausübt und überall nichts als Unheil stiftet.

Diesen, von Natur schon zur Bosheit geneigt, reizt sie nun durch Worte noch mehr an. Sie führt ihn in die Stadt, wo Psyche (denn so heißt die Prinzessin) sich aufhält, zeigt sie ihm, erzählt ihm die ganze Geschichte von Psychens Wetteifer mit ihr um den Vorzug der Schönheit, ruft endlich seufzend und mit dem Ausdrucke des allerheftigsten Unwillens: "Bei dem Bande der mütterlichen Liebe, das mich mit dir vereint, mein Sohn, bei deiner Pfeile süßen Wunden, bei der seligen Glut, welche deine Fackel entzündet - beschwöre ich, flehe ich dich an: Verleihe deiner Mutter R

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